Es ist der grösste Börsengang eines deutschsprachigen Unternehmens an der New York Stock Exchange seit Jahren: Im September wird die E-Commerce-Firma Signa Sport United (SSU) via SPAC in den USA kotiert.

SSU ist eine Tochter der Signa Retail mit Sitz in Zürich, die von Ex-Migros-Manager Dieter Berninghaus geleitet wird und die wiederum zur Signa Holding des österreichischen Immobilienunternehmers René Benko gehört.

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SSU ist Weltmarktführer im Sport-E-Commerce: Sie betreibt eigene Onlineshops mit sieben Millionen aktiven Kunden wie Tennispoint, Probikeshop oder Outfitter, die durch eine selbst entwickelte IT-Plattform zentral gemanagt werden. Zielgruppe sind ambitionierte Hobbysportler.

Nach der Transaktion wird SSU 2800 Mitarbeiter und 1,6 Milliarden Dollar Umsatz umfassen. Dabei ist SSU noch keine fünf Jahre alt und wurde ganz ohne Fremdkapital aufgebaut. Als «für mich unternehmerisch das interessanteste Projekt der letzten zehn Jahre» beschreibt Berninghaus SSU.

Sie begann mit zwei kleineren Akquisitionen und wuchs dann organisch jedes Jahr mit 25 bis 45 Prozent. Zudem wurden an die SSU-Softwareplattform über 500 unabhängige Onlinehändler angeschlossen, die sich die Investitionen in eine eigene IT nicht mehr leisten können oder denen die Spezialisten fehlen.

Im Zuge der Transaktion fusioniert SSU auch noch gleich mit dem englischen Bike-Onlinehändler Wiggle-CRC. Für das Konstrukt wird eine Bewertung von 3,2 Milliarden Dollar angestrebt, die Signa Retail soll danach noch die Hälfte der Aktien halten. «Wir hätten leicht Anteile verkaufen können, aber wir wollen langfristiger Grossaktionär bleiben», so Berninghaus.

Durch die Plattform werden Preisgestaltung, Lagerhaltung, Logistik, CRM, Kundendienst etc. zentral gemanagt, hinzu kommt eine Community aus 15 Millionen Nutzern: «Wir haben den grössten und tiefsten Datenpool von Hobbysportlern weltweit», sagt CEO Stephan Zoll. «Einige Hunderte Millionen Franken» investierte Signa laut Berninghaus bisher.

Angesichts der nun erwarteten Bewertung dürfte die Wertschöpfung mehr als eine Milliarde betragen. Einen Reingewinn erzielt SSU erwartungsgemäss nicht – «noch nicht», wie Zoll präzisiert –, das Ebitda beträgt 70 Millionen. Bis 2025 soll der Umsatz auf 3,9 Milliarden Dollar wachsen, für weitere Akquisitionen stehen durch eine Kapitalerhöhung rund 350 Millionen Dollar flüssige Mittel zur Verfügung.

Für den Börsenplatz New York entschied sich Signa, «weil dort die Aufmerksamkeit der Investoren für ein wachsendes Technologieunternehmen grösser ist», so Berninghaus. Deshalb wird in Miami ein weiterer Firmensitz eröffnet, neben dem existierenden in Berlin.

Dort sorgt der Milliardendeal für Stirnrunzeln: Denn auch die Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof gehört zu Benkos Imperium – und die hatte unlängst einen staatlichen Notkredit über 460 Millionen Euro erhalten. Ein weiterer ist beantragt.

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