Peter Löscher ordnet seine VR-Mandate neu: Salesforce und Philips statt Deutsche Bank und OMV. Jetzt tritt der Ex-Siemens-CEO nach acht Jahren an der VR-Spitze auch bei Sulzer nicht mehr zur Wiederwahl an.Seine Nachfolgerin auf dem Präsidentensessel des Industriekonzerns wird nach BILANZ-Informationen Suzanne Thoma. Die 59-Jährige war letztes Jahr als Vizepräsidentin ins Board gekommen; für sie wurde der bisherige Vize Matthias Bichsel zu einem einfachen VR-Mitglied degradiert. Die Beförderung zur Präsidentin nächstes Jahr, so hört man, soll von Anfang an vorgespurt worden sein.

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Thoma gilt als dem russischen Grossaktionär Viktor Vekselberg nah: Bei dessen anderer grosser Schweizer Beteiligung, OC Oerlikon, sitzt sie seit 2019 im Board. Thoma ist in Bundesbern gut vernetzt, Vekselberg soll sich von ihr Unterstützung erhoffen im politischen Kampf gegen die US-Sanktionen, denen er seit 2018 untersteht.Thomas Wahl an der Generalversammlung nächsten April gilt angesichts der Besitzverhältnisse bei Sulzer als Formsache.

Dabei stellt sich aber die Frage, wie lange sie das CEO-Amt bei der BKW noch behalten wird. Ihre neue Rolle im Dienste des Oligarchen dürfte in Bundesbern kritisch gesehen werden. Dabei wäre der Zeitpunkt für einen Abgang und den Spurwechsel auf eine reine VR-Karriere günstig: Thoma hat beim Stromproduzenten den Turnaround geschafft und ihn für die Zukunft gut aufgestellt (siehe auch Seite 66).Als Konsequenz der Wahl stellt sich auch für Sulzer die Cheffrage. CEO Grég Poux-Guillaume und die Schweizerin, so hört man, hätten das Heu nicht auf derselben Bühne.

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​​​Das soll auch am Führungsstil der selbstbewussten Thoma liegen: Bereits jetzt als Vizepräsidentin gilt sie als sehr präsent und aktiv nicht nur in den strategischen Entscheidungen, sondern auch mit einem Hang, sich in exekutive Fragen einzumischen. Löscher hingegen, mit dem sich Poux-Guillaume gut versteht, pflegt eine angelsächsische Board-Kultur, die sich auf die Führung des Gremiums beschränkt.

Mehrere gut informierte Quellen am Sulzer-Hauptsitz sagen daher voraus, dass Poux-Guillaume demnächst seinen Rücktritt als CEO bekannt geben wird. Eine erste Warnung Richtung Thoma hatte der Franzose bereits letzten Juli in einem BILANZ-Interview gegeben: «Ich habe einen tollen Job in einer tollen Firma. Das heisst nicht, dass ich mir nicht die Frage stelle, was als Nächstes kommt. Auch ein CEO hat ein Verfallsdatum!», sagte er damals: «Die Herausforderung für jeden CEO ist es, den Punkt zu erkennen, ab dem der eigene Abgang gut wäre.» Diesen Punkt, so hört man, hat er inzwischen erkannt.Von den Akteuren war keine offizielle Stellungnahme zu bekommen.