Es ist ein sehr aussergewöhnliches Manöver, das ABB dieser Tage in der Konzernleitung durchführt: Tarak Mehta, bisher Chef der Sparte Elektrifizierung, übernimmt von Morten Wierod die Sparte Antriebstechnik. Wierod wiederum übernimmt von Mehta die Elektrifizierung. Ein Cheftausch für die beiden grössten Divisionen des schweizerisch-schwedischen Industriekonzerns – so was hat man hierzulande in dieser Form noch nie gesehen.

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Die offizielle Begründung ist hilflos: «Es ist der richtige Zeitpunkt, um einen frischen Blick und eine andere Perspektive darauf zu werfen, wie man die bereits gute Performance der beiden Sparten verbessern kann», schwurbelt man bei ABB.Der tatsächliche Hintergrund ist ein anderer: Mit dem Move soll Wierod als interner Nachfolger für CEO Björn Rosengren aufgebaut werden. Der 49-jährige Norweger ist seit 1998 bei ABB und wurde 2019 in die Konzernleitung gehievt. «Bereits damals galt er als langfristiger Kandidat für den CEO-Job», erinnert sich ein Weggefährte.

Jetzt muss Wierod seine Eignung beweisen. Sein neuer Bereich Elektrifizierung ist mit 13,2 Milliarden Umsatz fast doppelt so gross wie die bisher von ihm geleitete Antriebstechnik (6,9 Milliarden). Zudem steuert er fast die Hälfte des Konzern-Ebitda bei. Wierods Aufgabe wird es sein, die Effizienz zu trimmen und Synergien zu heben.

Das Portfolio ist komplex, es reicht vom einfachen Lichtschalter bis zum Thema Smart Cities. Auch die 2017 von General Electric (GE) für 2,6 Milliarden Franken übernommenen Industrial Solutions gehören dazu, ebenso das Geschäft mit Ladesäulen für Elektroautos. Letzteres soll später im Jahr an die Börse gebracht werden.

Ein Gehalt von

8,3 Mio. Fr.

hat der amtierende CEO Björn Rosengren letztes Jahr erhalten.

In den neun Monaten seiner Amtszeit 2020 waren es noch 9,1 Millionen.


Zwei Jahre dürfte Wierod Zeit haben, um seine CEO-Eignung zu beweisen. Denn dann erreicht Rosengren das Rentenalter von 65 Jahren. Mit Wierod würde der Chefposten in skandinavischer Hand bleiben, was nach dem Gusto der schwedischen Grossaktionäre Investor AB (Familie Wallenberg) und Cevian wäre. Mehta ist amerikanisch-deutscher Doppelbürger. Das einzige Konzernleitungsmitglied mit Schweizer Pass, Automationschef Peter Terwiesch, hat auf die Nachfolge keine realistischen Chancen.