Dass Schauspieler George Clooney sich in der neuen Werbekampagne für die Omega Speedmaster ’57 an einen Maserati 3500 GT Spyder Vignale anlehnt, ist einerseits eine stilvolle Sache – es hat allerdings auch historisch gesehen durchaus seine Berechtigung. Denn die Speedmaster mag zwar vor allem deshalb berühmt sein, weil sie die erste auf dem Mond getragene Uhr war. Von ihrer Geburt her ist die «Moonwatch» allerdings eine «Carwatch»: Sie wurde zu Beginn der Massenmotorisierung speziell für Ingenieure und Rennfahrer entwickelt. Und für Freunde des Automobils.

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Sichtbar wurde dies etwa in der allerersten Speedmaster-Reklameanzeige aus dem Jahr 1958 in einem englischsprachigen Magazin: Man sieht darin zwei Männer im Cockpit eines Sportwagens – eines Mercedes 190 SL (Baujahr 1955 bis 63) –, der Beifahrer betätigt eben den oberen Drücker seines Speedmaster-Chronographen am Handgelenk. «Unser Bild zeigt zwei Sportwagen-Enthusiasten, die sich ein Wettrennen gegen die Uhr liefern», steht im Text darunter – gefolgt von der Präzisierung: «Wobei die Uhr gar keine Uhr ist, sondern der neue Hochpräzisions-Computer fürs Handgelenk von Omega, die Speedmaster.» Man habe das Stück speziell für Männer entworfen, «die die Zeit in Sekunden rechnen».

Auffallend an der Reklame ist ein weiteres Detail: Sie enthielt in wenigen Sätzen eine Art Bedienungsanleitung für den damals noch wenig gebräuchlichen Tachymeter, welcher bei der Speedmaster von Anfang an auf der Lünette eingraviert war. Er steht für automobile Gene und gab letztlich der Uhr den Namen. Der Text dazu: «Wenn der Beifahrer den grossen Sekundenzeiger am Ende einer Testmeile anhält, liest er auf einen Blick die verstrichene Zeit ab – 33 Sekunden –, aber auch die gefahrene Geschwindigkeit – 110 Meilen pro Stunde.»

Das Auto, in dem die beiden Männer sitzen, wird aktuell übrigens von Omega wieder in der Werbung eingesetzt. Für die Speedmaster-’57-Kampagne sitzt der südkoreanische Schauspieler Hyun Bin im Mercedes-Klassiker.

Omega Speedmaster ’57

Die Omega Speedmaster ’57, eine Hommage an die erste Speedmaster.

Quelle: ZVG

Eingeführt wurde die Speedmaster ’57 im Jahre 2013, wie die Neuauflage war sie eine Hommage an die erste Speedmaster von 1957. Die neue Uhr – dekliniert in acht Modellen – übernimmt die charakteristischen Details des Originals: die gebürstete Lünette aus Edelstahl, die berühmten Broad-Arrow-Zeiger und den nicht weniger legendären «dot over 90», gemeint ist damit der ikonische Punkt auf der Tachymeterskala über der Zahl 90. Getragen wird die Uhr mit einem Stahl- oder Vintage-Band, unter dem Glas tickt das Handaufzugswerk 9906.

Das Stück ist eine Uhr mit Stammbaum, in Sachen Chronographen hat Omega historisch nämlich einiges vorzuweisen. Das erste bekannte Modell stammt von 1913, es ist ein Chrono mit Taschenuhrwerk und 15-Minuten-Zähler. 1932, nach der Übernahme des Chronographen-Spezialisten Lémania durch Omega, folgten kleinere Kaliber, immer noch mit 30-Minuten-Zähler (Kaliber-Nummern 28.9 CHRO und 33.3 CHRO). 

Viel bekannter ist allerdings das Kaliber 321, welches auch in den ersten Speedmaster-Modellen tickte. Es ist eine Weiterentwicklung des 1942 von Albert Piguet bei Lémania geschaffenen 27 CHRO und gilt als das erste Kaliber mit 30-Minuten- und 12-Stunden-Zähler. Bis Ende der 1980er Jahren war es das kleinste Chronographenkaliber der Welt. Und vor allem das Ergebnis neuer Produktionsmethoden, so das Standardwerk «Omega – Reise durch die Zeit»: «Was es von anderen guten Werken der Konkurrenz unterscheidet, sind die auf ein Mikron genaue industrielle Fertigung der Einzelteile und die perfekte Austauschbarkeit ohne Einpassarbeiten, was zu dieser Zeit noch selten war.» Laut Omega trieb das Kaliber alle Speedmaster-Modelle an, die von der NASA als tauglich für alle bemannten Raumfahrtmissionen befunden wurden, «und befand sich im Innern aller Chronographen, die von de Apollo-11-Astronauten getragen wurden».

Womit wir bei der zweiten Karriere der Speedmaster sind. Sie war, wie erwähnt, 1965 die einzige Uhr, die nach ausgiebigen und harten Tests von der NASA als tauglich für bemannte Raumfahrtmissionen befunden wurde: «Flight-qualified by NASA for all manned space missions». Am 21. Juli 1969 hatte sie Buzz Aldrin bei seinem Spaziergang auf dem Erdtrabanten am Handgelenk – die Uhr ging fortan als «Moonwatch» in die Geschichte ein.

Auch auf den Rennpisten blieb sie aber weiterhin gerne getragen. Ein berühmtes, auf sozialen Medien oft geteiltes Foto zeigt die Speedmaster am Handgelenk von Ferrari-Topmann Luca di Montezemolo, der 1974 am Grand Prix von Italien den Rennfahrer Niki Lauda umarmt. Auch Willy Mairesse oder Damon Hill trugen Speedmaster, erst recht der siebenfache Weltmeister Michael Schumacher. Ihn ehrte Omega mit der «Speedmaster Racing Michael Schumacher Edition». 

Krachend startete letztes Jahr das dritte Kapitel der Uhr mit der MoonSwatch-Kollektion – der wohl werbewirksamste Coup des Jahrzehnts. Für 250 Franken gibt es eine Swatch im Speedmaster-Kleid, elf verschiedene Modelle sind zu haben, jedes ist einem Planeten oder anderen Himmelskörper im Sonnensystem gewidmet. Kritische Stimmen verstummten bald, denn die Swatch Group landete mit der Idee einen gigantischen Erfolg und löste einen selten gesehenen Hype aus, von dem auch Omega profitierte: Die Verkäufe der Speedmaster sollen um 50 Prozent zugelegt haben.

Bei der Bewerbung der MoonSwatch erinnerte man sich offensichtlich auch an die automobilen Gene des Vorbilds. Als «rollende Planeten» starteten elf Fiat 500 auf eine Fahrt durch Europa. Und verkauften die Uhr sozusagen durchs Autofenster.

Dieser Artikel erschien zuerst bei «Watch Around».

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