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Freie Sicht
Verlorene Energie

Zwängt die Wirtschaft in ein Sparkorsett: Energieministerin Doris Leuthard.Keystone

Ökonom Reiner Eichenberger listet acht Gründe gegen die Energiestrategie 2050 auf.

Kommentar  
Von Reiner Eichenberger
am 03.05.2017

Die Energiestrategie 2050 lehne ich aus folgenden Gründen ab:

Plagiat: Die Vorlage erzwingt zu einem hohen Preis, was so oder so passieren würde. Erneuerbare Energien werden sich bis 2050 dank Fortschritt und Marktkräften sowieso durchsetzen. Atomkraftwerke werden aus wirtschaft­lichen Gründen nicht mehr gebaut.

Zwangsjacke: Als Hauptziel soll der Schweizer Pro-Kopf-Energieverbrauch bis 2035 um 43 Prozent gesenkt werden. Doch schon heute haben wir kein all­gemeines Energieknappheits-Problem. Die realen Preise sind tiefer denn je. 2035 und erst recht 2050 wird auch ­unproblematische Energie zumeist im Überfluss und zu sehr tiefen Preisen verfügbar sein. Trotzdem soll die Wirtschaft in ein allgemeines Sparkorsett gezwängt werden. Der Verlust an Wettbewerbs­fähigkeit gegenüber Volkswirtschaften ohne so unsinniges Korsett ist riesig.

Einäugig: Das Sparkorsett für die Wirtschaft ist umso schlimmer, als der weitaus wichtigste Teil des Energieverbrauchs – die in importierten Gütern
und Dienstleistungen enthaltene graue ­Energie – bis 2035 nicht erfasst wird.
Naiv: Konsumgewohnheiten und Technologie sind global geprägt. International werden infolge der Revolution der Energietechnik die Energiepreise sinken. Der Konsum wird energieinten­siver. Damit wird auch die Energienachfrage in der Schweiz stark steigen und das Sparkorsett noch einschneidender.

Inkonsistent: Das Gesetz führt als Grundsatz und Leitlinie das Verursacherprinzip und die Kostenwahrheit an. Die restlichen 46 Seiten sind aber gepfeffert mit Subventionen, von denen die meisten das Verursacherprinzip und die Kostenwahrheit unterlaufen.

Nationalismus: Der Bundesrat argumentiert: «Die Wertschöpfung bleibt in der Schweiz und erhöht dadurch den Wohlstand.» Die Regierung weiss aber genau, dass Subventionen zur Import­substitu­tion die Volkswirtschaft schädigen und krass gegen die Grundsätze des Freihandels verstossen. Wie kann sie nur solche Trumpiaden verbreiten?

Autarkielüge: Die Förderung der erneuerbaren Energien soll die Schweiz vom Ausland unabhängiger machen. Das ­Gegenteil trifft zu. Da die einheimische Produktion erneuerbarer Energie über die Zeit enorm schwankt, muss die Schweiz viel mehr exportieren und importieren. Die Abhängigkeit von internationalen Märkten nimmt also extrem zu.

Kriminalisierung: Viele Massnahmen regen Subventionsathleten und Sünder zu Kreativität an. Speziell motivierend sind die gesenkten CO₂-Emissionen für neu immatrikulierte Fahrzeuge, die pro Hersteller berechnet werden. Wetten, dass bald mancher Luxuswagen im Doppelpack zusammen mit einem Billigst-­Elektrofahrzeug verkauft wird und dass der Export von kurz zuvor importierten und immatrikulierten Niedrigemissions­fahrzeugen rapid zunehmen wird?

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