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Living in the Future
Beziehungen: Lieben wir in Zukunft Maschinen?

Die Digitalisierung wirbelt unser soziales Leben durcheinander – mit teilweise ziemlich kuriosen Folgen.

Laura Frommberg
Kommentar  
Von Laura Frommberg
2016-07-06

Serie: So leben wir in Zukunft

Journalismus trifft auf Kunst Die Handelszeitung und der Studiengang Cast / Audiovisual Media der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) haben den technologischen Wandel und seine Folgen als Ausgangslage für ein gemeinsames Projekt genommen. In sechs Teilen erklären wir anhand von Texten, Videos und Infografiken, wie wir in Zukunft leben werden. Drei Redaktoren der Handelszeitung haben die Antworten auf die grundlegenden Fragen recherchiert. Zwölf Studierende unter der Leitung von Dozent William Crook haben diese Rechercheergebnisse in Videos künstlerisch umgesetzt. Das Video zum Teil «Beziehungen in der Zukunft» haben Adam Keel und Steffi Bergner erstellt.

ZHdK Die Zürcher Hochschule der Künste im Toni Areal vereint rund 2500 Studierende unter ihrem Dach und ist damit eine der grössten Kunsthochschulen Europas. Unterrichtet wird in den Bereichen Design, Film, Kunst, Medien, Musik, Tanz, Theater und Vermittlung der Künste. Im Mittelpunkt der Fachrichtung Cast / Audiovisual Media stehen Gestaltung und Produktion von audiovisuellen Inhalten für Online- und mobile Medien. Leiter des Bereichs ist seit der Gründung im Jahr 2007 Professor Dr. Martin Zimper. (moh)

Smartphones gefährden die Gesundheit. Wenn Eltern zu viel auf den kleinen Bildschirm starren, steigt die Gefahr, dass sich ihre Kinder verletzen, haben Forscher herausgefunden. 88-mal am Tag nimmt der durchschnittliche Erwachsene sein Handy in die Hand, zweieinhalb Stunden verbringt er damit, auf den kleinen Bildschirm zu starren. Laut einer Studie der Uni Bern nutzen 60 Prozent der 1500 befragten Elternteile das Smartphone in Anwesenheit der Kinder, 40 Prozent auch dann, wenn sie ihre Kinder auf dem Spielplatz beaufsichtigen.

Das kann aber gefährlich sein. Laut den Forschern besteht eine erhöhte Verletzungsgefahr für die Kinder und eine Schädigung der Eltern-Kind-Beziehung. «Der Smartphone-Gebrauch der Eltern wird mit einem höheren Verletzungsrisiko der Kinder, verringerter Aufmerksamkeit und reduzierter Interaktion in Verbindung gebracht», so die Autoren der Studie. Kinder bemerken das – und es gefällt ihnen gar nicht.

Kinder sind eifersüchtig auf Smartphones

Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov in Schweden ist jedes dritte Kind eifersüchtig auf das Smartphone der Eltern. Dabei macht das Herumgetippe ja nicht einmal glücklich. Zum einen ist Cyberbullying eine kaum kontrollier­bare Gefahr, der immer mehr junge Menschen im Internet ausgesetzt sind. Ausserdem ist «Facebook-Depression» in der Psychologie  inzwischen ein feststehender Begriff. Denn der ständige Vergleich mit anderen Usern schlägt aufs Gemüt. US-Forscher haben eine Korrelation zwischen der Anzahl der auf Facebook verbrachten Stunden und depressiven Gefühlen ausgemacht.

Und auch die Auswirkungen der Digitalisierung auf unser Liebesleben sind nicht nur positiv. Zwar wird es vielen Singles erleichtert, neue Partner kennenzulernen. Jeder sechste Internetnutzer ab 14 Jahren hat laut einer Studie des Branchenverbands Bitkom schon eine Dating-App oder Dating-Seite benutzt. Doch die Nachhaltigkeit der neu geknüpften Beziehungen lässt zu wünschen übrig. 63 Prozent aller Online-Dater glauben, dass im Jahr 2020 weniger Beziehungen dauerhaft halten werden.

Eine Zeitreise in sechs Teilen:

Teil 1 Gesundheit
Teil 2 Reisen
Teil 3 Wohnen
Teil 4 Beziehungen
Teil 5 Bezahlen
Teil 6 Arbeit

Ende der Monogamie

Das digitale Zeitalter scheint ausserdem das Ende der Monogamie einzu­läuten, ergab eine Umfrage des Dating-­Portals Friendscout24. Für 71 Prozent der Befragten ist klar, dass es 2020 mehr polyamore Beziehungen als heute ge-ben wird. Dass die Bezieungen sich so schnell wieder lösen, könnte auch daran liegen, dass schon im Vorfeld falsche Erwar­tungen geschürt werden: Online-Dating regt zum Lügen an. 25 Prozent der ­Männer und 21 Prozent der Frauen gaben an, auf ihrem Profil falsche Angaben über Alter, Aussehen oder Vorlieben zu machen.

Für Introvertierte bietet Digitalisierung immerhin die Chance, sich zu verlieben, ohne vor die Tür gehen zu müssen. In Japan etwa gewinnt das Spiel Love Plus mehr und mehr User. Es simuliert die Beziehung mit einem nach den eigenen Wünschen gestalteten Manga-Mädchen. Manche Spieler halten die Beziehung über Jahre aufrecht und fahren mit der Liebsten sogar in die Ferien. Sony bietet mit Summer Love ein ähnliches Spiel an.

Verliebt in einen Roboter?

Einen Roboter mit der Fähigkeit, auf menschliche Emotionen zu reagieren, brachte das Unternehmen Softbank he­raus: Pepper. Der humanoide Roboter erkennt Gesichtszüge und kann diese interpretieren. Darauf basierend passt er sein Verhalten in Konversationen mit Menschen an. Dass zwischenmenschliche Nähe irgendwann auch etwas zu sehr ersetzt werden könnte, wurde den Machern offenbar schnell klar. Kurz nach der Lancierung arbeiteten sie eine Verbotsklausel für sexuelle Handlungen in die Kaufverträge ein.

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