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Meinung
Kommt's jetzt dicke an den Finanzmärkten?

 

Eine mögliche Amtsenthebung von US-Präsident Trump verunsichert Anleger weltweit. Der Dow Jones sinkt an einem Tag so stark wie seit Jahren nicht mehr und das ist gut so.

Kommentar  
Von Peter Manhart
am 18.05.2017

Es bleibt dabei, wenn Börsen etwas nicht mögen, dann ist es Unsicherheit. Und noch etwas mögen Märkte nicht – ein paar glückliche Tage. Die Ruhe der vergangenen Tage und Wochen war einmal mehr trügerisch. Sinkt die Schwankungsbreite auf historische Tiefs, ist ein Kurssturz meist nicht fern. Der Auslöser für eine Korrektur ist dann oft beliebig, denn Gründe für Verunsicherung gibt es immer.

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag war es eine mögliche Amtsenthebung von Donald Trump, also dem Mann, der gegen alle Wetten Präsident in den USA wurde, und Anleger euphorisiert hat. Steuersenkungen und Infrastrukturprogramme in Milliardenhöhe kündigte er gleich beim Amtsantritt an – bam, das sass! Das Jahresendrally verlängerte sich in den Januar, den Februar und bis heute.

Rot gefärbte Kurstableaus

Ein paar Monate nach seiner Inauguration zeigt sich, dass das einzig Berechenbare an Trump seine Unberechenbarkeit ist. Und noch etwas zeigt sich: Checks & Balances funktionieren in den USA weiterhin tadellos. Ersters ist ein Grund zur Sorge, letzteres ein Grund zur Freude. So gesehen hätten die Aktienkurse auch kräftig steigen können wegen dem möglichen Impeachment.

Nun sind die Kurstableaus halt rot gefärbt. Markttechniker erkennen seit längerem Anzeichen einer Konsolidierung. Sie tritt jetzt ein. Wie lange sie dauert? Das hängt wohl von den nächsten zwei Handelstagen und dem weiteren Verlauf der Seifenoper in Washington ab. Finden die Börsen in den USA bereits in der Nacht auf Freitag oder Samstag Boden (In New York haben die Aktienmärkte am Donnerstag leicht im Minus eröffnet), dürfte sich der Aufwärtstrend kommende Woche fortsetzen. Bei einer tatsächlichen Amtsenthebung drohen im Extremfall wohl Abgaben auf Indexstufe im bis zu zweistelligen Prozentbereich.

Konjunkturell erholt sich die Lage weltweit

Aber auch das wäre keine Grund, um sich von Aktien im grossen Stil zu trennen. Allenfalls sollten heissgelaufene Small-Caps veräussert werden. Später können diese günstiger wieder eingesammelt werden. Wer trockenes Pulver hat, legt sich auf die Lauer. Besonders grosse Institutionelle Anleger mit umfangreichen Barmitteln dürften jetzt Kaufgelegenheiten wittern. Das wird den Markt stabilisieren, falls nicht morgen, dann übermorgen.

Fundamental hat sich nicht geändert. Konjunkturell erholt sich die Lage weltweit. Die Unternehmensgewinne steigen unverändert und die Börse wird auch künftig Unternehmensgewinne in Kursgewinne transformieren. Ein reinigendes Gewitter kann für den weiteren Jahresverlauf an den Börsen sogar fruchtbar sein.

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