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Kryptowährungen
Jetzt geht es Bitcoin & Co an den Kragen

Ohne «Mining»-Farmen würde es keinen Bitcoin geben. Quelle: Keystone

Bitcoin sei eine «Mischung aus Finanzblase, Schneeballsystem und Umweltkatastrophe», sagt BIZ-Chef Agustin Carstens. Mutiert die Kryptowährung zur Katastrophe?

David Torcasso
Von David Torcasso
am 06.02.2018

Der spektakuläre Aufstieg des Bitcoins hat ein jähes Ende gefunden – die Kryptowährung scheint sich im freien Fall zu befinden. In der Nacht auf Dienstag sackte der Kurs um 15 Prozent auf knapp 5900 Dollar ab. Inzwischen ist er zwar laut dem Verzeichnis Coinmarketcap am Dienstag wieder gestiegen – auf immerhin rund 7000 Dollar. Das ist aber noch weit entfernt vom Rekordstand von Mitte Dezember mit 20'000 Dollar. Trotzdem darf nicht vergessen werden: Zu Jahresbeginn 2017 war der Bitcoin gerade mal einen Siebtel des aktuellen Kurses wert. Das Auf und Ab der grössten Kryptowährung bleibt spannend. 

Finanzblase, Schneeballsystem und Umweltkatastrophe zugleich

Der Abwärtsstrudel des Bitcoin hat auch andere grössere  Kryptowährungen tangiert. «Ether» verlor bis Dienstagmittag rund 18 Prozent, «Ripple» rund 15 Prozent und «Bitcoin Cash» über 20 Prozent. Am Dienstagnachmittag erholten sich die Werte. 

Der Crash des Bitcoins sorgt auch in der Schweiz für Gesprächsstoff und hat die  Bank für Internationalen Zahlungsausgleich BIZ in Basel auf den Plan gerufen: Die «Notenbank der Notenbanken» hat die Behörden weltweit aufgerufen, Kryptowährungen wie Bitcoin stärker ins Visier zu nehmen. Sie müssten bereit sein, gegen die rasant steigende Verbreitung von solchen Kryptowährungen tätig zu werden, um Konsumenten und Anleger zu schützen. 

«Was vielleicht ursprünglich als alternatives Zahlungssystem ohne staatliche Beteiligung gedacht war, ist inzwischen zu einer Mischung aus Finanzblase, Schneeballsystem und Umweltkatastrophe geworden», sagte BIZ-Generaldirektor Agustin Carstens am Dienstag. 

Carstens forderte Zentralbanken und Finanzbehörden dazu auf, insbesondere die Verknüpfungen von Kryptowährungen und realen Währungen unter die Lupe zu nehmen. Sie sollten dafür sorgen, dass Cyberdevisen «nicht zu Parasiten» der Infrastruktur des gesamten Finanzsystems werden.

Eine Regulierung folgt der anderen

Damit ist auch einer der Gründe gefunden, warum der Kurssturz von Bitcoin & Co. unaufhaltsam scheint: Forderungen nach Regulierungen über den weitgehend unkontrollierten Handel sind so laut geworden, dass sie Bitcoin-Anhänger und Anleger zunehmend verunsichern. Oder anders gesagt: Die Kontrolle lässt die verlockende Aussicht auf unermessliche Gewinne innert kürzester Zeit in weite Ferne rücken. Damit verliert die Kryptowährung an Reiz. Hat der Bitcoin endgültig den «tipping point» erreicht?

Agustin Carstens warnt jedenfalls eindringlich: «Zentralbanken müssen darauf vorbereitet sein – falls nötig – einzugreifen.» Der Zugang zu üblichen Bank- und Zahlungsverkehrsdienstleistungen sollte auf jene Börsen und Produkte beschränkt werden, welche die Standards erfüllen. «Wenn sie nicht präventiv handeln, könnten sich die Kryptowährungen stärker mit dem Finanzsystem verflechten und so zu einer Bedrohung der Finanzstabilität werden», führte Carstens weiter aus.

Laut dem derzeitigen Stand des Indexes «Coinmarketcap» weisen die gelisteten 1514 Kryptowährungen ein Volumen von über 330 Milliarden Dollar auf. Davon entfallen 13 Milliarden Dollar auf den Bitcoin

Asien möchte am meisten Einhalt gebieten

Insbesondere in Asien versuchen die Behörden die spekulationsfreudige Bevölkerung in die Schranken zu weisen: Japans Notenbank forderte am Dienstag Anbieter von Dienstleistungen rund um Kryptowährungen auf, für die Sicherheit ihrer Dienste zu sorgen. Anleger sollten zudem auf die Risiken von Kryptowährungen hingewiesen werden. Das klingt fast wie nach einer Massnahmen für Spielsüchtige. 

Einen ersten Schritt gegen die explosionsartige Verbreitung von Kryptowährungen und deren Handel hatte vergangene Woche das soziale Netzwerk Facebook unternommen. Der Konzern hat auf all seinen Seiten jegliche Werbung für Kryptowährungen und sogenannte Initial Coin Offerings (ICO), also dem Verkauf von neuen Coins zum Zwecke der Kapitalaufnahme, verboten, wie die «Handelszeitung» berichtete

Am Dienstagmorgen schrieb auch die «South China Morning Post», China wolle alle Webseiten, die mit dem Handel von Kryptowährungen und ICO's zu tun haben, verbieten. Dabei seien auch ausländische Websites eingeschlossen. Damit macht China ernst: 1,3 Milliarden Menschen sind damit de-facto vom Kryptowährungs-Handel ausgeschlossen. 

«Um finanziellen Risiken vorzubeugen, wird China die Massnahmen zur Entfernung von Onshore- oder Offshore-Plattformen im Zusammenhang mit dem Handel mit virtuellen Währungen oder ICOs verstärken», besagt ein Artikel, der am Sonntag Abend von Financial News, einer der «People's Bank of China» (PBOC) angehörenden Publikation, veröffentlicht wurde.

Die chinesische Regierung möchte damit auch dem ungeheuerlichen Strombedarf durch das «Mining» einen Riegel vorschieben. In Europa hat der Energiekonzern Enel bereits seine Missgunst gegenüber dieser Praxis kundgetan. Es scheint so, als seien Privatanbieter derzeit aktiver, die Auswucherungen des Kryptohandels einzudämmen. Nun wollen die Behörden schleunigst nachziehen und ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen. 

Parallelen zur Spielsucht

Auch in den USA gewinnt die Diskussion an Fahrt. Dort sollten am Dienstag im Senat Aufsichtsbehörden dazu befragt werden, wie Kryptowährungen stärker reguliert werden können. Es scheint mittlerweile so, dass die Behörden weltweit die nach dem schnellen Geld hechelnden und damit wohl fast schon süchtigen Anleger zügeln wollen. Die amerikanischen Banken Chase Bank of America und Citigroup verbieten seit Freitag den Kauf von Kryptowährungen über ihre Kreditkarten. 

Doch es geht nicht nur um den Schutz der Anleger, sondern um die Angst, dass der Absturz das gesamte Finanzsystem in den Abgrund reissen könnte. Für weitere Versunsicherung sorgen die zahllosen Diebstähle von «Coins». Dazu gibt es Schätzungen, dass über 10 Prozent aller Bitcoins gestohlen sind, wie «finanzen.at» schreibt. Erst vor kurzem haben Hacker an der japanischen Kryptowährungs-Börse Coincheck über 400 Millionen Euro geklaut.

Auch Banken in die Veranwortung nehmen

Auch die EZB nimmt laut Notenbank-Präsident Mario Draghi die Gefahren durch digitale Währungen ins Visier. In der Bankenaufsicht werde daran gearbeitet, Risiken zu identifizieren, sagte Draghi im Europa-Parlament. Geldhäuser aus der EU hätten allerdings kaum Interesse an Digitalwährungen, die zuletzt enormen Schwankungen ausgesetzt waren.

Kryptowährungen sollten als sehr riskante Anlageform eingestuft werden, ergänzte Draghi. Sie seien unreguliert und ihr Preis hochgradig spekulativ. Geldhäuser sollten daher bei Engagements das entsprechende Risiko abmessen.

Mit Material von sda

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