Vermögensverwalter Franz Gyger, der sich als Spezialist für Nebenwerte einen Namen gemacht hat, ist radikal von der Strategie «buy and hold» abgerückt. Sein Augenmerk richtet sich nun auf ­wenige liquide Standardwerte, um dort von den hohen Kursschwankungen zu profitieren. «Wir beschränken uns ­jeweils auf etwa vier solche Aktien, die wir nach einem Kursrutsch kaufen und sogleich wieder verkaufen, sobald sich die Titel ­erholt haben», schildert der erfahrene Börsenprofi.

Ungeübte Anleger sollten allerdings die Finger von einer solchen Strategie ­lassen. Zu gross ist das Risiko jeweils, den falschen Moment zu erwischen. Zu hoch sind Kosten und Zeitaufwand, und zu gering ist in der Regel die Erfahrung, um auf diese Weise erfolgreich zu ­investieren. Ohnehin hapert es mit dem ­Timing oft schon bei der Wahl der ­richtigen Anlagestrategie. Eine Analyse der Deutschen Bank hat ergeben, dass die Aktienkäufe der privaten Haushalte in Deutschland um die Jahrtausendwende am höchsten waren. Dann also, als auch die Börsenbewertungen ihren Höhepunkt erreicht hatten. Im Einklang mit den Kurseinbrüchen setzten die ­Verkäufe ein und erreichten ihre Spitzenwerte auf dem Börsentief. Wiederum am höchsten waren die Aktienkäufe dann kurz vor ­Ausbruch der Finanzkrise 2007. Ähnlich ergeht es Anlegern jeweils bei trendigen Anlagethemen wie zum Beispiel erneuerbaren Energien. Geblendet von illusorischen Renditeerwartungen, dürften die meisten erst eingestiegen sein, als die Kurse Höchststände erreichten.

Für die Vorsorgeplanung sind das ­natürlich denkbar schlechte Voraus­setzungen. Doch wie die Gier ist auch die Angst ein untauglicher Ratgeber. Die Flucht in vermeintlich sichere Häfen wie Staatsobligationen oder liquide Mittel kann sich ebenso als Falle erweisen. Einen Ausweg aus dieser Spirale bieten die Grundbausteine der Vorsorge. Die beiden wichtigsten sind die Pensionskasse und die Säule 3a. Anstelle privater Anlageformen können auch mit Einkäufen in die Pensionskasse drohende Leistungskürzungen ausgeglichen werden. Noch immer liegt die Verzinsung in der Regel deutlich über der Inflation. Zusätzlich attraktiv wird die Rendite durch den Abzug der Einkäufe vom ­steuerbaren Einkommen. Das Gleiche gilt für die Säule 3a. Am besten bewährt sich hier die einfachste Lösung des ­Bankkontos, wie ein Vergleich der Credit Suisse seit 2006 zeigt. Je höher der ­Aktienanteil, umso geringer fällt die ­Rendite aus. Zudem unterliegen die ­steuerfreien Kapitalgewinne auf Aktien in der Säule 3a bei der Rückzahlung ­nunmehr der Einkommenssteuer.

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Als Ergänzung dienen Lebensversicherungen. Neuartige Produkte sind ­zusätzlich zum Risikoschutz, einer minimalen Verzinsung und der Kapitalgarantie mit der Aussicht auf eine Zusatzrendite bei einer Erholung der Finanzmärkte ausgestattet. Annette Behringer, Leiterin Finanzplanung bei Swiss Life, ist aber wichtig, dass der Produktwahl die ­Planung vorausgeht. «Die Lösung muss ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Sicherheit, Rendite und Liquidität ­bieten», betont die Vorsorgespezialistin.

Tipp: Vorsorgeplanung und Strategie helfen, nicht ins Fahrwasser von Angst und Gier zu geraten.