Als Andreas Utermann in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre für Merrill Lynch tätig war, erhielt er sein Gehalt in Dollars. Damals beschloss der ­Absolvent der London School of Economics, fortan sämtliche Bezüge in seine Basiswährung Euro umzutauschen. Geduldig stand er die Abwertung des Euro von 1.16 auf 0.81 Dollar durch. Doch bald zahlte sich die Strategie aus, und der Euro erholte sich bis auf 1.58 Dollar. Und noch immer ist Utermann, der heute bei der Allianz-Tochter RCM die Anlagepolitik für die Verwaltung von rund 100 Milliarden Dollar Aktienvermögen leitet, trotz der aktuellen ­Euroschwäche deutlich im Plus.

Mit derselben Beharrlichkeit hält er auch jetzt an seiner Beurteilung der Marktlage fest, obwohl die Anleger derzeit wieder verstärkt die (vermeintlich) sicheren Häfen ansteuern und ­Aktienfonds auch aus seinem Haus ­Abflüsse zu verzeichnen haben. Am Grundszenario habe sich nicht viel ­geändert – «und dieses spricht ganz klar für Aktien», betont Utermann im Gespräch mit BILANZ anlässlich einer Veranstaltung von Allianz Global Investors, zu der auch die Anleihenmanager von Pimco gehören. Mit teilweise weniger als fünf Prozent sei der Aktienanteil bei den meisten Versicherungen jedenfalls deutlich zu tief.

Utermann vertritt diese Position nicht einfach aus Betriebsblindheit, sondern schiebt die Argumentation gleich nach: «Wir sind trotz Turbulenzen und vorübergehenden Rück­schlägen noch immer in der Phase der Erholung von der Finanz- und Wirtschaftskrise.» Aktien seien im Vergleich mit andern Anlageklassen günstig bewertet. Bei Immobilien sei der Markt zu klein, um den Zustrom der Vermögensanlagen absorbieren zu können, was sich in exorbitanten Preisausschlägen in Zentren wie London, Hongkong oder auch der Schweiz äus­sere. Derselbe Effekt sei bei den Rohstoffpreisen zu beobachten, obschon diese in einem langfristigen Aufwärtstrend sind. Und bei Anleihen werde das Risiko der höheren Inflation in den nächsten Jahren nicht adäquat entschädigt. Seine Favoriten sind dividendenstarke Aktien und Titel von Unternehmen, die vom Konsumboom in den Schwellenmärkten profitieren.

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