Die Stimmung war sowas von schlecht, da konnten die guten Halbjahreszahlen den Aurelius-Kurs nur nach oben katapultieren. Mitte der Woche legte die Beteiligungsgesellschaft mit Fokus auf Unternehmen in Sondersituationen seine Semesterzahlen vor. Und die waren gut, sehr gut! Die Aktie schoss nach Vorlage der Daten um 20 Prozent nach oben. Dabei hatte Aurelius im Frühjahr zwei Drittel an Wert verloren. Der Kursschub jetzt dürfte nun aber erst die Initialzündung für weitere Kursgewinne sein.

Im ersten Halbjahr schlug sich der Beteiligungsexperten aus München mit seinen Tochterunternehmen unerwartet gut. Der annualisierte Umsatz fiel selbst in der harten Corona-Zeit lediglich um 6,4 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro. Da Aurelius in diesem Jahr bereits erfolgreich Beteiligungen verkaufen konnte, erzielte das Unternehmen in den ersten sechs Monaten einen Veräusserungsgewinn in Höhe von 82,1 Millionen Euro. Die vier in diesem Jahr bereits durchgeführten Zukäufe in das Portfolio brachten gleichzeitig Aufwertungsgewinne, sogenannte «bargain purchases» in Höhe von 145,0 Millionen Euro.

Georg Pröbstl ist Chefredaktor des Börsenbriefs Value-Depesche. Der Börsendienst ist auf substanzstarke unterbewertete Aktien mit guten Perspektiven aus Deutschland, Österreich und der Schweiz spezialisiert. Die jährliche Performance des Musterdepots seit Start im April 2010 beträgt +14,6 Prozent (DAX: +7,8 Prozent).

Transparenzhinweis: Der Autor berät Anlageprodukte. In diesem Beitrag besprochene Aktien können zum Anlageuniversum zählen.

Anzeige

Hoher Semestergewinn, hoher Discount auf das Vermögen

Unter dem Strich steigerte Aurelius dadurch sein Rohergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 53,8 auf 258 Millionen Euro. Gab es im Vorjahreszeitraum noch einen Verlust je Aktie von 1,58 Euro, so konnte der Beteiligungskonzern nun einen Gewinn von 3,26 Euro je Anteil ausweisen.

Aber das Ergebnis ist bei Beteiligungsgesellschaften nicht unbedingt das wichtigste Kriterium. Viel interessanter auch bei Aurelius ist das Nettovermögen. Die Münchner weisen per Ende Juni einen Net Asset Value NAV in Höhe von 31,19 Euro je Aktie aus. Das ist erstaunlich. Denn wurde die Aktie in den letzten Jahren nicht selten mit einem Aufschlag auf den NAV gehandelt, so gibt es Aurelius jetzt mit einem Discount von 50 Prozent! Das ist einmalig hoch und schafft der Aktie enormes Aufholpotenzial.

Günstige Opportunitäten durch Corona

Aber es kommt noch besser. Aurelius sitzt auf einem gewaltigen Cashberg in Höhe von 394,5 Millionen Euro oder 12,90 Euro je Aktie. Damit sind rund 80 Prozent des gesamten Börsenwerts von Aurelius alleine durch die Liquidität abgedeckt. Dieser hohe Cashbestand eröffnet grosse Chancen: Jetzt in Corona-Zeiten dürften sich für Beteiligungsgesellschaften gute Möglichkeiten auftun, ansonsten attraktive Unternehmen, die aber infolge Pandemie in Probleme geraten sind, günstig aufzukaufen. Aurelius rechnet deshalb auch coronabedingt mit einer Vielzahl an künftigen Opportunitäten für Aufkäufe.

Noch kurz zur Dividende. Aurelius hatte wegen der Corona-Unsicherheit die Zahlung für 2019 gestrichen. Das war ein herber Schlag für die Aktionäre. Immerhin hatte das Unternehmen zuvor eine Basisdividende von 1,50 Euro ausgezahlt und dann seit Jahren auch noch schöne Sonderdividenden obendrauf. Nachdem Aurelius schon jetzt im Halbjahr reichlich verdient hat, ist für 2021 wieder mit Dividendenzahlungen zu rechnen. Eine Basisdividende von zumindest 1,0 Euro – Rendite 6,1 Prozent – sollte drin sein.

Anzeige

 

Aurelius SE

ISIN: DE000A0JK2A8

Gewinn je Aktie 2021e: 1,50 €

KGV 2021e: 11,0

Dividende/Rendite 2020e: 1,0/6,1%

NAV je Aktie: 31,19 €

EK-Quote: 21,1%

KBV: 3,3 

Kurs/Ziel/Stopp: 16,50/24,50/11,80 €