Die Börse boomt, Emmi schwächelt. Die Aktien des Innerschweizer Milchriesen kamen vor knapp einem Jahr an die Börse und schossen bis auf 128 Franken hoch. Damals riet ich zu Gewinnrealisationen. Heute notieren die Titel deutlich unter 120 Franken – und sind damit immer noch zu hoch bewertet. Dieser Meinung ist auch die Bank Leu; in einer im September erschienenen Kurzstudie wurde das Rating auf «sell» gesetzt und das Kursziel mit 95 Franken angegeben.

Der Halbjahresbericht hat es klar gezeigt: Emmi ist nun mal in einer wachstums- und ertragsschwachen Branche tätig. Das sind keine heissen News, die Anleger aber zeigen sich nach den Zahlen verunsichert. Mich verunsichert etwas anderes: Das Management hatte beim Börsengang angekündigt, die daraus gelösten Gelder vor allem für die Auslandexpansion einzusetzen. Eingekauft wurde jedoch bislang primär im Inland. In alter Kraft präsentiert sich der Milchverwerter dafür in Sachen Innovation: Laufend werden neue Produkte lanciert, jüngst der Joghurtdrink Evolus, der den Blutdruck senken soll. Im Bereich Health-Food bleibt Emmi Trendsetter. «Wir verkaufen Lifestyle und nicht Joghurt», hat CEO Walter Huber in einem Interview mit Swiss Economic Forum gemeint. Erfolge aber rufen Nachahmer auf den Plan. Nur lancieren diese ihre Kopien mit viel mehr Werbepower, als die Luzerner das mit ihren begrenzten Mitteln je können.

Ich mag Emmi-Produkte wie Caffè Latte und werde diese weiterhin mit Genuss trinken. Von den Aktien dagegen will ich nichts wissen; da ist mir das Preis-Genuss-Verhältnis zu schlecht.

In einer Studie zum Schweizer Private Banking kommt die Bank Sarasin zum Schluss, dass die beiden Grossbanken über bessere fundamentale Aussichten verfügen als die reinen Vermögensverwaltungsbanken. Die Aktien von UBS und CS würden deshalb auch mehr Kurspotenzial bieten als die Titel der kleineren Konkurrenten. UBS ist dabei für den Sarasin-Analysten Javier Lodeiro erste Wahl. Eine neutrale Haltung nimmt er gegenüber den Valoren der Bank Bär ein, während er bei Vontobel zum Abbau von Positionen rät. Was mich mehr interessiert: Wie beurteilt der Finanzanalyst die Valoren des eigenen Instituts? «Gemäss Hausregel machen wir über die eigene Bank keine Aussagen», sagt Lodeiro.

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Schade. Schliesslich haben die Sarasin-Aktien seit Anfang dieses Jahres um über 50 Prozent zugelegt, da möchte man doch wissen, wie es weitergeht. Zumal der Kurs primär von Übernahmegerüchten getrieben wird – nicht zuletzt angeheizt auch von BILANZ. Die Gerüchte zusätzlich genährt hat Sarasin-Chef Peter E. Merian mit seiner Rücktrittserklärung. Doch wer soll als starker Partner auftreten? Die Bären sind seit ihrem Befreiungsschlag aus dem Rennen, aus Bärasin wird nix. Vontobel ist mit Partner Raiffeisen beschäftigt, die Deutsche Bank hat jüngst ebenfalls abgewinkt. Deshalb wird die Übernahmefantasie wohl bald verpuffen, die Sarasin-Titel werden unter Druck geraten.

Zu einer Kursschmelze dürfte es gar kommen, falls sich die Rabobank bei Sarasin zurückzieht. Die Holländer halten 28 Prozent des Aktienkapitals und besitzen eine Option, bis 2009 die Mehrheit zu übernehmen. In der Zürcher Bahnhofstrasse allerdings wird gemunkelt, die Rabobank habe auch schon mehr Freude gehabt an Sarasin. Zwar sei man mit dem Ertragsverlauf zufrieden, doch bereite der magere Zufluss an Neugeldern in die Tresore der Basler beim Aktionär Stirnrunzeln.

Sarasin gerät unter Zugzwang. Wie die nahe Zukunft auch immer aussehen wird: Wer die Aktien schon länger hält, sollte bei derart saftigen Kursgewinnen ans Realisieren denken.

Juchhe, die 7000er-Marke beim Börsenbarometer Swiss-Market-Index (SMI) ist gefallen. Juchhe? Optisch mag sich die Zahl Sieben ja nett ausnehmen.

Doch sonst? Börsenkommentatoren liessen sich nach dem Ereignis freudig vernehmen, damit sei eine wichtige psychologische Schranke gefallen, der Weg freigeschaufelt für weitere Höhenflüge. Dabei kann sich die bisherige Performance des Schweizer Aktienmarkts durchaus sehen lassen: Seit dem Tiefststand vom Frühling 2003 hat der Blue-Chip-Index nicht weniger als 90 Prozent an Boden gutgemacht, während das US-Börsenbarometer Dow Jones Industrial in derselben Periode lediglich 42 Prozent aufs Parkett zu legen vermochte. Vom einstigen Rekord aus dem Jahr 2000 trennt den SMI nicht einmal mehr ein Fünftel.

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Doch je höher die Kurse streben, desto dünner wird die Luft; der Markt hat denn auch Mühe, sich um die 7000 Punkte zu halten. Ich mache immer mehr Anzeichen aus, dass sich der seit mehr als zwei Jahren andauernde Höhenflug der Schweizer Börse in absehbarer Zeit seinem Ende zuneigt: Beinahe wie im verrückten Börsenjahr 2000 ist wieder (fast) jeder auf Aktien heiss; den Anlagefonds fliesst das Geld in fetten Strömen zu; am Aktienmarkt sind plötzlich auch zweit- und drittklassige Nebenwerte gefragt. Was mich am nachdenklichsten stimmt: Die Investoren kaufen wie wild die frisch aufgelegten Aktien von Börsenneulingen. Dabei werden sogar Emissionen mehrfach überzeichnet, die noch vor einem halben Jahr kaum jemanden interessiert hätten. Der Börsenhype wird wohl noch einige Zeit andauern. Ziehen Sie sich dennoch frühzeitig warm an – nicht nur mit Blick auf den kommenden Winter.

Man nehme: einen 300 Millionen schweren Hedge-Fund, ein Geheimkonto auf den Cayman-Inseln, eine frei erfundene Performance – und fertig ist die Mixtur für den Anlegerbetrug. Es funktioniert ganz einfach, wie der neuste Hedge-Fund-Skandal in den USA zeigt. Federführend war Starmanager Paul Eustace. Der Fonds seiner Firma Philadelphia Alternative Asset Management, kurz PAAM, wurde im Juni von der Aufsichtsbehörde für den Rohwaren-Futures-Handel (CTFC) eingefroren. Die PAAM-Kunden waren zum Grossteil Banken, so HSBC oder Bank of America. Über deren Funds of Funds sind aber auch Privatanleger vom Riesenbetrug betroffen.

Möglich gemacht wurde die Täuschung mit Hilfe einer der etabliertesten Hedge-Fund-Firmen: der weltweit tätigen Man-Gruppe mit Hauptsitz London. Dokumente eines Gerichtshofs in Pennsylvania besagen, ein Man-Mitarbeiter aus der Teppichetage habe dabei geholfen, den Verlust in Höhe von 175 Millionen Dollar vor den Investoren zu verheimlichen. In den Gerichtsunterlagen wird Thomas Gilmartin, ein Senior Vice President bei Man in New York, als Kontaktmann von Paul Eustace genannt. Die Man-Gruppe ist mit 3000 Angestellten – alleine in der Schweiz stehen 450 Namen auf der Lohnliste – in über 15 Ländern aktiv und gilt als einer der führenden Anbieter im Segment alternative Anlagen.

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Im Hause Man gibt es offensichtlich ein grundsätzliches Problem mit schlitzohrigen Mitarbeitern. Schon im Fall der Frankfurter Wertpapierhandelsbank Phoenix soll bei Man ein fiktives Konto geführt worden sein. Mir ist bewusst, dass ein Anleger sich vor der kriminellen Energie einzelner Personen nie völlig schützen kann. Im Hedge-Fund-Business jedoch stehen Betrügern Tür und Tor offen; der Mangel an Transparenz machts möglich.

Ihr Frank Goldfinger

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