Glaubt man den Exponenten der hiesigen Fondsindustrie, dann war das glänzende abgelaufene Jahr erst der Anfang. Denn in den nächsten Jahren kommen verschiedene Trends zusammen, die das Fondsgeschäft zum Megaereignis der Finanzwelt machen. So sind in der Schweiz im Vergleich zum angelsächsischen Raum noch immer geringe Mittel in Anlagefonds parkiert. Das wachsende Bewusstsein der Anlegerschaft und die verstärkten PR-Anstrengungen der Branche werden das ebenso ändern wie die Pensionskassenmanager. Sie wissen zunehmend die Vorzüge von Fondsanlagen zu schätzen.

Kein Wunder, schwärmen die Fondsanbieter über die erfreulichen Mittelzuflüsse. Monat für Monat steigen die in Fonds angelegten Gelder auf neue Rekordmarken. Per Ende November betrug das Volumen 406,5 Milliarden Franken. Und daran verdient die Industrie kräftig mit. Die englische Fondsbewertungsagentur Fitzrovia International nimmt für Schweizer Fonds eine durchschnittliche Gesamtkostenbelastung von 1,49 Prozent an. Somit verdienten die hier zugelassenen Fonds im letzten Jahr insgesamt rund sechs Milliarden Franken. Da wüsste man als Anleger gern genauer, wie hoch die Kosten bei den einzelnen Anbietern sind. Fonds-BILANZ machte mit einer gross angelegten Umfrage bei 25 wichtigen Fondsgesellschaften und Banken die Probe aufs Exempel und stellte fest: Ein umfassender Überblick tut Not, denn jeder Anbieter wendet unterschiedliche Kostensätze und sogar unterschiedliche Definitionen der Kostenbegriffe an.

Grundsätzlich gilt: Geldmarkt- und Obligationenfonds sind praktisch bei allen Anbietern deutlich billiger als Aktienfonds. Für Geldmarktfonds sind die Konditionen bei den beiden Genfer Privatbanken Lombard Odier und Pictet sowie bei der Swissca günstig. Bei Obligationen haben Swissca und Lombard Odier erneut die Nase vorn. Günstig sind sie auch bei den Raiffeisenbanken und der Bank Vontobel, welche die Fonds der Raiffeisenbanken managt. Und auch bei den Aktienfonds schneiden die kundennahen Banken der Raiffeisen-Gruppe gut ab, ebenso erneut die Swissca, die Fondstochter der Kantonalbanken. Fast scheint es, als hätten die auf Privatanleger spezialisierten Banken die Nase vorn. Doch ein Wermutstropfen bleibt: Ausgerechnet die für typische Privatanleger besonders geeigneten Strategiefonds werden vor allem bei den beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse mit hohen Ausgabeaufschlägen belastet.

Auffallend sind auch die praktisch ausnahmslos hohen Ausgabekommissionen der ausländischen Anbieter. Doch Therese Gerber, Managerin des Schweizer Ablegers der Mercury Asset Management (MAM), einer Merrill-Lynch-Tochter, wiegelt ab. Viel entscheidender sei doch der Erfolg eines Fonds, also die Performance der eingesetzten Mittel. Wenn MAM – wie viele andere ausländische Fondsgesellschaften – hohe Ausgabekommissionen verlange, dann kämen diese erstens dem Vertrieb und gar nicht dem Fonds zugute. Weil der häufig über Dritte abgewickelt werde, sind die entsprechenden Provisionen unabdingbar. Zweitens seien die Kunden bereit, für gute Anlageprodukte den Aufschlag zu bezahlen. Das zeige der Erfolg all der grossen und weltweit tätigen Fondsgesellschaften, der sich trotz der meist hohen Ausgabekommissionen ergebe. «Das Ausland ist grösser als die Schweiz», meint die Vorzeigefrau der Fondsbranche und spielt auf den Sonderfall Schweiz an. Denn hier zu Lande sind die Ausgabeaufschläge im Vergleich zu vielen anderen grossen Fondsmärkten wesentlich tiefer. Sie liegen bei durchschnittlich 1,3 Prozent. Nur die Niederlande und vor allem Spanien kennen mit 1 beziehungsweise 0,25 Prozent tiefere Durchschnittssätze.

Doch viele Experten sind davon überzeugt, dass sich die hohen Ausgabeaufschläge auf Dauer nicht halten lassen. Zum einen dürfte das Internet die Distribution für die ausländischen Anbieter ohne physisches Vertriebsnetz erheblich vereinfachen und damit auch verbilligen. Zum anderen sind die teuren Fonds der Ausländer in den Fondsshops und insbesondere auch im Fundlab der Credit Suisse viel billiger zu haben.

Verschiedentlich tritt jetzt an die Stelle der Ausgabe- eine Rücknahmekommission, eine auf den ersten Blick sowohl für die Fondsgesellschaft wie für den Anleger verführerische Alternative. Die Gesellschaft steht gut da, weil sie dem neuen Kunden keinerlei Kosten für seinen Anlageentscheid berechnet. Der Anleger sieht sein ganzes Geld unmittelbar investiert. Doch die Umfrage der bilanz zeigt auch viel Skepsis bezüglich der Forcierung der Rücknahmegebühr. Viele Gesellschaften wollen schlicht nicht auf die Einnahmen zu dem Zeitpunkt verzichten, wenn durch Vertrieb und allenfalls auch Beratung die Kosten effektiv entstehen. Und der Anleger wird spätestens nicht mehr so begeistert sein, wenn die Freude über starke Kursgewinne dadurch beeinträchtigt wird, dass auch auf der Wertsteigerung die Rücknahmekommission zu entrichten ist. Und der Frust jener, die aus Unzufriedenheit mit der Performance Anteile verkaufen, könnte sich mit der zusätzlichen Gebühr ins Unermessliche steigern. Von den 25 befragten Gesellschaften wenden nur gerade die Clariden Bank, Lombard Odier, ABN Amro und Flemings dieses Konzept an.

Sowohl Ausgabe- als auch Rücknahmekommissionen werden beim Kauf oder Verkauf direkt der anlegenden Person belastet. Für ausländische, in der Schweiz gezeichnete Anlagefonds wird ergänzend eine eidgenössische Stempelabgabe in der Höhe von 0,15 Prozent fällig. Die Abgabe gründet im Umstand, dass diese Fondsgesellschaften ihr Domizil nicht in der Schweiz haben und damit anders als hiesige Fonds hier auch nicht steuerpflichtig sind.

Während diese direkten Kosten für die Anleger vergleichsweise einfach nachzuvollziehen sind, existieren bei den wiederkehrenden Kosten enorme Transparenzprobleme. Verwirrung stiften in erster Linie die Fondsverwaltungskosten, die Management-Fees. Sie werden nicht dem Anleger belastet, sondern direkt über die Erfolgsrechnung des Anlagefonds abgebucht. Entsprechend vermindert sich das Fondsvermögen und damit der Wert des einzelnen Fondsanteils.

Hinzu kommt, dass der Vorteil der vergleichsweise tiefen Ausgabe- und Rücknahmekommission auf dem Schweizer Markt vielfach mit einer hohen Management-Fee erkauft wird. Sie liegt im Schnitt gemäss einer Lipper/McKinsey-Untersuchung bei 1,2 Prozent, fast doppelt so hoch wie in Deutschland (0,65 Prozent), wo umgekehrt die Ausgabekommissionen wesentlich höher sind (4,25 Prozent). Typische Vertreter dieses Ansatzes sind in der Schweiz die Deutsche Asset Management (Schweiz), eine Tochter der Deutschen Bank, die ebenfalls aus Deutschland operierende Zürich Invest Service und in geringerem Mass auch die holländische ABN Amro.

Die Rechnung ist schnell gemacht: Wer einen Fonds kauft und längere Zeit im Depot belässt, fährt mit der tieferen Management-Fee besser. Im direkten Vergleich, der auf den (theoretischen) Durchschnittswerten basiert, ist die deutsche Lösung nach etwas mehr als fünf Jahren günstiger. Wer also Fondsanlagen als langfristige Anlage betrachtet, sollte sich an tiefe Management-Fees halten. Diese Überlegung ist mit ein Grund für die wachsende Beliebtheit von Indexfonds. Weil die Nachbildung eines Index kein aufwändiges Research erfordert, sind diese Produkte im Vergleich zu aktiv gemanagten Aktienfonds günstig. Vor allem Pictet, aber auch die Credit Suisse und die UBS bieten diese Produkte relativ billig an.

Doch auch mit den Gebühren für die aktive Fondsverwaltung sind die Kosten noch nicht erledigt: Denn nicht alle laufenden Kosten betreffen die Fondsverwaltung im engeren Sinn. Erst unter Berücksichtigung der Depotgebühren für das Fondsvermögen, des Honorars für die Revisionsstelle, der Kurspublikationskosten, der Marketingausgaben und weiterer Nebenkosten ergeben sich die Kosten im weiteren Sinne, die die Berechnung der so genannten Total Expense-Ratio (TER) erlauben. Weil die Transaktionskosten wie Courtagen auch hier noch nicht eingeschlossen sind, zeigt die TER für die Anleger/-innen eben noch nicht die volle Wahrheit.

Und um das Mass der Verwirrung voll zu machen, berechnet die im Fondsmarkt hier zu Lande führende UBS eine All-in-Fee, die zwar noch weiter geht als die TER und doch nicht restlos alle Kosten einschliesst. Die Transaktionskosten sind im UBS-Konzept zwar enthalten. Im Inland anfallende Stempelabgaben und Börsengebühren sowie ausländische Nebenkosten für den An- und Verkauf der Anlagen sind aber nicht abgedeckt. Für die in der Schweiz verbreiteten, in Luxemburg domizilierten Fonds betrifft dies die durch Drittbanken und Broker belasteten Courtagen und Gebühren sowie allfällige Steuern und Abgaben. Dazu UBS-Fondsspezialist Daniel Zurfluh: «Die Ausnahmen sind schwer zu beziffern oder verändern sich dauernd. Erfahrungsgemäss machen sie nur einen geringen Teil der Gesamtaufwendungen aus.» Die All-in-Fee der UBS geht immerhin auch weiter als der Ansatz von Lipper, deren jährlich publizierter Fondsführer die direkt den Fondsaktiven verrechneten Aufwendungen nicht erfasst.

Immerhin liegen TER und All-in-Fee-Sätze meist nicht allzu weit auseinander, so dass ein ungefährer Vergleich möglich ist. Und da bringt die Umfrage der Fonds-bilanz etwa an den Tag, wie weit die Kosten selbst in vergleichbaren Fondskategorien noch auseinander klaffen. Für die immer beliebteren Emerging-Market-Fonds liegen sie zwischen 1,25 und 2,5 Prozent. Vergleichsweise gut schneiden die Bank Sarasin, Pictet, die Clariden Bank, die Credit Suisse und die Swissca ab. Das bleibt nach einer längeren Zeitspanne nicht ohne Auswirkung auf den Gesamtertrag. Und längst nicht alle teuren Fonds rechtfertigen die Kosten durch gute Renditen. Der Einsatz der UBS zu Gunsten ihres Konzepts der All-in-Fee erfolgt nicht ganz uneigennützig. Rolf Maurer von der «Fondsboutique» Bevag Better Value schätzt: «Die UBS schneidet kostenmässig um rund ein Fünftel besser als die grosse Schweizer Konkurrentin CS mit deren Fonds ab.» Doch diese hat sich bislang noch nicht zu einem All-in-Fee-Konzept durchringen können.

Besonders hohe Verwaltungskosten weisen im Übrigen die Immobilienfonds auf, bedingt durch den besonderen Aufwand, der mit der Wertschätzung und Verwaltung des Fondsvermögens verbunden ist. Die Sätze erreichen bis zu 4 Prozent. Kein Wunder also, dass ihr Marktanteil ständig schrumpft und unterdessen bei nur noch 2,8 Prozent liegt.

Vergessen geht generell, dass der Vermögensaufbau mit Fonds auch noch Depotgebühren (zur Aufbewahrung der Fondsanteile) kostet und dass auf den dividendenbezogenen Erträgen Einkommenssteuern fällig werden, nicht jedoch auf gestiegenen Kursen, also Kapitalgewinnen. Eine Klärung im Kostendschungel verspricht der Schweizerische Anlagefondsverband mit einer neuen Fondsdatenbank.

Geschäftsführer Max Baumann dämpft die Erwartungen allerdings gleich wieder. Die Begriffe sollen zwar geklärt werden, sodass die Kosten endlich vergleichbar werden. Doch dürfte dieses Werk im Herbst noch längst nicht vollendet sein, wenn die ersten Daten interessierten Kreisen zur Verfügung stehen.

Doch die Zukunft verspricht in jedem Fall sinkende Belastungen. Der Druck auf die Kosten steigt ohne Zweifel wegen der wachsenden Zahl der Mitbewerber. Nicht nur drängen immer mehr ausländische Fondsgesellschaften auf den Schweizer Markt, auch die Zahl der angebotenen Produkte nimmt ständig zu. Sie hat nach neuesten Angaben des Fondsverbands sinnigerweise ungefähr parallel zum Jahrtausendwechsel die 2000er-Grenze überschritten.

Neue Formen des Fondsvertriebs werden ebenfalls auf die Ausgabekommissionen zurückwirken. Bislang allerdings sind nennenswerte Veränderungen ausgeblieben, ausser im erwähnten Fall des CS-Fundlab. Auch der vereinzelt schon mögliche Fondserwerb über das Internet hat die Kosten noch nicht im erwarteten Ausmass reduziert. Fondsshops und weitere unabhängige Fondsvertreiber, die dank Masseneinkauf günstigere Bedingungen aushandeln und die Mengenrabatte der Kundschaft weitergeben, werden das Ihre dazu beitragen. Doch die Entwicklung wird ähnlich verlaufen wie in den USA. Dort sind die Gesamtkosten in den letzten 18 Jahren zwar deutlich um rund 40 Prozent gesunken. Dafür verantwortlich waren fast nur die verminderten Ausgabekommissionen. Eher gestiegen sind gemäss dem Investment Company Institute aber die Management-Fees, die vor allem langfristig denkenden Investoren Performance kosten. Rolf Maurer von der Bevag hat auch in der Schweiz vereinzelt schon ähnliche Entwicklungen erkannt. Der früher unschlagbar günstige und schon lange sehr erfolgreich weltweit investierende Robeco-Fonds der Rabo Robeco Bank hat unlängst den entsprechenden Satz markant erhöht.

Unbeschadet werden die Fondsgesellschaften die Entwicklung nicht überstehen. Eine Konzentrationswelle ist angesagt. Peter Wüthrich vom VZ Vermögenszentrum etwa erwartet einen Rückgang von rund 100 auf 20 europäische Aktienfonds. Ausgelöst werde der Prozess durch die Vereinheitlichung der Währung und den steigenden Margendruck, der selbst ein Fondsvolumen von 100 Millionen Franken kaum mehr kostendeckend verwalten lässt. In den Vereinigten Staaten kratzen die grössten Fonds bereits an der 100-Milliarden-Dollar-Grenze.

Fazit: Anleger sollten die Kosten bei ihrem Anlageentscheid nicht ingnorieren. Insbesondere die direkten, am Anfang fälligen Beträge müssen wieder aufgeholt werden. Und wer langfristig investiert, sollte sich wenn möglich an tiefe Managementgebühren halten. Und wenn ein Vertreter einer Fondsgesellschaft einem vorschwärmt, die hohen Kosten seien mit der stets guten Performance längst zu rechtfertigen, sollte dies in jedem Fall überprüft werden.
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