Das Chaos an den Märkten rund um leerverkaufte Aktien ist nur ein Nebeneffekt der Massenliquidität - dies jedenfalls ist die Meinung von Philipp Hildebrand, dem Vizechef des Vermögensverwalters Blackrock. Für den Ex-Chef der Schweizerischen Nationalbank bleibt die Corona-Pandemie letztlich Treiber des Börsengeschehens. Das Agieren mancher Marktteilnehmer sei irrational.

«Es ist nicht überraschend, wenn man bedenkt, wie viel Liquidität im System vorhanden ist und wie sehr die Politik die Assetpreise in den letzten Wochen und Monaten angeheizt hat», sagte Hildebrand am Donnerstag in einem Interview mit Bloomberg TV. Er sprach von «Nonsense».

«Man muss einen Schritt zurück gehen und sich fragen, ob es eine grundlegende Neubewertung der Marktaussichten gibt - ich würde im Moment sagen, wahrscheinlich nicht», so Hildebrand. «Die derzeit grössten Risiken bleiben die Pandemie und die Impfstoffverteilung.»

Shorten - kurz erklärt

Shorten heisst, dass sie eine Aktie ausleihen und diese dann jemand anderem weiterverkaufen. Später müssen sie diese Aktie dann dem ursprünglichen Halter zurückgeben. Dafür müssen sie diese wieder irgendwo kaufen. Die Hoffnung dabei ist, dass sie den Titel dann günstiger erhalten. Sie setzen also darauf, dass der Wert dieser Aktie fällt.

(hb)

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Kleinanleger entfachen Börsenfieber

Stark «geshortete» Unternehmen sind zu Zielscheiben von Kleinanlegern geworden, nachdem ein atemberaubender sogenannter Short Squeeze die Aktie des Computerspielehändlers Gamestop diese Woche um mehr als 400 Prozent in die Höhe schnellen liess.

Am Donnerstag hatte der kometenhafte Aufstieg kurz aufgehört – Grund dafür war eine eine kurzen Betriebspause des Diskussionsforums auf der Plattform Reddit, dessen Nutzer den Hype angeheizt hatten. Am Freitag ging es vorbörslich zeitweise wieder deutlich mehr als 100 Prozent aufwärts.

(bloomberg/mbü)