Das vergangene erste Halbjahr an den Börsen war, gelinde gesagt, ein Trauerspiel. Seit Anfang Jahr verlor der SMI-Index 14 Prozent. Der amerikanische S&P-Index sank um 20 Prozent, der Technologiewerte-Index Nasdaq gar um 27 Prozent. Und auch in der zweiten Jahreshälfte gibt es, zumindest wenn man die geopolitischen Entwicklungen anschaut, noch wenige Lichtblicke.

Dennoch keimt aktuell ein wenig Hoffnung auf. Seit Mitte Juni zeigt der SMI-Index wieder nach oben. Er stieg von 10’300 auf die Marke über 11’000 Punkte. Auch der Nasdaq erholte sich leicht, ebenso wie der Dow-Jones-Index. Nun fragen sich einige bereits, ist das das Ende der Baisse und damit ein guter Zeitpunkt, um Qualitätstitel günstig zu erwerben? 

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Kräftige Kursanstiege sind Beweis für eine Trendwende

Ich wäre vorsichtig. Denn die vergangenen Monate haben eins deutlich gemacht: Kräftige Kursanstiege innerhalb kurzer Zeit sind keine Garantie dafür, dass der Markt tatsächlich schon den Boden erreicht hat. Man sollte die aktuell steigenden Kurse nicht überbewerten, denn das Kursplus findet innerhalb eines Bärenmarktes statt.

Ein Bärenmarkt ist eine länger anhaltende und starke Abwärtsbewegung an den Aktienmärkten, bei denen der Markt um mindestens 20 Prozent gegenüber dem zuvor erreichten Hoch zurückfällt. Der Rückfall von mindestens 20 Prozent ist allerdings eine willkürliche Festlegung. Wie dem auch sei.

Bärenmärkte dauern meist länger an

Bärenmarktrallys sind das Kennzeichen aller grösseren Bärenmärkte, wie uns die Vergangenheit zeigte. Bärenmärkte bestehen in der Regel aus Phasen starker Kursverluste, aber auch aus Phasen starker Kursgewinne, eben den Bärenmarktrallys. Die Volatilität ist deutlich erhöht. Es geht immer wieder rasant nach unten, aber zwischendurch auch immer wieder mal kräftig nach oben.

Ganz im Gegensatz zu den Bullenmärkten. Sie zeichnen sich oft durch eine eher geringe Volatilität (Schwankungsanfälligkeit der Kurse) und langsam, aber kontinuierlich steigende Kurse aus. Starke Kursanstiege innerhalb kurzer Zeit sind also keine Garantie dafür, dass der Markt tatsächlich schon den Boden erreicht hat. Dies kann, muss aber nicht der Fall sein. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass der Bärenmarkt noch nicht zu Ende ist. 

Historische Bärenmärkte waren heftiger und länger

Die Vergangenheit hat gelehrt, dass Bärenmärkte meist länger andauernden, wie die Grafik unten zeigt. Sie stellt dar, wie stark die einzelnen Bärenmärkte seit dem Zweiten Weltkrieg jeweils korrigiert haben, als sie von einem Boom in eine Rezession übergingen. Der Bärenmarkt, den wir jetzt erleben, wäre der mit dem geringsten Kursrückgang seit 1946. Die zweite Grafik zeigt nicht den Wertverlust, sondern die Dauer der Korrektur in Tagen an. Auch hier wäre die aktuelle Korrektur eine der kürzesten.