Die jüngsten Kurseinbrüche an den internationalen Börsen ­haben uns wieder vor Augen geführt: Aktien sind risikoreiche Anlagen. Eine Binsenweisheit, zugegeben. Allerdings dürften gerade unerfahrene Anleger jüngst ziemlich erschrocken sein. Doch auch bei manch erfahrenem Investor ist der Aspekt des Risikos von Dividendenpapieren nach einer Hausse, die seit elf Jahren andauert, in den Hintergrund gerückt.

Solange die Zinsen auf einem Tiefststand verharren und die Rohstoffpreise sich nicht erholen, sehe ich keine Alternativen zu Aktien. Langfristig jedenfalls hat sich diese Anlagekategorie als weitaus bes­seres Investment entpuppt als Obligationen. Heftige Kursrückschläge können denn auch eine Chance für den Aufbau neuer Positionen sein. Allerdings sollte dies nur unter langfristigen Aspekten erfolgen. Und mit Blick auf die sich etwas eintrübende Konjunktur verlege ich meinen Schwerpunkt zunehmend auf de­fensive Papiere.

Dazu zählen die Titel von SGS. Unter den SMI-Aktien gehören sie zu den Mauerblümchen; in den letzten 52 Wochen legten die Titel gerade mal 5 Prozent zu, während der Index gegen 20 Prozent gewann. Dabei glänzt der Konzern, der Rohstoffe oder Agrarprodukte wie auch In­vestitions- und Konsumgüter auf Qualität und Menge prüft, zwar nicht mit enormen Wachstums­raten, dafür mit laufenden Ertrags­verbesserungen. So sank 2019 der Umsatz minim, doch die Profita­bilität stieg erneut.

Kein Grund zum Strategiewechsel bei SGS

Die guten Zahlen des Branchen­leaders rückten in den Hintergrund, als kurz nach deren Veröffentlichung die Familie von Finck ein 12,7 Prozent schweres Aktienpaket auf den Markt warf, und zwar zu Preisen deutlich unter dem damaligen Kurs. Der Ausstieg hat auch das Management überrascht.

Dennoch gibt es für VR-Präsident Peter Kalantzis (74) und CEO Frankie Ng (53) keinen Anlass, an der Strategie zu schrauben. Die Marschrichtung stimmt: Über Optimierungs- und Sparprogramme werden die Margen laufend verbessert sowie überwiegend kleinere Firmen gekauft.

Für mich zählen SGS zu den ­attraktivsten Papieren aus dem defensiven Lager – und gerade solche Valoren schlagen sich in mageren Börsenphasen besser. Zwar sind sie mit einem für dieses Jahr geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 27 alles andere denn billig. Doch konservative Investoren, die ein Langfristengagement suchen, sind mit SGS gut beraten. Zumal die Dividendenrendite mit 3,0 Prozent das Warten auf höhere Kurse versüsst.

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Cosmo und Cassiopea: nichts für Witwen- und Waisendepots

P.M. aus Küsnacht schreibt: «Ich lese Ihre Artikel immer mit höchstem Interesse. Interessant wäre einmal ein Beitrag über Cosmo und Cassiopea.» Ein Lob freut mich immer. Doch gleich vorweg: Beide ­Aktien sind nichts für Witwen- und Waisendepots.

Bei Cosmo tut sich einiges. So hat jüngst eine Studie positive Resultate für das neuartige Endoskopiegerät GI Genius gezeitigt. Zudem wurden die US-Rechte am Anästhetikum ByFavo an Acacia Pharma und am Reisedurchfallmittel Aemcolo an RedHill Biopharma auslizenziert. Und das US-Unter­nehmen Medtronic vertreibt ein von Cosmo entwickeltes Gerät zur Erkennung sowie ein Mittel zur Behandlung von Polypen im Darm.

Speziell dabei: Cosmo verlangt keine Lizenzgebühren, sondern eine Beteiligung und später Meilensteinzahlungen. Deshalb kommt kaum Cash herein. Doch wenn die Firmen mit ihren Produkten erfolgreich sind und ihre Aktienkurse steigen, profitiert Cosmo überdurchschnittlich.

Bis diese Strategie einschenkt, dürften noch einige Jahre verstreichen. Die Papiere sind zwar spannend, doch auch hochspekulativ.

Cassiopea ist eine Abspaltung von Cosmo, die noch mit 45 Prozent beteiligt ist. Das Unternehmen hat diverse Präparate in der Entwicklung, so gegen Akne, Haarausfall und Genitalwarzen. Im Sommer sollte die US-Gesundheitsbehörde FDA über das Aknemittel Winlevi befinden. Diesem wird ein Markt­potenzial von mehr als 500 Millionen Dollar bescheinigt.

Wann erste Gewinne ­anfallen, lässt sich noch nicht ab­sehen. Auch bei diesen ­Aktien gilt: interessant, doch mit hohen Risiken behaftet.

Frühlingsputz bei Dätwyler

Endlich hat Dätwyler den Handel mit elektronischen Komponenten abgestossen. Damit fällt zwar ein Viertel des Umsatzes weg, doch gleichzeitig auch ein höchst margenschwacher Bereich. Nun konzentriert sich CEO Dirk Lambrecht (59) auf das Dichtungsgeschäft.

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Konzentiert sich auf auf das Dichtungsgeschäft: Dätwyler-CEO Dirk Lambrecht.

Quelle: PHILIPP SCHMIDLI | Fotografie
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Vor allem das Segment Healthcare, in dem Gummikomponenten für medizinische Komponenten und Geräte produziert werden, bietet ein hohes Wachstums- und Gewinn­potenzial.

Ertragsmässig etwas weniger attraktiv ist die Sparte Industrial, die Dichtungen für die Öl- und Gasbranche oder die Nahrungs­mittel- und Autoindustrie herstellt. Für den Online-Distributor Reichelt wird ein Käufer gesucht.

Kurzfristig belastet die Abspaltung des Handelsgeschäfts die Rechnung; die Transaktion bewirkt einen gewaltigen, wenn auch nicht liquiditätswirksamen Buchverlust von 670 Millionen Franken. Unter dem Strich resultiert ein Verlust.

Mittelfristig jedoch zahlt sich die Neuausrichtung aus. Die Valoren sind mit einem KGV von 20,6 nicht überteuert. Allerdings eilt es mit dem Einstieg nicht, denn der Ausblick für dieses Jahr ist verhalten. Zudem wird das China-Geschäft durch das Corona­virus beeinträchtigt.

Frank Goldfinger ist der anonyme ­Börsenspezialist der BILANZ. Schreiben Sie ihm an: bahnhofstrasse@bilanz.ch