Nach dem grossen Absturz vom Montag ging es am Dienstag nicht mehr ganz so steil nach unten. Der SMI stieg zunächst, drehte danach aber doch mehr als 1 Prozent ins Minus. Fallende Kurse an der Wall Street verstärken den Verkaufsdruck auch den europäischen Aktienmärkten. Dax und EuroStoxx50 verlieren jeweils knapp zwei Prozent. Die US-Leitindizes Dow Jones, Nasdaq und S&P 500 büssen nach anfänglichen Gewinnen etwa ein halbes Prozent ein.

Auch in Asien lief der Tag nicht komplett aus dem Ruder: Zwar brach der japanische Leitindex Nikkei 225 nach dem gestrigen Feiertag am Dienstag zunächst um über 4 Prozent ein, erholte sich dann aber im Laufe des Handels und verlor am Schluss noch 3,3 Prozent.

Schwarzer Montag

Die US-Börsen hatten sich bereits am Montag dem allgemeinen Kurszerfall angeschlossen: Der Dow-Jones-Index verlor bis Börsenschluss über 3,5 Prozent oder 1031 Punkte. Beim breiter gefassten S&P-500-Indikator waren es gut 3,3 Prozent. Das bedeutete den grössten prozentualen Tagesverluste seit zwei Jahren. Alle Gewinne des laufenden Jahres wurden damit zunichte gemacht.

Der Coronavirus-Ausbruch in der Lombardei hatte zuvor in Europa ein Börsenbeben ausgelöst: Der Leitindex der Mailänder Börse rutschte am Montag um 5,4 Prozent ab. Und in der Schweiz sackte der SMI am Montag um rund 442 Punkte auf 10'713 Zähler ab. Das ist ein Minus von rund 3,6 Prozent und damit der stärkste Tagesverlust seit August 2015, als Sorgen um einen Konjunktureinbruch in China die Märkte unter Druck gebracht hatten.

Der Hintergrund: Weltweit sind die Anleger durch die Ausbreitung des Coronavirus ausserhalb Chinas beunruhigt. Die Aussichten für das weltweite Wachstum verdunkeln sich, Infektionen und Todesfälle in Südkorea, Italien und im Iran haben zugenommen. «Es gibt viele schlechte Nachrichten an der Coronavirus-Front, und die Gesamtzahl der neuen Fälle steigt weiter», schrieb AMP-Chefökonom Shane Oliver in einer Mitteilung vom Montag: «Natürlich gibt es viel Unsicherheit über die Falldaten und neue Fälle ausserhalb Chinas scheinen sich immer noch zu entwickeln. Der wirtschaftspolitische Fluss muss weiter gehen, obwohl die chinesische Wirtschaft im Märzquartal wahrscheinlich geschrumpft sein wird.»

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Anleger spekulieren auf Zinssenkungen von EZB und Fed

An den europäischen Finanzmärkten spekuliert man verstärkt darauf, dass die EZB nun die Zinsen senkt: Inzwischen wird die Wahrscheinlichkeit auf 50 Prozent taxiert, dass die Europäische Zentralbank im Juli ihren Einlagensatz noch tiefer in den negativen Bereich auf minus 0,6 Prozent senken wird, wie am Montag aus den Kursen hervorging. Gegenwärtig liegt der Satz bei minus 0,5 Prozent.

Auch die US-Notenbank Fed könnte die Zinsen wegen des Virus senken: Der Fed-Funds-Futures-Kontrakt, der an die Juli-Zinssitzung der US-Notenbank gekoppelt ist, signalisierte am Montagabend eine Wahrscheinlichkeit von rund 85 Prozent für eine Zinssenkung (Overnight lending rate) bis dahin. Investoren erwarten dabei einen Schritt nach unten um mindestens 0,25 Prozentpunkte. Vor einem Monat hatte die Wahrscheinlichkeit dafür noch 50 Prozent betragen.

Die Fed-Chefin von Cleveland, Loretta Mester, warnte indes am Montag, als Notenbanker sollte man auf Schwankungen an den Börsen nicht überreagieren.

Adecco, Sika und Dufry stürzen ab

In der Schweiz trennten sich die Investoren insbesondere von den Aktien der stark konjunkturabhängigen Firmen sowie denen aus dem Luxus- und Reisesektor. Neben dem Chiphersteller AMS (-7,1 Prozent) waren dies etwa auch Adecco (-6,7 Prozent), Sika (-6,3 Prozent) oder Logitech (-4,9 Prozent). Auch Industrietitel wie ABB, LafargeHolcim, Oerlikon, Georg Fischer, Bucher oder Sulzer verbuchten grössere Abgaben, ebenso wie die Uhrenhersteller Richemont (-2,8 Prozent) und Swatch (-3,8 Prozent) oder die Aktien des Reisedetailhändlers Dufry (-5,8 Prozent).

An den europäischen Börsen besonders schwer betroffen waren die Airline-Aktien. Die Titel der Lufthansa Group sackten um 8,8 Prozent ab, bei Air France-KLM betrug das Minus am Montag knapp 8,7 Prozent. Der deutsche Leitindex Dax gab bis am Abend um 4 Prozent nach.

Das deutsche Barometer für das Ifo-Geschäftsklima kletterte zwar im Februar minimal um 0,1 auf 96,1 Punkte. «Die jüngste Dynamik der Epidemie wird in unserer Umfrage noch nicht komplett abgebildet», sagte aber Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe. «Das werden wir erst im März sehen.» Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer hält es für möglich, dass die negativen Folgen des Virus in China auch die deutsche Wirtschaft Anfang 2020 «wegen sinkender Exporte und fehlender Zulieferungen schrumpfen lassen.»

Auf der anderen Seite setzte sich die Flucht in den Schweizer Franken fort, der Eurokurs sackte bis Mittag unter 1,06 Franken – er kam auf den tiefsten Stand seit drei Jahren. Bis am Abend korrigierte der Franken wieder leicht nach unten.

Derweil stieg der Unzenpreis des Goldes im europäischen Handel um gut 3 Prozent.

Galaxus muss wegen des Coronavirus Preise erhöhen

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Die Furcht: Pandemie würde weltweites Wachstum abwürgen

Ökonomen haben die Wachstumsprognosen für China und die Welt herabgestuft, da Reisebeschränkungen und -verbote in einer Reihe von Ländern bereits den Tourismus, die Lieferkette und die Fabrikproduktion getroffen haben.

Oxford Economics schätzt, dass das Wachstum der Weltwirtschaft in der ersten Jahreshälfte 2020 auf nahezu Null sinken könnte, wenn der Ausbruch des Coronavirus zu einer globalen Pandemie würde.

Der New Yorker Ökonom Nouriel Roubini zeichnete ebenfalls ein düsteres Szenario: Selbst wenn sich die chinesische Wirtschaft ab Sommer wieder rasch erholen sollte, bliebe am Ende des Jahres bestenfalls ein Jahreswachstum von 2,5 Prozent. Dies wiederum wäre für die gesamte Weltwirtschaft ein schwerer Schlag: «world growth will collapse».

Auch Mohamed El-Erian erachtet die Virus-Gefahr als «big deal» für die Weltwirtschaft: Der Chefökonom der Allianz-Gruppe wies via Twitter darauf hin, dass die neuen Fälle in Italien ein besonderes Risiko darstellen: Sie treffen ein Land, das ohnehin am Rande einer Rezession stand. Und unglücklicherweise seien wir derzeit mit mehreren ähnlichen Situationen konfrontiert – in Korea, Singapur, Japan, Deutschland.

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Die japanischen Märkte waren am Montag wegen eines Feiertags geschlossen. In Südkorea kam es am Montag zum grössten Kursrutsch der dortigen Börse seit eineinhalb Jahren: Der Leitindex Kospi fiel zeitweise um knapp vier Prozent. Die Börse Shanghai notierte am Montag nur knapp im Minus und verlor am Dienstag zunächst etwas über 1,4 Prozent.

Im asiatischen Devisenhandel kam es am Dienstag zu einer Entspannung: Der Dollar gewann 0,1 Prozent auf 110,81 Yen und gab 0,2 Prozent auf 7,0133 Yuan nach. Zur Schweizer Währung notierte er kaum verändert bei 0,9788 Franken. Parallel dazu stieg der Euro um 0,1 Prozent auf 1,0862 Dollar und zog um 0,1 Prozent auf 1,0632 Franken an. Das Pfund Sterling gewann 0,1 Prozent auf 1,2937 Dollar.

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Eine ständig aktualisierte Übersicht über den Verlauf der Epidemie finden Sie hier.

Quelle: JHU CSSE

99,5 Milliarden Yuan für Virusbekämpfung

Auch Chinas Präsident Xi Jinping rechnet mit deutlichen Auswirkungen auf die Wirtschaft. China werde alles tun, um die Ziele für 2020 zu erreichen, wurde Xi vom staatlichen Fernsehen zitiert. Die Regierung werde ihre Konjunkturhilfen verstärken. Der Kampf gegen das Virus sei immer noch in einer kritischen Phase, auch wenn es erste positive Signale gebe.

Indessen stellt die Regierung 99,5 Milliarden Yuan ( rund 14 Milliarden Franken) für die Eindämmung des Coronavirus-Ausbruchs zur Verfügung. Wie die Finanzmittel verteilt würden, kündigte der stellvertretende Finanzminister Ou Wenhan während einer Pressekonferenz in Peking zunächst nicht an.

Laut der parteinahen Zeitung «Global Times» sind 95 Prozent der chinesischen Firmen vom Virus betroffen. 6 Prozent stehen wegen der Epidemie vor dem Bankrott.

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Einbruch des Tourismus in Asien

Der Einbruch des Tourismus infolge der Coronavirus-Epidemie kostet einer Studie zufolge allein Asien bis zu 115 Milliarden Dollar an Wirtschaftsleistung. In einer am Montag veröffentlichten Untersuchung mit dem Titel «Urlaub in der Hölle» gehen die Experten der niederländischen Bank ING davon aus, dass Reisen nach und aus China so gut wie gänzlich gestrichen werden.

«Das ist offensichtlich eine starke Vereinfachung, aber sie passt zu einem Szenario, wonach die Epidemie auch nach ihrem Höhepunkt andauert», sagte Robert Carnell, ING-Chefvolkswirt für den asiatisch-pazifischen Raum. «Amtliche Reise-Einschränkungen könnten nur langsam aufgehoben werden, und die Reisenden bleiben möglicherweise noch längere Zeit vorsichtig.»

In Norditalien steht das Leben mancherorts still

In Europa ist Italien mit mehr als 200 Infektionen und sieben Todesfällen am schwersten betroffen. Ein Fehlalarm legte am Sonntagabend den Zugverkehr zwischen Italien und Österreich über Stunden lahm.

Zwei Eurocitys auf dem Weg von Venedig nach München wurden von Österreichs Behörden am Brenner gestoppt. Einer der Züge hatte zwei deutsche Frauen an Bord, die Fieber und starken Husten hatten. Sie wurden aber in Verone nach Angaben des österreichischen Innenministeriums negativ getestet. Danach konnten die 500 Passagiere nach München weiterfahren.

In vielen Gegenden in Norditalien steht das öffentliche Leben praktisch still. In der Lombardei wurden zehn Gemeinden in der Provinz Lodi zu Sperrzonen erklärt. Sie liegen in der Nähe des Finanzzentrums Mailand, der zweitgrössten Stadt Italiens.

In Venetien wurde die Gemeinde Vo abgeriegelt. Schulen, Universitäten und Museen bleiben geschlossen. Auch der Karneval von Venedig, der bis Dienstag gehen sollte, wurde vorzeitig beendet.

Tessin bereitet sich auf Fälle vor

Eine raschere Testauswertung und mehr Spitalbetten: Die Tessiner Regierung hat am Montag Massnahmen für den Fall eines Übergreifens des Coronavirus auf das Tessin vorgestellt. 

Während die Todesfälle im benachbarten Italien steigen, gehe es im Kanton Tessin darum, sich auf erste bestätigte Fälle vorzubereiten. Es gebe bereits Verdachtsfälle. Wie viele das seien und wo sich die Patienten befänden, wollte Kantonsarzt Giorgio Merlani nicht sagen. Ziel sei es nun, die betreffenden Personen möglichst rasch zu testen. «Falls sich ein Fall bestätigt, werden wir das nicht verheimlichen», versprach der Merlani.

Ab Dienstag sei es möglich, die nötigen Tests im Tessin selber auszuwerten. Bisher mussten Testergebnisse in ein Labor nach Genf gebracht werden. In den Spitälern des Kantons werden mehr Betten bereitgehalten für den Fall, dass die Zahl der Verdachtsfälle ansteigen sollte.

Modell: Wie sich ein tödliches Grippevirus von China aus über die Erde ausbreitet

Bill Gates warnte unlängst vor dem, was jetzt drohen könnte: Was geschieht, wenn eine tödliche Influenza um die Welt geht? Der Ablauf.

Südkorea und Japan mit vielen Fällen

Die Zahl der Toten durch das Coronavirus ist in China weiter angestiegen. Die nationale Gesundheitskommission in Peking berichtete am Dienstag 71 neue Covid-19-Todesfälle. Am Montag waren 150 Todesfälle bekanntgegeben worden.

Damit sind in der Volksrepublik schon 2663 Todesfälle zu beklagen. Die Zahl der neu nachgewiesenen Infektionen kletterte weiter um 508. Insgesamt sind in Festlandchina damit schon fast 78'000 bestätigte Ansteckungen registriert. Die überwiegende Zahl der neuen Todesfälle und Infektionen mit dem Sars-CoV-2 genannten Coronavirus wurden aus der schwer betroffenen Provinz Hubei in Zentralchina gemeldet.

Auch in Südkorea, wo sich gerade ein grösserer Ausbruch entwickelt, wurden neue Infektionen durch die Lungenkrankheit gemeldet. Damit gibt es schon 893 Ansteckungen und acht Todesfälle in Südkorea. In keinem anderen Land ausserhalb Chinas, wo das Sars-CoV-2-Virus im Dezember ausgebrochen war, wurden bisher mehr Infektionen gemeldet. Einzig Japan ist mit fast 700 erkrankten Passagieren des Kreuzfahrtsschiffs «Diamond Princess» und rund 150 weiteren nachgewiesenen Erkrankungen im Land ähnlich stark betroffen.

Die japanische Regierung ruft die heimischen Unternehmen dazu auf, den Beschäftigten nach Möglichkeit Heimarbeit und Schichtarbeit zu empfehlen. Damit soll die Ausbreitung des Coronavirus aufgehalten werden.

(sda/reuters/awp/gku/rap)

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