An den globalen Finanzmärkten herrscht nach dem Kriegsausbruch im Iran grosse Anspannung. Anleger sind verunsichert, die Börsen stark unter Druck. Der Schweizer Leitindex SMI hat bis Dienstagmittag 3 Prozent eingebüsst, nachdem er am Morgen mit 1,5 Prozent im Minus in den Tag gestartet ist. Auch in Europa, den USA und Asien haben die Aktienmärkte deutlich verloren.

Besonders stark leiden Aktien aus der Uhren- und Luxusgüterindustrie. Geopolitische Unsicherheiten treffen die Branche meist stärker, weil die Nachfrage nach Luxus oft schnell zurückgeht. So büsst die Aktie von Richemont bis am Mittag 3,6 Prozent ein, jene von Swatch verliert rund 3 Prozent. Bereits am Montag verzeichneten die beiden Unternehmen hohe Kursverluste.

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Konflikt bringt auch Profiteure hervor

Doch es gibt auch Branchen, die vom Iran-Krieg profitieren. Zu den Gewinnern zählen etwa im Hinblick auf steigende Militärausgaben die Rüstungsfirmen. Ebenso die Energiekonzerne, deren Margen dank steigender Ölpreise in die Höhe schiessen. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent verteuerte sich am Dienstagmorgen auf über 80 Dollar. Zum Vergleich: Letzte Woche lag der Preis noch bei rund 70 Dollar. Zu den Profiteuren gehören auch Reedereien wie MSC mit Sitz in Genf. Weil der Iran die Strasse von Hormus blockiert, müssen die Transportunternehmen ihre Schiffe umleiten. Das reduziert die Kapazitäten, was Erwartungen auf höhere Frachtraten schürt.

Zum grossen Aktien-Ausverkauf ist es entgegen gewisser Befürchtungen nicht gekommen. Doch die Unsicherheit bleibt. Wie schnell sich die Aktienmärkte erholen, hängt ganz von der Dauer des Konflikts im Nahen Osten ab. Beruhigt sich die Lage nach wenigen Tagen wieder und beide Seiten beenden ihre Luftschläge, dürfte der Börsenspuk auch schnell wieder vorbei sein. Und davon gehen viele Anleger auch jetzt wieder aus, erklärt Serge Nussbaumer (52), Anlageexperte beim Zürcher Finanzunternehmen Maverix Securities, gegenüber der Handelszeitung. «Darauf deutet der aktuelle Handelsverlauf hin», sagt Nussbaumer.

So könnte es weitergehen

US-Präsident Donald Trump (79) hat derweil in Aussicht gestellt, dass der Krieg vier Wochen dauern könnte. Das entspricht ungefähr Nussbaumers Basisszenario, das schwankende, aber kontrollierbare Kurse voraussagt. «Die Märkte könnten sich positiv entwickeln, während die Energiepreise erhöht bleiben.» In einem solchen Umfeld käme es temporär zu einer erhöhten Volatilität, die sich mit zunehmender Entspannung wieder normalisiert.

Bei der Risikoabwägung für die Wirtschaft – und damit auch für die Finanzmärkte – spielt die Entwicklung an der Strasse von Hormus eine zentrale Rolle. Der Iran blockiert die Meerenge – und damit eine der wichtigsten Routen für globale Ölexporte.

Im Worst Case bleibt die Strasse von Hormus über längere Zeit unpassierbar. «In diesem Szenario müssten nachhaltig steigende Energiepreise, zunehmender Inflationsdruck und mögliche Handelskonflikte einkalkuliert werden», ordnet der Börsenexperte ein. Heisst: Das globale Wirtschaftswachstum könnte sich abschwächen und die Aktienmärkte gerieten deutlich stärker unter Druck. Gleichzeitig würden Öl- und Rüstungswerte entgegen dem allgemeinen Markttrend steigen.

«Panikreaktionen sind selten ein guter Ratgeber»

Und wie soll ich mich als Anleger jetzt verhalten? Börsenexperte Nussbaumer sagt: Nicht in Panik verfallen, sondern Ruhe bewahren. «Aus heutiger Sicht gibt es keinen Grund für überhastete Verkäufe», sagt er. «Zwar führen geopolitische Konflikte regelmässig zu kurzfristiger Volatilität, doch historisch gesehen sind Panikreaktionen selten ein guter Ratgeber.» Anleger sollten ihre strategische Ausrichtung überprüfen und keine emotional getriebene Entscheidung treffen.

Wer sein Geld aber sicherer anlegen möchte, sollte Investitionen in Edelmetall-Anlagen erwägen – insbesondere in Gold. Denn wenns auf der Welt kriselt, dann glänzt das gelbe Edelmetall. Gold gilt unter Anlegern als sicherer Hafen.