Wer ein Kleinkind vor eine Ladung Bauklötze setzt, wird staunen, wenn er sieht, was es daraus macht. Da entstehen windschiefe, bunte Gebilde, die kaum zusammenpassen und am Ende krachend auseinanderfallen. Ganz ähnlich sieht das bei manchem Anleger aus, der sein Erspartes über Indexfonds (ETFs) selbst verwaltet. Auch da werden mitunter diverse Fonds wild zusammengewürfelt, das Gesamtkonstrukt ist dann aber wenig ertragreich und am Ende vielleicht sogar noch instabil.

Dabei ist der Ansatz absolut richtig: Mit ETFs lässt sich kostengünstig und effektiv Geld anlegen. Das Ersparte dabei breit zu streuen ist ebenfalls sinnvoll. Dennoch muss das kleine oder grosse Vermögen klug verteilt werden, und die einzelnen Komponenten müssen zusammenpassen und sich ergänzen. Das zu erreichen ist indes gar nicht so schwer.

Wie es gehen kann, zeigt beispielsweise der Amerikaner Ray Dalio. Die «Forbes»-Rangliste der reichsten Menschen der Welt weist ihn auf Platz 57 aus, mit einem Vermögen von rund 18,7 Milliarden Dollar. Dieses hat er als Gründer der Hedgefonds-Gesellschaft Bridgewater, der grössten der Welt, erzielt. Heute ist er 71 Jahre alt, betätigt sich vor allem als Philanthrop und gibt anderen Tipps, wie sie ihr Geld anlegen sollten.

Anzeige

Ein Portfolio für jedes Wetter

Dafür schlägt er ein sogenanntes Allwetter-Portfolio vor, basierend auf ETFs. Diese sollten zu 40 Prozent lang laufende und zu 15 Prozent kurz laufende US-Staatsanleihen abdecken. 30 Prozent verteilen sich auf Aktien, davon 18 Prozent US-Aktien grosser Firmen, drei Prozent US-Aktien kleiner Firmen, vier Prozent in Europa, zwei Prozent in Asien und drei Prozent in Schwellenländern. Dazu gesellen sich jeweils 7,5 Prozent in Gold und Rohstoffen.

In den vergangenen Jahrzehnten warfen Staatsanleihen oft noch hohe Renditen ab, inzwischen sind Zinsen weitgehend verschwunden oder mitunter sogar negativ.
 

Diverse Finanzexperten haben die Rendite eines solchen Portfolios rückwirkend berechnet und kommen für die vergangenen Jahrzehnte auf eine durchschnittliche jährliche Rendite von sieben bis neun Prozent, je nach genauem Zeitraum.

Doch darin liegt schon das erste Problem: In den vergangenen Jahrzehnten warfen Staatsanleihen oft noch hohe Renditen ab, inzwischen sind Zinsen weitgehend verschwunden oder mitunter sogar negativ. Ob Kleinanleger daher überhaupt noch Anleihefonds nutzen sollten, ist umstritten.

Gerade bei kleinen oder mittleren Volumina kann es sinnvoller sein, einfach Cash vorzuhalten. Für Anleger mit langfristigem Horizont ist zudem heute ein grösserer Aktienanteil als von Dalio propagiert sinnvoll.

Schliesslich ist Dalios Portfolio natürlich sehr US-zentriert und der Nachbau relativ aufwendig – allein für den Aktienanteil sind mindestens fünf verschiedene ETFs notwendig, gerade bei kleinen Vermögen ist das schwierig. Doch es geht auch einfacher. Lothar Koch von der Vermögensverwaltung GSAM + Spee in Düsseldorf empfiehlt beispielsweise, den Aktienanteil einfach über den MSCI All Countries World Index (ACWI) abzudecken. „So lässt sich das Geld mit wenig Zeitaufwand breit streuen“, sagt er.

Diversifizierung über Länder birgt Probleme

Der Index beinhaltet im Gegensatz zum bekannteren MSCI World Index auch Aktien aus Schwellenländern. Insgesamt umfasst er 49 Märkte und rund 2800 Unternehmen, davon entfallen allerdings auch hier rund 56 Prozent auf die USA, 7,4 Prozent auf Japan und 4,7 Prozent auf Grossbritannien. Deutsche Aktien machen gerade mal 2,5 Prozent aus.

Das mag manchen deutschen Anleger verstören, doch ein häufig gemachter Fehler ist die Konzentration auf den Heimatmarkt, die sogenannte Home Bias. Die Börsenmusik spielt eben vor allem andernorts, und zuallererst in den USA. Wer dennoch ein wenig mehr deutsche Aktien in seinem Portfolio haben möchte, der kann zusätzlich noch einen kleinen Anteil in einen ETF auf den Dax oder den MDax stecken oder auch in den DivDax, der die dividendenstärksten Aktien abdeckt. Auf jeden Fall sollte dies aber nur eine Beimischung sein, nicht der Hauptbestandteil des Portfolios.

Die universelle Einsatzmöglichkeit von ETF ist einer der Faktoren für deren zwanzigjährige Erfolgsgeschichte in Europa. So lassen sich mit diesen Vehikeln heute die unterschiedlichsten Strategien umsetzen. Mehr hier.

Wer etwas mehr Zeit hat und davon auch mehr in die Verwaltung seines Geldes investieren möchte, der sollte jedoch nicht über Länder diversifizieren. «Früher war das wichtig, weil die verschiedenen Regionen sich meist in unterschiedlichen Konjunkturzyklen befanden», sagt Stefan Eberhardt, unabhängiger Vermögensverwalter in Villingen-Schwenningen. Heute dagegen läuft die Wirtschaft weltweit weitgehend synchron. «Zudem kauft man sich mit der Diversifizierung über Länder eben auch die ganzen Problemfälle ein – der Dax ist ja das beste Beispiel», sagt Eberhardt.

Stattdessen können Sparer auf einzelne Branchen oder Themen setzen, eben jene, die gegenwärtig am aussichtsreichsten und zukunftsträchtigsten sind. Eberhardt nennt beispielsweise Digitalisierung, Automation, Innovationen im Gesundheitsbereich oder neue Mobilitätsformen. Für praktisch jedes dieser Themen gibt es entsprechende ETFs. Allerdings sollten Anleger sich dann auch regelmässig mit den Entwicklungen in den Branchen beschäftigen, ein bis zwei Stunden pro Woche mindestens, und je nach Entwicklung umschichten.

Wie steht es um Rohstoffe?

Eine Frage, an der sich die Geister scheiden, ist die Stellung von Rohstoffen im Depot. Noch vor 25 Jahren war das kein Thema  Rohstoffe galten damals nicht als interessante Anlageklasse. Doch mit dem Boom, der dann einsetzte, änderte sich dies, und viele Geldexperten halten sie seither für einen wichtigen Bestandteil jeder Geldanlage. So auch Gerd Kommer, ehemaliger Investmentbanker und Autor eines Bestsellers zum Thema ETFs. In seinem beispielhaften ETF-Welt-Portfolio sind Rohstoffe mit zehn Prozent vertreten.

Allerdings ist der Superzyklus bei Rohstoffen seit einigen Jahren wieder vorbei. Ihre Preise schwanken nur noch, sie befinden sich aber nicht mehr in einem stetigen Aufwärtstrend – und historisch gesehen waren sie das auch nie, im Gegenteil: Über die vergangenen zwei Jahrhunderte wurden Rohstoffe stetig billiger. Das ist auch nur logisch, denn die Förderung wurde durch Maschinen und bessere Methoden zum Aufspüren neuer Lagerstätten immer günstiger. Und es gibt gute Gründe, anzunehmen, dass dies auch künftig gilt.

Bei einem Rohstoff machen jedoch viele Vermögensverwalter eine Ausnahme: Gold. «Das ist als Beimischung generell sinnvoll», sagt Lothar Koch, «auch, weil es ein sicherer Hafen für schwere Zeiten ist.» Stefan Eberhardt diversifiziert auch hier ein wenig, indem er auf einen Korb aus Gold, Palladium und Silber setzt.

Ein ETF auf den MSCI ACWI, etwas Cash beziehungsweise ein oder zwei Anleihe-ETFs sowie als Beimischung ETFs auf einzelne Themen und/oder auf Gold – so einfach kann es letztlich sein, sich sein eigenes Portfolio zusammenzubauen. Aus wenigen Bauklötzen kann also schon ein stabiles Gebäude entstehen. Und wer mehr Zeit hat, kann es dann noch verschönern und ausbauen, mit weiteren Bauklötzen – aber immer streng nach Plan.

Dieser Artikel erschien zuerst im Bezahlangebot der «Welt» unter dem Titel «So stellen Sie sich Ihr ideales Portfolio zusammen».

Social Media

Besuchen Sie uns bei Facebook, Linkedin & Co.