Vor vier Monaten wurde er Vater. Jetzt denke er erstmals darüber nach, eine Lebensversicherung abzuschliessen, sagt Adrian Schneider (35), seit einem Jahr Leiter des Investment Center der Graubündner Kantonalbank.

Schneider wohnt in Liechtenstein, wo er jetzt ein Haus für seine Familie baut. Es gehört zur ersten von drei Schichten seines Anlagevermögens. In der ersten Schicht sind vor allem Immobilien. Neben dem Haus in Liechtenstein legt er sein Geld in kleinere Wohnungen in Chur an. Etwa 40 Prozent seines Vermögens sind in Immobilien investiert.

Weitere 40 bis 50 Prozent sind in der zweiten Schicht seines Anlagevermögens. Dort finden sich Titel, die Einkommen generieren. «Der Cashflow daraus finanziert einen Teil meiner Lebenshaltungskosten wie zum Beispiel die Hypothek meines Hauses», sagt er. Dazu gehören Dividendentitel wie Swiss Re und der dänische Schmuckkonzern Pandora, der 4 Prozent Dividendenrendite bietet.

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Beim Schweizer Rückversicherer erwartet Schneider, dass die Dividendenhöhe gehalten werden kann. Auf dem Kurs der Aktie ergäbe das rund 7 Prozent Dividendenrendite. «Die Kursschwankungen der Aktie spielen für mich weniger eine Rolle, solange die Dividendenrendite stimmt», antwortet er auf die Frage, was er bei fallenden Kursen machen würde.

«Wichtig ist für mich die Finanzstärke und die Solvabilität der Firma», ergänzt er. Bei den Dividendentiteln schaut er sich gerne bei britischen Titeln um, weil dabei wegen des Doppelbesteuerungsabkommens keine Quellensteuern anfallen. So bleibt netto mehr von der Dividende.

Profite mitnehmen

Die Dritte Schicht in seinem Anlagevermögen bilden Wachstumstitel. Hier investiert Schneider 10 bis 20 Prozent seines Vermögens, was er sich als junger Mann mit langem Anlagehorizont leisten kann. Teilweise nimmt er einen Titel in dieser Schicht auch aus spekulativer Motivation in sein Depot.

«Ich halte die Titel hier auch nicht unbedingt sehr lange», sagt er. Er nehme hier Profite mit, wenn er richtig liege, und verkaufe, wenn der ursprüngliche Investment Case nicht mehr gegeben sei. Einfach bei einem Verlust von 10 Prozent zu verkaufen, also eine Stop-Loss-Strategie, funktioniere bei diesen Titeln aber nicht, weil sie oft stark schwanken.

Spielt die Börse verrückt?

Trotz Krise: Die Aktienkurse klettern und klettern. Wie lange noch? Antworten im Podcast.

Das gilt etwa für die Aktien von Beyond Meat. Die Titel des Unternehmens, das unter anderem vegane Burger herstellt, nahm Schneider ins Depot auf, als sie nach der Anfangseuphorie des Börsenganges der Firma stark an Wert verloren hatten. Er denkt, dass die Titel vom Food-Trend profitieren.

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«Apple läuft es derzeit gut.»

Die Titel des Technologiekonzerns AMS, der an der Schweizer Börse kotiert ist, hat er während der Corona-Krise gekauft. Rund die Hälfte des Umsatzes verdient die Firma als Zulieferer von Apple. «Apple läuft es derzeit gut.» Zudem gefällt ihm, dass AMS neu mit Osram Sensorlösungen für die Autoindustrie liefert. «Autos werden mit immer mehr Sensoren ausgerüstet», sagt er dazu und ergänzt: «Die Titel sind in meinem Portfolio schon etwas heiss gelaufen.»

In Schneiders Best-Case-Szenario entwickelt sich Aston Martin in Richtung Ferrari bei den Margen.

Die Titel der Luxusautomarke Aston Martin hat er mit Blick auf einen Turnaround der Firma ins Depot genommen. Es gibt einen neuen Eigentümer, ein neues Management und ein neues SUV, das sich einiger Beliebtheit erfreue, wie die bisherigen Bestellungen zeigten. In Schneiders Best-Case-Szenario entwickelt sich die Firma in Richtung Ferrari bei den Margen. Falls es aber nicht so laufe, wäre er schnell bereit, die Titel abzustossen

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