Der digitale Zahlungsprozess sei bereits heute immer mehr eingebettet: Das Taxi, den Einkauf oder den Kaffee bezahlen immer mehr Menschen gleich in der App, schrieb der Schweizer Börsenbetreiber SIX in einem am Mittwoch veröffentlichten White Paper «Future of Money». Die Geräte würden dank dem Internet of Things (IoT) immer «smarter».

Das White Paper untersucht den Angaben zufolge «die dramatischen Veränderungen rund um Geld»: Was wird morgen als Zahlungs- und Aufbewahrungsmittel angesehen? Die Studie zeigt sieben Szenarien für einen Zeitraum von fünf bis sieben Jahren auf.

Viel bequemer als Bargeld

Als am wahrscheinlichsten wird dabei das Szenario «Digital regiert, aber Bargeld bleibt in einer fragmentierten Welt bestehen» eingeschätzt. In diesem ist digitales Bezahlen praktischer geworden als Bargeld, wie die SIX schrieb. Digitale Schnittstellen sind immer näher an die Tätigkeiten der Menschen gerückt: Digitale Benutzeroberflächen ergänzen fast jede Aktivität auf natürliche Art und Weise, wobei Zahlungssysteme integriert sind.

Banken sind verpflichtet, Schnittstellen bereitzustellen, so dass «digitale Wallets» durch Drittanbieter - die elektronische Portemonnaies - verbunden werden können. Die Institute bieten zudem Dienstleistungen über das traditionelle Bankgeschäft hinaus an - wegen der sinkenden Margen und um keine Kunden zu verlieren.

In dem wahrscheinlichsten Zukunftsszenario gehen ausserdem die Bargeldbestände zurück, und es gibt immer weniger Bankomaten. Bargeld wird aber nach wie vor als Wertaufbewahrungsmittel wahrgenommen und breit eingesetzt.

Alexander Verbeck, einer der Autoren der Studie, verwies jedoch darauf, dass es in der Schweiz derzeit noch viel zu viele Bankomaten gibt. Verglichen etwa mit Deutschland, seien es doppelt so viele pro Quadratkilometer, sagte er am Mittwoch an einem Anlass der Börse. Das sei kostenintensiv, und angesichts rückläufiger Bargeldbestände müsste man das angehen.

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Verbeck ist Leiter «Cash Ecosystem» bei der SIX und damit verantwortlich für mehr als 6'000 Bankomaten, die in der Schweiz und Liechtenstein betrieben werden.

«Bitcoin-Welt» wenig wahrscheinlich

Bedenken gibt es in dem Szenario primär wegen der entstandenen Abhängigkeit von «Geldinfrastrukturen». Diese werden von ausländischen und globalen Playern betrieben. Als Gegenreaktion entstehen auch nationale und regionale Geldinfrastrukturen - zum Beispiel nationale Zahlungssysteme. Diese können kompatibel mit Infrastrukturen von Drittanbietern sein, aber auch isoliert.

Geringe Wahrscheinlichkeit wird in der Untersuchung hingegen einer «bargeldlosen Welt» oder einer «Bitcoin-Welt» zugesprochen. Es wird also nicht als wahrscheinlich erachtet, dass Bargeld vollständig verschwindet. Der wahrscheinlichste Weg zu einem solchen Szenario wäre es, wenn ein Staat die bargeldlose Gesellschaft «verordnet», schrieb die SIX.

Auch dass sich dezentrale digitale Währungen durchsetzen und Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ether die von der Zentralbank ausgegebenen Währungen als dominante Geldformen ersetzen, sei wenig wahrscheinlich.

(awp/mlo)