Die Zukunft der klimafreundlichen Energieerzeugung gehört den erneuerbaren Energien. Sie sind mit einem Anteil von einem Drittel an den heutigen weltweiten Infrastrukturgeschäften und einem Transaktionsvolumen von jährlich 200 Milliarden Dollar gut etabliert und besonders interessant für Pensionskassen, die im Niedrigzinsumfeld nach ESG-konformen Renditemöglichkeiten suchen. 

Vor dem Hintergrund eines Paradigmenwechsels und zunehmenden Klimaaktivismus vereint das Pariser Klimaabkommen von 2015 erstmals alle Nationen zu einem gemeinsamen Ziel: Die globale Erwärmung soll mit ambitionierten Massnahmen auf unter 2°C begrenzt und der Klimawandel bekämpft werden. Der «Rahmen für die Klima- und Energiepolitik bis 2030» beinhaltet darüber hinaus EU-weite Zielvorgaben und politische Zielsetzungen für die Jahre 2021 bis 2030. Er sieht eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen um mindestens 40 Prozent, eine um mindestens 32,5 Prozent verbesserte Energieeffizienz sowie einen Anteil erneuerbarer Energien von mindestens 32 Prozent vor. Auch der Schweizer Bundesrat setzt mit seiner «Energiestrategie 2050» unter anderem auf die Förderung erneuerbarer Energien. 

Die Projekte im Bereich erneuerbarer Energien konzentrieren sich auf die Wärme- oder Stromerzeugung aus Quellen wie Wind, Sonnenlicht und Biomasse, auf die Energiegewinnung aus Abfällen, aber auch auf Wasserkraft oder Gezeitenkraftwerke. Erneuerbare Energien sind mittlerweile eine Erfolgsgeschichte, die insbesondere auf politische Entscheidungen und grosse öffentliche Unterstützung im Rahmen von Subventionen zurückzuführen ist. 

Die installierten Kapazitäten sind in den letzten zwei Jahrzehnten explosionsartig gewachsen. Die Wirtschaftsagentur Bloomberg vermeldet für die grössten Länder der EU zwischen 2000 und 2019 ein jährliches Wachstum von 15,2 Prozent bis auf heute 300 GW. Zum Vergleich: Die installierte Leistung des Schweizer Kernkraftwerks Leibstadt beträgt 1,2 GW.

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Bestandteil der Anlageklasse Infrastruktur

Oft werden erneuerbare Energien als Teilbereich der Infrastruktur angesehen. Tatsächlich sind sie aufgrund der stark gestiegenen Investitionsmöglichkeiten zu einer beliebten eigenständigen Anlageklasse geworden. Befeuert wurde diese Tendenz auch durch das Niedrigzinsumfeld und die Entwicklung von ESG-Kriterien und Impact-Investing-Strategien.

Solar- und Windstrom haben preislich mit der konventionellen Stromerzeugung gleichgezogen und sind in Kalifornien und Teilen Europas mittlerweile die preiswerteste neue Energiequelle. Der kontinuierliche Rückgang der Stromgestehungskosten ist auf Grössenvorteile zurückzuführen. Sie sorgen für niedrigere Anlagenkosten und treiben wichtige technische Verbesserungen voran. So ist beispielsweise der Kapazitätsfaktor von Windkraftanlagen an Land von 21 Prozent im Jahr 2000 auf 35 Prozent im Jahr 2019 gestiegen. 

Infrastrukturinvestoren und Energiewende

Angesichts der sich ändernden Landschaft bei den erneuerbaren Energien stützen sich die Regierungen immer stärker auf private Investoren, die die Energiewende vorantreiben sollen. Die bisherigen, auf Subventionen basierenden Modelle werden nach und nach durch ein Auktionsmodell ersetzt, das für geringere Preise sorgt. Die niedrigeren Auktionspreise setzen alle Beteiligten entlang der Wertschöpfungskette unter gewissen Druck und zwingen sie, ihre Geschäftsmodelle anzupassen.

Die Kontrolle der Betriebs- und Wartungskosten ist zu einem wichtigen Thema für die Projektverantwortlichen geworden, weshalb sie verstärkt nach alternativen Einnahmequellen suchen. Darüber hinaus wird dem privaten Sektor auch die Verantwortung für die Bewertung künftiger Technologiekosten aufgebürdet. Infrastrukturinvestoren prüfen Investitionschancen und helfen mit ihrer Arbeit den Portfoliogesellschaften bei der Suche nach Möglichkeiten, um ihre Kohlenstoffemissionen zu verringern.

Ein Drittel der weltweiten Infrastrukturgeschäfte

Mittlerweile betrifft ein Drittel der weltweiten Infrastrukturgeschäfte erneuerbare Energien. Sie sind mit einem Transaktionsvolumen von jährlich insgesamt 200 Milliarden Dollar definitiv etabliert und zu  wichtig, als dass sie ignoriert werden könnten. Erneuerbare Energien wirbeln den traditionellen Energiemix durcheinander und sind für grössere Volatilität und niedrigere Preise verantwortlich, was in Extremfällen sogar zu einer gewissen «Preiskannibalisierung» führen kann. Beispielsweise weht der Wind nachts meist kräftiger. Da der Energiebedarf dann typischerweise geringer ist, sinken auch die Preise für den Windstromerzeuger. 

Zur Beherrschung der Preisvolatilität scheinen Stromabnahmevereinbarungen (Power Purchase Agreements, PPAs) – Verträge zwischen einem Energieerzeuger und einem privaten Abnehmer – für Unternehmen die Lösung der Wahl in einer subventionsfreien Welt zu sein. Wie alle anderen Abnahmelösungen sind auch sie kein Allheilmittel. Dennoch werden sie wohl zu einer treibenden Kraft werden, da Unternehmen wie beispielsweise Aluminiumhersteller oder die Betreiber von Rechenzentren immer mehr Wert auf grünen Strom legen.

Pensionskassen streben mit erneuerbaren Energien nach Rendite

Sollte die für die BVV2 geplante Einführung einer zehnprozentigen Infrastrukturquote Realität werden, dürften die erneuerbaren Energien zusätzlichen Rückenwind durch Schweizer Pensionskassen erhalten, die nach soliden Anlagemöglichkeiten suchen. Erneuerbare Energien können im Portfolio einer Pensionskasse ganz unterschiedlich wirken, je nachdem, ob sie in Anleihen oder Aktien investiert.

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Die Fonds verlassen sich auf der Suche nach Partnerschaften verstärkt auf Fondsverwalter im Infrastrukturbereich, die die internen Möglichkeiten besitzen, der hohen Komplexität der meisten heutigen Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien gerecht zu werden. Interessenkongruenz, ein industrieller Vermögensverwaltungsansatz und digitale Agilität sind in einer Welt, in der dieser Anlageklasse sehr schnell immer höhere Beträge zufliessen, zu wichtigen Erfolgsfaktoren und Kriterien für attraktive Renditen geworden.

 Amir Sharifi ist Managing Director der Infrastrukturgruppe bei Ardian.