Seit dem 27. Februar 2020 deckt sich ein Insider mit Aktien von EFG International ein. Nicht sporadisch, sondern mit einem Investmentplan. Fast jeden Handelstag griff der Insider, der von der SIX Exchange Regulation als nicht­exekutives Mitglied des Verwaltungsrats beschrieben wird, zu. Bis zum 11. Juni wurden 58 Käufe ge­meldet. An manchen Tagen wanderten Aktien im Wert von mehr als sechs Millionen Franken in das Depot. Insgesamt wurden bei der Shoppingtour 13,6 Millionen ESG-Aktien im Wert von fast 75 Millionen Franken gekauft. Das sind immerhin 4,7 Prozent aller EFG-Aktien und beachtliche 23 Prozent des liquiden Streubesitzes (Freefloat).

Wer hinter den Käufen steckt, ist offiziell nicht bekannt. «Kein Kommentar», heisst es bei EFG International. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass es sich bei dem kauffreudigen Insider um Spiro John Latsis handelt, ist gross.

Latsis ist bereits mit Abstand grösste EFG-Aktionär

Der 73-Jährige gilt als reichster Grieche und hat somit die nötige finanzielle Kraft. Unabhängig von den Zukäufen ist Latsis der mit Abstand grösste EFG-Aktionär. Über die von ihm kontrollierte European Financial Group hält er 46,47 Prozent am Unternehmen. Bloomberg weist per 20. März für 3,2 Prozent aller EFG-Aktien die Person Spiro J. Latsis als Besitzer aus. Gehen die bei der SIX nach diesem Datum gemeldeten Zukäufe auf sein Konto, kämen weitere 3,05 Prozent hinzu. Insgesamt läge der von Latsis kontrollierte Anteil an ESG dann bei 52,7 Prozent.

Rechtlich gesehen sind die European Financial Group und die Privatperson Latsis jedoch zwei ­verschiedene Aktionäre. Opting-out- oder Opting-up-Klauseln, die ein Übernahmeangebot beinflussen könnten, gibt es bei EFG keine.

Spiro J. Latsis

Kaufkräftig: Spiro J. Latsis gilt als reichster Grieche. Er hätte die für Zukäufe im Umfang von 73 Millionen nötige finanzielle Kraft.

Quelle: Imago Images / Laif
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«Ein paar Prozent mehr macht keinen Unterschied»

Gemäss ZKB-Bankenanalyst Michael Kunz wird in solche Zukäufe häufig zu viel hineininterpretiert: «Leute im Verwaltungsrat sehen vermutlich, dass die Geschäfte bei EFG gut laufen, und investieren», sagt er. Hätte Spiro Latsis eine Übernahme im Visier, hätte er ein Angebot laut dem Analysten sinnvollerweise schon bei tieferen Kursen gestellt. «Zudem kontrollierte die Familie die Bank auch schon mit 46 Prozent. Ein paar Prozent mehr macht keinen Unterschied», sagt Kunz.

Laut Fondsmanager Marc Possa fördert der Mangel an Alternativen solche Insiderkäufe. «Viele Kern­aktionäre bauen wegen des Anlagenotstands ihre Positionen aus». Man investiere dort, wo man sich auszukennen glaubt. «Das ist schnell dort, wo man schon gross investiert ist und allenfalls sogar im Verwaltungsrat vertreten ist», sagt er.

Hätte Latsis die EFG-Aktien als Anlage gekauft, wäre diese Strategie bisher ein voller Erfolg. Seit dem Tiefpunkt am 17. März hat die EFG-Aktie fast 70 Prozent zugelegt und befindet sich – anders als die meisten Banken – weit über dem Vor-Corona-Niveau.