Die USA befinden sich in einer prekären Situation. Neben einem neuen Rekord-Haushaltsdefizit von knapp 4 Billionen Dollar verharrt das Handelsdefizit 2020 mit knapp 800 Milliarden Dollar auf unverändert hohem Niveau – trotz der America-First-Doktrin von Donald Trump. Diese kontinuierliche Misswirtschaft führt die grösste Volkswirtschaft der Welt an den Rand einer Schuldenkrise.

Lag die Verschuldung der USA 2000 noch bei gesunden 55 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, so stieg diese 2020 auf horrende 136 Prozent. Vereinfacht gesagt, sind die Schulden seit 2000 um jährlich 4 Prozent stärker gewachsen als die Wirtschaftsleistung. Mit dieser Schuldenlast liegen die USA nunmehr auf Augenhöhe mit den europäischen Sorgenkindern Spanien, Frankreich und Italien.

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Christos Maloussis ist Market Analyst und Premium Client Manager bei der IG Bank.

Aber nicht nur der Staat, sondern auch die privaten Haushalte erhöhten ihre Verschuldung seit der Finanzkrise 2008 deutlich. Lag die Gesamtverschuldung der privaten Haushalte vor der Finanzkrise noch bei knapp 12 Billionen Dollar, ist diese nun auf über 14 Billionen Dollar angewachsen. Dabei entfällt fast die gesamte Neuverschuldung zugunsten kurzfristiger Automobil- und Studentenkredite.

Dies hat zur Folge, dass der Anteil von Immobilienkrediten an der Gesamtverschuldung von 80 Prozent auf etwa 70 Prozent gefallen ist. Zwar hat sich die Bonität der Kreditnehmer für Immobilienkredite aufgrund neuer Vorschriften bei der Kreditvergabe deutlich verbessert. Gleichzeitig hat sich die Bonität der Kreditnehmer für Automobil- und Studentenkredite jedoch deutlich verschlechtert (Quelle: New York Fed Consumer Credit Panel/Equifax).

Die Rolle der Zentralbank

In dieser Schuldenspirale spielt die US-amerikanische Zentralbank eine entscheidende Rolle. Nahm die Federal Reserve vor der Finanzkrise noch eine Kontrollfunktion zur Einhaltung von Inflationszielen zur Stabilisierung der Währung ein, so spielt diese nun eine vitale Rolle in der Fiskalpolitik der USA.

Dabei setzt die Zentralbank nicht mehr alleine auf die Kontrolle der Zinsen am kurzen Ende der Zinskurve. Sie agiert massiv am Anleihenmarkt am mittleren und langen Ende der Zinskurve und kauft US-Staatsanleihen in grossem Stil. Dies hat zur Folge, dass die Bilanz der Federal Reserve förmlich explodiert ist. Die Bilanz schoss von knapp 900 Milliarden Dollar 2008 auf nunmehr über 7,2 Billionen Dollar in die Höhe. Dies entspricht einem Anteil von circa 35 Prozent am Bruttoinlandsprodukt der USA. In 2008 waren dies hingegen nur knapp 6 Prozent.

Und damit ist auch die im Umlauf befindliche Geldmenge M3 von knapp 7,5 Billionen Dollar 2008 auf nunmehr 18,8 Billionen Dollar gestiegen (Quelle: OECD). Vergleicht man den annualisierten Anstieg der Geldmenge von etwa 7 Prozent pro Jahr mit der Inflationsrate von etwa 1, Prozent pro Jahr ist die Differenz signifikant.

Inflation als gefährliches Mittel der Wahl

Vereinfacht gesagt: Die US-Notenbank ermöglicht die hohe Verschuldung der USA, indem sie neues Geld in bisher nie da gewesener Dimension druckt. Zwar kommt das Geld aufgrund der Zurückhaltung der Banken bei der Kreditvergabe, der gedämpften Konsumlaune der privaten Haushalte und die abwartende Investitionsbereitschaft der Unternehmen im Zusammenhang mit der Coronakrise noch nicht im Markt an. Es verwundert jedoch nicht, dass die Inflationsangst wieder zurück auf der Tagesordnung ist und Investoren aus dem Dollar flüchten.

Denn in absehbarer Zeit ist eine Normalisierung der Zentralbankpolitik nicht zu erwarten. Die FED machte in den jüngsten Sitzungen klar, dass sie weiterhin massiv am Anleihenmarkt aktiv sein wird und zudem keine Anstalten macht, die Zinsen in absehbarer Zeit anzuheben. Dabei setzt die Federal Reserve darauf, dass nach der Krise der private Konsum und die Investitionsbereitschaft der Unternehmen zulegen werden und somit die Inflation steigt. Hierzu hat sie bereits zu erkennen gegeben, dass sie eine Inflationsrate von über zwei Prozent tolerieren würde, um somit die Schuldensituation zu entspannen. Dies wird jedoch zu einem heiklen Unterfangen.

Steigt die Inflation nämlich stärker an als angenommen, dürfte dies die Zentralbank unter Zugzwang setzen. Sollte diese zum einen die Zinsen zu schnell anheben, drohen Kreditausfälle in Milliardenhöhe. Zudem wäre es fraglich, ob die USA in der Lage wären, ihren Weg der massiven Neuverschuldung zur Unterstützung der Wirtschaft fortzuführen. Sollten die Zinsen auf der anderen Seite zu langsam angehoben werden und die Inflation somit weiter steigen, würde dies einer Enteignung der Sparer gleichkommen.