Kennen Sie das BILANZ-Finanzwort des Jahres 2003? Hedge-Fund-Mania. Dieses Wort entspringt dem Ressort «Invest», nachdem monatelang tonnenweise Einladungen auf unsere Tische geflattert sind mit der Aufforderung, einen «sensationell erfolgreichen» Fund-of-Hedge-Funds-Manager zu treffen oder an einem Frage-und-Antwort-Spiel zwischen Pensionskassen- und Hedge-Fund-Verantwortlichen teilzunehmen. Hedge-Funds waren das Zauberwort: das Allheilmittel gegen schwächelnde Finanzmärkte und dümpelnde Renditen, zumal die Propagandisten nach dem Zusammenbruch der Aktienmärkte im Jahr 2000 positive Renditen erwirtschaften konnten.

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Bei all den unbestrittenen Vorzügen, die Funds of Hedge-Funds gegenüber anderen Investment-Vehikeln aufweisen, wurden die kritischen Zeichen der Zeit übersehen. Das erste Mal wies BILANZ im April 2003 in einem Interview darauf hin. Kein Geringerer als der Schweizer Pionier der Branche, Rainer-Marc Frey, konstatierte, dass es in Zukunft eher schwieriger werde, vergleichbar gute Renditen mit alternativen Anlagen einzufahren, zumal auf Grund des vielen Kapitals, das innerhalb kurzer Zeit in dieses Segment floss – sowohl gute Nachwuchs-Hedge-Fund-Manager als auch Anlagechancen fehlten.

Im Herbst 2003 traf ich in einem Vorstadthaus in Riehen einen Hedge-Fund-Manager, der phänomenale Renditeversprechen abgab: Dieter Behring. Einige lokale und auch überregionale Zeitungen hatten ihn bereits zum neuen Star am helvetischen Finanzhimmel gekürt. Dabei gab er weder Einblick in sein Handelssystem, noch konnte er einen testierten Jahresbericht vorlegen. Anfragen meinerseits bei Schweizer Fondsgesellschaften zeigten, dass all jene, die das Behring-System unter die Lupe genommen hatten, nicht investierten. Daraufhin warnte ich in der Septemberausgabe der Fonds-BILANZ unter dem Titel «Ein Hedge-Fonds kommt selten allein» vor dem Mann «mit der Black Box».

Die Gelder flossen weiter in die «Behring-Geldvermehrungsmaschine». Die Realität heute: Behring sitzt in Untersuchungshaft, Hunderte von Millionen sind verschwunden. Die Renditen der gesamten Hedge-Fund-Branche liegen im vergangenen Jahr 2004 weit unter den Versprechungen der Propagandisten.

Doch es kommt noch schlimmer. Auf die berechtigte Panik der Behring-Geschädigten folgt nun auch noch Panikmache im TV. So listet etwa die Sendung «Kassensturz» vom 26. Oktober 2004 alle Pensionskassen auf, die in alternativen Produkten investiert sind. «Erkundigen Sie sich bei Ihrer Pensionskasse, in welchem Umfang diese Hedge-Funds gekauft hat», hiess es dort.

Wenn es auch sinnvoll ist, den Pensionskassenmanagern endlich einmal kritisch auf den Zahn zu fühlen, so werden hier doch Äpfel mit Birnen verglichen. Denn zwischen einem Hedge-Fund wie jenem Dieter Behrings und den Funds-of-Hedge-Funds-Konstrukten für Pensionskassen gibt es einen wesentlichen Unterschied. Letztere investieren vorwiegend in «Dachfonds», die selbst in 20 bis 30 verschiedenen Hedge-Funds investiert sind, wo es geringen Schaden anrichtet, sollte einer die Segel streichen. Im schlimmsten Fall liefern diese Funds of Funds eine unbefriedigende Rendite.

Keine Panik also – ausser Sie haben bei Dieter Behring investiert.