Sie bieten bei Vontobel ein Zertifikat auf die Wasserstoff-Technologie an. Um was handelt es sich genau?
Heiko Geiger: Es handelt sich um ein klassisches Partizipationszertifikat. Der Anleger nimmt linear an der ­Wertentwicklung der Aktien teil, die im zugrunde liegenden Index enthalten sind. Für das Produkt fällt eine Mana­gementgebühr von 1,2 Prozent pro Jahr an.

Um welchen Index handelt es sich?
Es ist der Wasserstoff-Index des deutschen Indexanbieters Solactive, der ­Solactive Hydrogen Top Selection Index. Die Anforderungen an ein Unternehmen, um in diesen Index aufgenommen zu werden, sind eine Börsenkotierung, eine Marktkapitalisierung von mindestens 750 Millionen Dollar und ein tägliches durchschnittliches Handelsvolumen von mindestens 1 Million Dollar. Jeder Titel ist im Index gleich ­gewichtet. Ausgeschlossen sind Automobilfirmen, die mit Wasserstoffantrieb experimentieren. Es ist damit ein reiner Wasserstoff-Index.

Was sind typische Firmen in diesem ­Index?
Es sind zum einen Unternehmen im Ingenieurbereich, etwa in der Energieerzeugung oder im Maschinenbau. Dann gibt es Unternehmen, die auf die Gewinnung und Weiterverarbeitung von Wasserstoff spezialisiert sind. Die Idee ist, die gesamte Wertschöpfungskette von der Exploration über die Speicherung von Wasserstoff bis zur Energiegewinnung durch Wasserstoff abzubilden.

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Warum hat Vontobel dieses Zertifikat lanciert?
Aufgrund von Kundennachfragen sahen wir, dass es ein verstärktes Interesse des Marktes nach einem solchen Produkt gibt. Schon Anfang Jahr wurde das ­Thema Wasserstoff vermehrt in den ­Finanz-Communitys und in der Finanz-­Presse diskutiert. Typische Aktien wurden von Privatanlegern stark gehandelt. Entsprechend haben wir das Zertifikat im letzten Frühjahr lanciert, um einen Marktzugang zu ermöglichen.

Heiko Geiger ist Zertifikate-Spezialist bei der Bank Vontobel.

Viele Wasserstoff-Aktien haben nach ­einem regelrechten Boom jüngst wieder etwas nachgelassen. Ist es nicht sehr ­riskant, ein Zertifikat auf solche Werte zu kaufen?
Viele Kunden, die jetzt einsteigen, sind überzeugt von der Zukunft der Wasserstoff-Technologie. Sie vergleichen die Aktien etwa mit Titeln der IT-Branche wie Microsoft oder Apple, die ja auch stark gestiegen sind und die man trotzdem kauft. Aber die Dynamik bei den Wasserstoff-Titeln hat schon etwas nachgelassen. Es gibt auch Anleger, die warten jetzt ab und wollen erst nach ­einer Korrektur einsteigen. Wobei man bei einem Index wegen der Streuung ein kleineres Risiko für grosse Verluste hat als bei einer Einzelaktie.

Einzelaktien sind zu riskant?
Ich persönlich bin bei Themen wie E-Autos, Wasserstoff oder Cannabis, die stark in Mode kommen, grund­sätzlich überzeugt, dass ein Index­investment mit einem diversifizierten Portfolio besser ist, als Einzelaktien zu kaufen. Denn bei einer Einzelaktie habe ich zusätzlich zum Sektorrisiko auch das Unternehmensrisiko. Klar, mit einem Index-Investment verpasse ich die Kursraketen unter den Einzelaktien insofern, als sie nur ein Teil des Portfolios sind. Letztlich muss aber der Anleger wissen, was er mit seinem Investment er­reichen und wie viel Risiko er eingehen will.

Chancen für Anleger

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Dennoch: Zertifikate gelten als riskante Finanzinstrumente. Ist Ihr Produkt ­wirklich geeignet für Privatanleger?
Ja. Privatanleger müssen sich im Vorfeld natürlich Gedanken machen, welches Marktrisiko sie mit ihrem Investment eingehen. Wer die Aktien der im Index enthaltenen Unternehmen direkt kauft, ist allerdings einem identischen Marktrisiko ausgesetzt. Was Anleger darüber hinaus in Betracht ziehen müssen, ist das Emittentenrisiko, also das Risiko der Insolvenz oder Zahlungsunfähigkeit der Gesellschaft, die das Zertifikat ausgibt.

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Wie wird es mit der Wasserstoff-­Technologie weitergehen?
Wenn ich sehe, welche Präsenz die Wasserstoff-Technologie in der Politik und in den Medien hat, glaube ich schon, dass es sich um eine valable ­Alternative zum Batterieantrieb handeln könnte. Nicht zuletzt steht ja das Thema Erderwärmung hinter dem Trend, und da wird händeringend nach Alternativen zu CO₂-­belastenden Techniken gesucht. Gedämpft werden könnte die Entwicklung beim Wasserstoff, falls sehr nachteilige Techno­logiefolgen, ­Gefahren bei der Massennutzung oder deutliche Einschrän­kungen ­bezüglich der Marktgrösse bekannt würden.

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