Alles begann mit einem Dämpfer. Als Teddy Keifer im Herbst 1999 Kontakt zum Schweizerischen Verband der Immobilien-Treuhänder (Svit) in Zürich suchte, um die Chancen für die Einführung von Franchising im Immobilienhandel in der Schweiz zu eruieren, wurde ihm von Svit-Zentralsekretär Albert L. Petermann beschieden, dass er damit hier zu Lande wahrscheinlich nicht viel Erfolg haben werde. Durch dieses Franchisesystem sollen Käufer und Verkäufer von Wohneigentum einen erheblich leichteren Zugang zum Immobilienmarkt erhalten.

Seit Anfang 2000 aktiv im hiesigen Geschäft, hat Keifer, Remax-Lizenzinhaber für die Schweiz, nun bereits 25 Franchisenehmer gewinnen können. Bis Ende 2004 soll die Remax mit 70 bis 80 Büros flächendeckend in der Schweiz etabliert sein. Remax ist international eine der grössten Franchiseorganisationen im Immobilienbereich.

Die Remax Schweiz setzt fast ausschliesslich auf den Liegenschaftenhandel, vorab im Wohneigentumsmarkt. Keifer und seine Franchisenehmer, «alles Immobilienprofis», wie er betont, rechnen sich in der Schweiz erhebliche Marktchancen aus.

Woher nimmt er diesen Optimismus? «Die Professionalität der Branche ist hier sehr hoch, aber sie ist zu stark fragmentiert, besteht überwiegend aus Einzelkämpfern», konstatiert Keifer – zum Nachteil der potenziellen Käufer und auch Verkäufer von Wohneigentum. Wer etwa in den Agglomerationen Wohneigentum sucht, muss Wochen und Monate die einschlägigen Inserateseiten durchforsten. Oder sich durch das Internet quälen, wo rund 90 Prozent der Angebote ohnehin Mietwohnungen sind. Oder Kontakt zu einem der unzähligen Immobilienmakler aufnehmen in der Hoffnung, dort eventuell das Objekt seiner Wünsche zu finden.

Andererseits werden in der Schweiz rund 70 Prozent aller Verkäufe von Wohnimmobilien privat und nicht über Immobilienmakler abgewickelt. In Ländern wie den USA, Kanada oder Australien liegt der Makleranteil hingegen bei etwa 90 Prozent. Naturgemäss hat der private Verkäufer überrissene Preisvorstellungen, muss das Objekt allenfalls mehrfach inserieren und dann vielfach noch peu à peu den Preis zurücknehmen. Das kostet Geld und Zeit. Auch merken dies natürlich aufmerksame potenzielle Interessenten, was sie in eine gute Verhandlungsposition bringt.

Höhere Professionalität in den hiesigen Handel für Wohnimmobilien zu bringen, und zwar für alle Marktteilnehmer, hat sich die Remax zum Ziel gesetzt, sowohl über ihr nationales als auch über ihr internationales Netzwerk. Denn die Franchisenehmer kommunizieren via Intranet, wo sie alle ihre zum Verkauf stehenden Wohneigentumsobjekte mit einer ausführlichen Beschreibung platzieren müssen. Jedes Remax-Mitglied hat dafür das Recht, die einzelnen Objekte zu vermakeln. Im Internet wiederum können sich Interessenten unter www.remax.ch einen Überblick über das derzeit knapp 1000 Objekte umfassende Angebot verschaffen.

Doch die Remax wird bald ernsthafte Konkurrenz erhalten. Als neuer, rein schweizerischer Maklerkanal startet Ende August www.alaCasa.ch. Zu diesem Zweck wurde die Dachgesellschaft Intercity.ch gegründet, an der als Immobilienspezialist die Intercity-Gruppe 75 Prozent und als Technologie- und Promotionspartner die Tamedia-Gruppe 25 Prozent hält. Denn diese verfügt mit ihrem Internetmarktplatz ImmoWinner über das erforderliche Know-how. «Unser Ansatz ist die Bündelung der besten Schweizer Makler unter einem gemeinsamen Brand», sagt Herbert J. Wüst, Verwaltungsratspräsident der Intercity. Etablierte Partner in fünf Schweizer Regionen habe man bereits gefunden.

«Die Eigentumsquote bei Wohnliegenschaften steigt; auch gibt es eine höhere Mobilität auf Grund gesellschaftlicher Ent-wicklungen», konstatiert Wüst. Für die künftigen Anforderungen sei der Schweizer Vermittlermarkt im Wohneigentumsbereich schlicht unterentwickelt. Die Makler untereinander werden auf ein eigenes Intranet Zugriff haben, der gemeinsame Internetauftritt schafft den Kontakt nach aussen. Als Kostenbeitrag an www.alaCasa.ch zahlen die angeschlossenen Makler neun Prozent von ihrem Honorarumsatz, wovon drei Prozent in einen Werbefonds gehen.

Gegen eine Million Franken hat Teddy Keifer nach eigenen Angaben bisher in den Aufbau der schweizerischen Remax-Organisation investiert. Dieses finanzielle Engagement wird sich für ihn allerdings schnell ordentlich rentieren. Denn die Franchisenehmer zahlen für das ihnen zugeteilte Gebiet mit einer Grösse von etwa 70 000 Einwohnern 45 000 Franken, und dies nicht einmalig, sondern alle fünf Jahre. Kleinere Franchisegebiete, etwa in Tourismusorten, kosten um die 10 000 Franken.

Die Franchisenehmer wiederum können auf ihrem Gebiet Büros einrichten, für die sie selbstständige Makler anwerben. Diese Makler müssen 20 Prozent ihrer Provisionseinnahmen abführen, wovon 11 Prozent an den Franchisenehmer und 6 Prozent an die Remax-Organisation gehen. Die verbleibenden 3 Prozent fliessen in einen Werbefonds. Beim Vollausbau von Remax Schweiz Ende 2004 rechnet Keifer so mit einem Werbebudget von jährlich etwa 1,5 Millionen Franken. Die Franchisenehmer setzen verständlicherweise voll auf das Remax-Netzwerk. «Es war an der Zeit, effizientere Absatzkanäle für Wohnimmobilien zu erschliessen», sagt Niklaus Conzett von der Firma Verwaltungs- und Baufinanz, die zur St.-Galler Kantonalbank gehört. Der Ex-Svit-Präsident der Region Ostschweiz ist überzeugt, dass sich die durchschnittliche Haltezeit von Wohneigentum in der Schweiz verkürzen wird.

«Es herrscht kein Futterneid, weil man sich untereinander austauscht», bringt es Patrick Kim von der Remax Frimover in Möhlin AG auf den Punkt. Jeder in der Organisation könne unter klaren Abmachungen jedes Objekt von anderen anbieten. Zudem erhalte der Immobilienhandel in der Schweiz mit der Remax einen international bereits eingeführten Markennamen. Das kommt Kim mit seinen beiden Büros im Fricktal besonders zugute. Sucht etwa ein im Ausland lebender Mitarbeiter der Basler Chemie- oder Pharmakonzerne wegen einer Versetzung in die Schweiz Wohneigentum im Grossraum der Stadt am Rheinknie, kann er über das globale Remax-Netz entsprechende Vorabklärungen treffen.

Das erste Zürcher Remax-Büro hat an der Bahnhofstrasse Anfang Mai Patrick Roethlisberger eröffnet. Er ist im Maklergeschäft ein Quereinsteiger und hat seine Immobilienerfahrungen bei einer Grossbank als Betreuer von Problemkrediten im Liegenschaftenbereich gesammelt. Roethlisberger wird einen Schwerpunkt auf die Nutzung des internationalen Remax-Netzes legen. Und da im Zentrum der Limmatstadt eher weniger Wohneigentum die Hand wechselt, wird er einen weiteren Akzent auf die Vermittlung von Büro- und Gewerbeimmobilien setzen.

Von der Konkurrenz werden die Aktivitäten der Remax natürlich mit Argusaugen beobachtet. «Mit Skepsis und Respekt», wie Urs Tschudi, Partner von Walde & Partner, sagt. Mit Büros in Zollikon, Uster und Thalwil deckt diese reine Maklerfirma einen Teil des Grossraums Zürich ab. Skepsis deswegen, weil Gebiete von nur 70 000 Einwohnern eine enorm starke Marktdurchdringung brauchten, damit man auf seine Kosten komme. Respekt, weil ein enormes finanzielles Potenzial hinter der Gruppe stehe.
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