Es ist wie auf der Skipiste – ein dauerndes Auf und Ab: Donald Trump verbreitet via Twitter schlechte Laune über US-Handelspartner – und die Aktien fallen. Hellt sich die Stimmung des Präsidenten wieder auf und findet er ­milde Worte für die Exporteure anderer Länder, dann zieht das die Kurse schnell wieder nach oben.  

Zuletzt vor zwei Wochen: Da fiel der SMI wegen eines Stimmungstiefs des US-Politikers zuerst an zwei Tagen um 300 Punkte, dann ging es an den folgenden zwei Tagen wegen neuer Entspannungshoffnung wieder 200 Punkte in die Höhe.

79 Prozent erwarten mehr Volatilität

So hält Mr. President die Welt schon seit zwei Jahren in Atem. Die Anlegernerven sind inzwischen strapaziert bis erschöpft. Für das neue Jahr stellt sich die Frage: Wird jetzt alles besser? Zunächst kaum: «Wahlen, Handelsspannungen und Veränderungen in der Geld- und Fiskalpolitik dürften das neue Jahr prägen», sagt Mark Haefele, Chef-Anlagestratege der globalen Vermögensverwaltung bei der UBS.

«Auf dem aktuellen Kursniveau würde ein streitlustiger Trump-Tweet in Bezug auf den Handelskonflikt vermutlich reichen, um Kursstürze auszulösen. Anderseits könnten positive Neuigkeiten für neuen Schwung an der Börse sorgen», beschreibt Stefan Kreuzkamp, Chef-Anlagestratege beim Vermögensverwalter DWS, die Situation. Das spiegelt sich in den Erwartungen der Anleger. Von der UBS befragt, gehen 79 Prozent der Investoren davon aus, dass die Kursschwankungen an den Börsen stärker werden.

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«Unvorhergesehene, überraschende Ereignisse bestimmten das Jahr 2019 und werden zweifellos auch 2020 prägen», sagt Michael Strobaek, Leiter globale Anlagestrategie bei der Credit Suisse.

Nach so viel Trübsal jetzt zur guten Nachricht: Sind die politischen Unsicherheiten einmal vom Tisch, liegen zumindest moderate Kursgewinne drin. «Im Jahr 2020 wird die Schwächephase des glo­balen Wirtschaftswachstums anhalten. Eine Stabilisierung der Weltwirtschaft scheint aber deutlich wahrscheinlicher als eine Rezession», so Christoph Schenk, Chefanlagestratege bei der ZKB.

Das sehen viele Ökonomen ähnlich. So rechnet die UBS im nächsten Jahr mit ­einem globalen Wirtschaftswachstum von 3,0 Prozent. Unter Druck sollen die Industrieländer stehen. Dort hält die UBS einen Rückgang des Wirtschaftswachstums von 1,6 auf 1,1 Prozent für möglich. In den Schwellenländern dagegen soll das Wachstumstempo von 4,2 auf 4,6 Prozent steigen. Beschleunigen sollen Russland mit einem Wachstumsanstieg von 1,0 auf 1,8 Prozent, Brasilien mit einem Sprung von 0,9 auf 2,5 Prozent und Indien von 5,9 auf 6,5 Prozent. China, die nach den USA zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt, soll dagegen etwas an Tempo verlieren und nach 6,1 Prozent in diesem Jahr 2020 noch um 5,7 Prozent zulegen.

5 Prozent Gewinn mit Aktien

In der Schweiz dürfte das Wachstumstempo nach Einschätzung der UBS leicht steigen: von 0,7 auf 0,9 Prozent. Bei all diesen Prognosen sind sich die Experten weitgehend einig. Aber für die USA weichen ihre Schätzungen zum Teil deutlich voneinander ab. Während die UBS in den USA mit einem Rückgang des Wirtschaftswachstums von 2,2 auf 1,1 Prozent rechnet, hält Goldman Sachs sogar eine Beschleunigung auf 2,3 Prozent für möglich.

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Die Bandbreite der Erwartungen für die USA ist also gross. «Wegen mehr poli­tische Unsicherheiten dürfte der US-­Aktienmarkt im überwiegenden Teil des nächsten Jahres keine grossen Sprünge machen. Erst die Wahl des Präsidenten im November wird wohl die Unsicherheit auflösen», vermutet Ben Snider, Analyst bei Goldman Sachs. Da viele Börsen weltweit, insbesondere in den Industrie­ländern, am Tropf der Wall Street hängen, dürfte das auf Europa abfärben.
Zwar rechnen die Analysten und Anlagestrategen mit Aktienkursgewinnen auf breiter Front. Doch das Plus soll den Schätzungen der Experten zufolge eher moderat bleiben – siehe Kasten unten: Die Prognosen liegen für die Schweiz, die USA, Japan und die EU im Bereich von ­jeweils etwa 5 Prozent, mit Abweichungen nach oben oder unten von etwa 1 Prozentpunkt.

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Mit diesen erwarteten Zuwächsen ­bleiben Aktien nur leicht unter ihren langjährigen Möglichkeiten mit durchschnittlichen Steigerungen von etwa 7 bis 9 Prozent. Einige Regionen und Sektoren versprechen sogar hohe Gewinne – siehe ebenfalls unten.

Solide Dividendentitel sind attraktiv

«Auf Sektorenebene bevorzugen wir die IT-Industrie als einen der wenigen wachstumsstarken Bereiche. Der Finanzsektor ist ebenfalls attraktiv, da es aufgrund der erwarteten Verbesserung des Ausblicks im ersten Halbjahr 2020 zu einer weiteren Umschichtung in diesen Sektor kommen dürfte. Im aktuellen Niedrigzinsumfeld sind auch solide Dividendentitel attraktiv», sagt Marc Häfliger, Aktienanalyst bei Credit Suisse. Gewinnversprechend sind zudem Exoten-Themen wie Schwellenländer und spekulativ das britische Pfund oder der südafrikanische Rand. Für Anleger, die auf Festverzinsliche setzen, bieten Obliga­tionen aus den Emerging Markets in Relation zu jenen aus den Industriestaaten wie der Schweiz oder Deutschland einen satten Renditeaufschlag bei einem relativ attrak­tiven Chance-Risiko-Profil.

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Gold übrigens dürfte möglicherweise noch mehr an Glanz gewinnen. Das Edelmetall notiert ohnehin nicht weit unter dem Sechsjahreshoch vom September, könnte aber wegen der fortdauernden Nullzinspolitik im nächsten Jahr noch stärker gefragt sein. Zudem gibt es einen vielversprechenden Goldpreiszyklus. Dieser brachte seit vielen Jahren bei Einstieg im Dezember hohe Kursgewinne – siehe Kasten unten.
Langeweile wird im Jahr 2020 keine aufkommen. Bei Aktien ist mit Kursschwankungen über viele Monate zu rechnen. Erst im späteren Verlauf des Jahres könnte es zu einer Beruhigung mit schönen Kursgewinnen kommen.  

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