Es ist paradox: Das Geld für den norwegischen Staatsfonds kommt zum grössten Teil aus dem Geschäft mit den fossilen Rohstoffen Öl und Gas. Der Staat selber will aber bis 2050 klimaneutral unterwegs sein. Er gilt mit einem Anteil von rund 80 Prozent als Weltmeister bei den E-Autos. Die heimische Stromproduktion stammt wie in der Schweiz zur Hauptsache aus Wasserkraft.

Und beim von der norwegischen Zentralbank verwalteten Staatsfonds werden ESG-Kriterien immer wichtiger. In einem Pre-Screening-Verfahren hat die Bank gemäss CEO Nicolai Tangen im vergangenen Jahr 442 Firmen bewertet, die in den Index aufgenommen worden sind. Dabei haben die Analysten eine Investition in neun Firmen ausgeschlossen.

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Die umfangreiche Analyse ergab, dass es Risiken gibt in Zusammenhang mit einem unzureichenden Umgang mit Umweltverschmutzung und Menschenrechten.

Diese neun Firmen könnten langfristig zu einem finanziellen Risiko für den Fonds werden. Bei weiteren 65 Firmen haben die Verantwortlichen ein hohes Nachhaltigkeitsrisiko ausgemacht. Diesen werden sie nun ganz besonders auf die Finger schauen. 
 

«Es gehe darum, Unternehmen auszusortieren, in die man nicht investieren wolle. »

Unser Pre-Screening baut auf unserer langjährigen Arbeit mit risikobasierten Desinvestitionen auf“, sagt Tangen.

Konsequenter Ausschluss von Firmen

Es gehe darum, Unternehmen auszusortieren, in die man nicht investieren wolle. Weiter haben sich die Norweger im vergangenen Jahr von 43 bereits im Fonds vertretenen und investierten Unternehmen getrennt, weil deren Geschäftsmodelle nicht nachhaltig sind. Vor allem machten die Prüfer erhebliche Risiken in Zusammenhang mit dem Klimawandel, dem Wassermanagement und der Korrupution aus.

Seit 2012 hat sich der norwegische Staatsfonds bereits von 366 Firmen verabschiedet. Bei der Analyse achten die Spezialisten darauf, wie stark das Portfolio vom Benchmarkt abweicht. Bei umfangreichen Investitionen in eine Firma suchen sie zuerst den Dialog mit dem Unternehmen, um eine Änderung zu bewirken, bevor sie es aus dem Fonds kippen.

Neben ESG-Kriterien hat das norwegische Finanzministerium Ausschlusskriterien definiert. Beispielsweise Tabak sowie Kohle und Waffen unter genau festgelegten Bedingungen. Ein unabhängiger Rat meldet zudem ethische Übertretungen und daraus folgende Empfehlungen direkt an den Vorstand der Norges Bank.

«Das Ziel der Regierung ist es, möglichst moderat Öl zu fördern, um so lange wie nur möglich nicht abhängig von andern Ländern zu werden. »

Im vergangenen Jahr tat er das beispielsweise bei drei israelischen Firmen, die im Westjordanland nach Ansicht des Ethikrates völkerrechtswidrig gehandelt hatten.

Ein andermal betraf es die staatliche indische Öl- und Gasgesellschaft. Diese fördert auch im Südsudan Öl. Seit Jahren tobt im Land ein gewaltsamer Konflikt und die Zivilbevölkerung ist sehr schweren Misshandlungen ausgesetzt. Dabei waren die Ölressourcen ein wichtiger Treiber des Konflikts. Die indische Ölgesellschaft beteiligte sich an zwei Joint-Ventures, bei denen der südsudanesische staatliche Ölkonzern zu den Geschäftspartnern gehört.

Damit akzeptiere sie das Risiko der Beteiligung an schwerwiegenden Missbräuchen. Ein weiteres Beispiel: Honeys ist ein japanisches Unternehmen für Frauenkleider und Accessoires. Es besitzt zwei Fabriken in Myanmar. Untersuchungen vor Ort zeigten zahlreiche Verstösse gegen die Arbeitnehmerrechte.

Schluss mit Öl und Gas

Der grösste Staatsfonds der Welt ist an über 9000 Unternehmen weltweit beteiligt und verwaltet momentan ein Vermögen von 1,2 Billionen Franken. Diese Gelder sollen nach ESG-Kriterien so investiert werden, dass der Sozialstaat auch bei versiegenden Ölquellen finanziert werden kann. Doch Umweltkreisen geht das zu wenig weit. Vor der Küste Norwegens stehen riesige Bohrinseln.

«Bis 2050 will Norwegen klimaneutral sein.»

Auf über 100 Feldern werden aktuell jährlich 90 Millionen Tonnen Öl gefödert. Das ist zwar viel weniger als noch vor 20 Jahren, 2001 waren es 163 Millionen Tonnen. Das Ziel der Regierung ist es, möglichst moderat Öl zu fördern, um so lange wie nur möglich nicht abhängig von andern Ländern zu werden.

Doch Klimaaktivisten fordern, Schluss mit Öl und Gas zu machen und keine neuen Lizenzen mehr für Ölfelder zu vergeben. Greenpeace Norwegen moniert, dass die norwegische Ölindustrie die Treibhausgasemissionen seit 1990 um 80 Prozent erhöht habe.

Norwegen hat sich verpflichtet, diese bis 2030 um 50 bis 55 Prozent zu senken. Bis 2050 will das Land klimaneutral sein. Unter anderem will sie ins Milliarden-Projekt Langskip investieren: Ein Programm zur Abscheidung und unterirdischen Speicherung von CO2. So sollen die Emissionen gesenkt, neue Technologien gefördert und Arbeitsplätze geschaffen werden.

Für Klimaaktivisten ein no go: Die Endlagerung von CO2 unter der Erde bedeute für künftige Generationen ökologische und wirtschaftliche Altlasten. Sie vergleichen das mit der Lösung von Endlagern bei Atomkraftwerken. Das Öl begann Ender der 60er bei den Norwegern zu sprudeln.

Öl brachte den Wohlstand

Mit der Entdeckung des Ölbohrfeldes «Ekofisk» 1969 wurde die erste erfolgreiche Erkundungsbohrung in einem Öl- und Gasfeld in norwegischen Nordsee-Gewässern durchgeführt.

Sie löste einen nahezu beispiellosen Wirtschaftsboom aus – und Norwegen entwickelte sich zu einem der wohlhabendsten Staaten der Welt. Ekofisk ist bis heute eines der größten Ölfelder in der Nordsee.

Sein Betrieb ist über das Jahr 2028 hinaus gesichert. Direkt und indirekt sind 225 000 Menschen in der Erdölindustrie in Norwegen beschäftigt, total leben 5,4 Millionen Menschen im nördlichen Land.

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