Der Schweizer Kapitalanleger hat nach wie vor eine grosse Vorliebe für Obligationen. Insbesondere hochverzinsliche Titel mit langen Laufzeiten finden reissenden Absatz. Der Anleger vergisst allerdings meistens bei seinem Anlageentscheid, die Steuern zu berücksichtigen. Bei sämtlichen Anlagen gibt es nämlich einen Grundsatz, der nie vergessen werden darf: Bei mittleren und höheren Einkommen erreicht der Grenzsteuersatz schnell einmal 40 Prozent. Dies bedeutet, dass ein Mehreinkommen von 1000 Franken Ihre Steuerrechnung um 400 Franken erhöht. Erwirtschaften Sie somit mit Ihren Obligationenanlagen einen Durchschnittsertrag von fünf Prozent, verbleibt nach Berücksichtigung der Steuern eine Nettorendite von nur noch drei Prozent. Der steuerbare Ertrag aus den Obligationen erhöht zudem Ihr steuerbares Einkommen und schiebt Sie in eine höhere Progressionsstufe, mit dem Resultat, dass Ihr gesamtes Einkommen mit einem höheren Steuersatz taxiert wird.

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Abweichen auf ausländische Währungen

Weil der Schweizer Obligationenmarkt in der Vergangenheit meist tiefere Coupons als das Ausland bot, sind Obligationenanleihen in Fremdwährungen beliebte Alternativen zu Schweizerfrankenanlagen. Damit handeln Sie sich jedoch weitere Probleme ein. In zahlreichen Ländern unterliegen Zinszahlungen einer Quellenbesteuerung, das heisst, ähnlich wie bei der schweizerischen Verrechnungssteuer findet ein Abzug auf der Zinsausschüttung statt. Die Rückforderung beziehungsweise die steuerliche Geltendmachung dieser ausländischen Quellensteuern ist mit einigem administrativem Aufwand verbunden, der sich bei kleineren Beträgen kaum lohnt.

Das eigentliche Problem bei den Fremdwährungsobligationen liegt jedoch beim Währungsrisiko. Das Währungsrisiko ist der Preis für den höheren Zinssatz, und sehr oft macht sich dieses Risiko nicht bezahlt. Die jüngste Vergangenheit hat gezeigt, dass Obligationenanleihen generell grösseren Risiken ausgesetzt sind als gemeinhin angenommen. Die Kursschwankungen bei den Obligationen sind oft beträchtlich, vor allem dann, wenn es sich um zweit- und drittklassige ausländische Papiere handelt. Zudem kommt es immer wieder vor, dass Anleihensobligationäre bei der Sanierung einer Gesellschaft – auch in der Schweiz – den Verlust mittragen müssen. Dem geringeren Ertrag steht somit im Vergleich mit Aktienanlagen ein kaum reduziertes Risiko gegenüber.

Für Sie als Anleger ist es deshalb wichtig, Ihre Obligationenanlagen hinsichtlich Steuern und Risiko zu optimieren, wofür Ihnen verschiedene Möglichkeiten offen stehen. In einer Zeit mit steigenden Zinsen ist es interessant, niederverzinsliche Obligationen zu einem tiefen Kurs zu erstehen. Die Differenz zwischen dem Kaufpreis und dem Rückzahlungsbetrag stellt steuerfreien Kapitalgewinn dar. Achten Sie allerdings darauf, dass die Restlaufzeit nicht allzu lang ist, damit der Steuervorteil durch die tiefere Rendite nicht wieder aufgefressen wird.

Es gibt Alternativen

Von den Gewinnerwartungen her eine gute Alternative zu den reinen Obligationen sind Wandelanleihen. Mit dem Kauf der Wandelobligation erhalten Sie dabei das Recht, bei Ablauf zwischen der Rückzahlung der Obligation oder dem Bezug von Aktien zu einem bestimmten Preis zu wählen. Liegt der Ausgabepreis der Aktien unter dem aktuellen Kurswert, kann mit dem Aktienbezug ein steuerfreier Kapitalgewinn realisiert werden. Und schliesslich bietet die steuerlich privilegierte freie Vorsorge (Säule 3b) eine Vielzahl von Varianten, Obligationenerträge steuerfrei zu vereinnahmen.