«An der Grenze des Erträglichen» fand Finanzminister Ueli Maurer einst die starke Ausweitung der Bilanz der Schweizerischen Nationalbank (SNB) und gab weiter zu verlauten: «Hier möchten wir in Zukunft etwas zurückbauen.» Das wirft Fragen auf: Warum ist die gewachsene SNB-Bilanz kaum erträglich? Was ist das Problem einer grossen Notenbankbilanz? Und wer ist «wir»?

Thomas Heller ist CIO bei der Schwyzer Kantonalbank (SZKB).

Mit «wir» meinte Maurer sich, die Exekutive, und tat der SNB damit keinen Gefallen. Denn diese angedeutete Kontrolle der Regierung über die Notenbank untergräbt deren wichtigstes Kapital, die verfassungsmässige Unabhängigkeit, und damit ihre Glaubwürdigkeit.

Zufrieden zeigte sich Bundesrat Maurer damals im Sommer 2018 hingegen mit der Wechselkursentwicklung des Frankens gegenüber dem Euro. Eine Entwicklung, welche die SNB mit Interventionen am Devisenmarkt immer wieder massgeblich mit beeinflusst – und damit meist die Bilanz ausweitet.

Grösste Notenbankbilanz relativ zur Wirtschaftsleistung

Aber es stimmt, die Bilanz der SNB ist enorm gewachsen. Von CHF 127 Milliarden per Ende 2007 (vor der Finanzkrise) auf aktuell über CHF 970 Milliarden. Seit Maurers obigen Aussagen im Juni 2018 betrug der Zuwachs mehr als CHF 130 Milliarden. Die Grenze zum Unerträglichen wäre für Maurer somit wohl überschritten.

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Denn gemessen am Schweizer Bruttoinlandprodukt (BIP) stieg die SNB-Bilanz von rund 19 Prozent im Jahr 2007 auf gegen 140 Prozent des BIP in diesem Jahr an. Keine Bilanz einer anderen bedeutenden Notenbank wie beispielsweise der EZB, der Fed oder der Bank of England ist relativ zur Wirtschaftsleistung annähernd so gross, obwohl auch sie markant gewachsen sind.

Richtig ist, dass es schwierig wird, die Notenbankbilanzen marktschonend wieder zu verkleinern. Im Fall der SNB hiesse das, ohne den Franken zu stärken. Im Fall der Fed oder der EZB, ohne Marktverwerfungen auszulösen. Die Fed ist damit 2018 bereits einmal gescheitert. Es ist angesichts dessen nicht zu erwarten, dass die Währungshüter bald mit Bilanzverkürzungen beginnen wollen und können.

Nicht die Grösse ist das Problem

Die schiere absolute wie relative Grösse der Notenbankbilanzen ist im Grunde unmittelbar aber auch kein Problem. Sind und bleiben sie halt gross. Da passiert zunächst nichts. Aber sie sind ein Symptom. Problematisch ist nicht die Grösse, sondern wie es so weit gekommen ist, wofür sie stehen – Rettungsübungen, Interventionismus, Defizite, Verschuldung, Politikversagen und Marktverzerrungen.

Das Problem der (zu) grossen Notenbankbilanzen – das vorerst gar keines ist – löst sich erst, wenn es dereinst gelingt, aus dem Krisenmodus der letzten zwölf Jahre herauszukommen. Der Weg dorthin ist lang.