Covid-19 löste einen weltweiten Angebots- und Nachfrageschock aus, aber die Schwellenländer mussten unverhältnismässig früh darunter leiden. Die Spreads von Hartwährungsschuldtiteln aus Schwellenländern (EMD) haben sich gegenüber US-Staatsanleihen mehr als verdoppelt, während sich die Liquidität in Luft auflöste.

Dank der beispiellosen Unterstützung durch Zentralbanken und multilaterale Agenturen verzeichneten die Erträge eine schnelle Erholung. Doch wie sollten Anleger in einem nach wie vor schwierigen Umfeld die Beständigkeit von EMD-Emittenten beurteilen?

Im EMD-Universum sind nicht alle Emittenten gleich. Covid-19 hat die Kluft zwischen Investment-Grade-Anleihen aus Schwellenländern und Hochzinsanleihen aus Schwellenländern noch weiter vergrössert.

Aaron Grehan ist Deputy Head of Emerging Market Debt and Portfolio Manager, EM Hard Currency at AVIVA Investors.

Einige Investment-Grade-Emittenten, darunter China, verfügen über mehr Möglichkeiten für politische Interventionen und gelten deshalb als sicherer. Hochzinsanleihen-Länder hingegen haben tendenziell deutlich weniger Möglichkeiten, um ihre Wirtschaft anzukurbeln.

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Zweitens haben sie in der Regel grössere Haushaltsdefizite und höhere Fremdkapitalkosten. Drittens sind viele strukturell schwächer. Infolgedessen herrschen Bedenken hinsichtlich ihrer Schuldentragfähigkeit, und das zu einer Zeit, in der viele Länder möglicherweise mehr Schulden anhäufen müssen.

Im Gegensatz zu festverzinslichen Anleihen aus Industrieländern, in denen Investment-Grade-Anleihen und Hochzinsanleihen zwei stark voneinander abgegrenzte Märkte sind, kombinieren EMD‑Titel beides miteinander.

Gleichgewicht und Vorbereitung 

Zwar ermöglicht das den Anlegern einen leichteren Wechsel von einer defensiven zu einer offensiven Positionierung, doch die richtige Anlagen-Allokation erfordert ein ausgeprägtes Grundlagenverständnis von Bottom-Up- und Top-Down-Strategien.

Zu jeder Zeit, aber ganz besonders zum aktuellen Zeitpunkt, müssen Anleger das Gleichgewicht zwischen einer Wachstumspositionierung und der Vorbereitung auf ungünstigere Marktbedingungen finden.

Schwellenländer werden prinzipiell stärker von Faktoren ausserhalb ihrer Kontrolle beeinflusst, was die negativen Auswirkungen politischer Entscheidungen verstärken kann. Beispielsweise hat die US-Notenbank wesentlich mehr Spielraum für Lockerungsmassnahmen und Zinssenkungen zur Unterstützung der Wirtschaft als die Zentralbank der Türkei.

Lockerungsprogramme

Dennoch beginnen viele Schwellenländer, in die Fussstapfen der Fed zu treten und Lockerungsprogramme aufzulegen. Solche Massnahmen könnten EMD-Titel zwar kurzfristig unterstützen, möglicherweise haben sie aber auch unvorhergesehene negative Auswirkungen.

Ein weiterer Faktor, der Anlegern hilft, die Beständigkeit von EMD-Titeln zu beurteilen, sind die ESG‑Referenzen eines Emittenten. Governance- und Umwelt-Faktoren sind seit langem sehr wichtig.

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Der soziale Aspekt fand traditionell weniger Beachtung, aber durch Covid-19 wurde es notwendig, zu analysieren, inwieweit Nationen und Unternehmen sowohl Einzelpersonen als auch grosse Menschengruppen schützen können.

Portfolio-Absicherung

Eine Möglichkeit der Portfolio-Absicherung sind Investment-Grade-Wertpapiere. Bei den Hochzinsländern könnten sich Länder mit geringerer Verschuldung und geringerem Fremdkapitalbedarf, wie etwa die Elfenbeinküste, Paraguay und die Dominikanische Republik, als beständig erweisen.

Länder mit allem Anschein nach fehlbewerteten Risiken, wie etwa Pakistan, haben ebenfalls Potenzial. In der Vergangenheit folgte auf drastische EMD-Abschwünge eine starke Anstiegsphase.

Traditionell zieht eine Verbesserung der Marktstimmung in Bezug auf EMD-Titel Anleger an, die sich taktische Gelegenheiten erhoffen, sich jedoch zurückziehen, sobald Marktturbulenzen auftreten. Eine tragfähigere Möglichkeit ist eine strukturelle EMD-Allokation basierend auf einem dynamischen und beständigen Anlageprozess.

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