Technologie hat die Gesellschaft während der Krise am Laufen gehalten, und die Lebensgewohnheiten der Millennial-Generation – wie Home-Office, Online-Unterhaltung und das Nutzen von Essenslieferdiensten – sorgten dafür, dass sich die reale Nachfrage nach technologiefähigen Innovationen und deren Einführung massiv beschleunigt haben.

Die Generation der Babyboomer und deren Kinder waren gleichermassen gezwungen, Technologien zu nutzen und sich schnell an neue Prozesse und Plattformen zu gewöhnen, auf die sie andernfalls vielleicht nur zögernd umgestiegen wären. Mobiles Arbeiten beflügelte den Einsatz von Technologien, die die Zusammenarbeit fördern.

Luke Barrs ist Head of Fundamental Equity Client Portfolio Management EMEA bei Goldman Sachs Asset Management (GSAM).

Auch die Versorgung von Patienten stützt sich vielfach auf Telemedizin sowie internetbasiertes Lernen bekam ausserordentlichen Auftrieb, wodurch die Trends der Millennial-Generation alle Bevölkerungsgruppen erreichten. Doch obwohl die Pandemie nach wie vor präsent ist, werden sich nicht alle Trends, die durch die Krise beschleunigt wurden, zwangsläufig zu langfristigen Anlagethemen entwickeln.

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Es ist daher wichtig, dass Anleger die aktuellsten Trends genau unter die Lupe nehmen und dabei langfristig anhaltende Themen von Chancen unterscheiden, die sich wieder verflüchtigen könnten, wenn Gesellschaften und Volkswirtschaften sich erholen und neue Normen übernehmen. Anlagechancen, die mit den Lebensweisen der Millennial-Generation zusammenhängen, und die breitere demografische Bewegung hin zu Online-Aktivitäten lassen sich in drei Kategorien unterteilen.

Optimistisch über langfristig starke Anlagemöglichkeiten, die zyklischen Aufwind haben

Langfristig starke Anlagemöglichkeiten, die zyklischen Aufwind haben, können weiterhin optimistisch gesehen werden. Dazu zählen Unternehmen, die von der gestiegenen E-Commerce-Aktivität profitieren, wie etwa Einzelhändler und Anbieter digitaler Zahlungsabwicklung, sowie Anbieter in den Bereichen E-Learning und Online-Unterhaltung.

Was das Wachstumspotenzial im E-Commerce und die Aussichten für anhaltendes Wachstum und Wertschöpfung angeht, so haben zwar die meisten Menschen irgendwann schon einmal etwas über E-Commerce bestellt, die globale Durchdringung des E-Commerce liegt jedoch nach wie vor nur bei 11 Prozent. Das Potenzial für anhaltendes Wachstum ist also immens.

Natürlich unterstützt auch die Infrastruktur für E-Commerce- und E-Payment-Ökosysteme längerfristige Anlagemöglichkeiten. Cloud-Anbieter beispielsweise dürften enorm von der höheren Datennutzung profitieren, die um ein Vielfaches gestiegen ist, seit alle Bereiche unseres Lebens immer mehr miteinander verknüpft werden.

Überzeugt von Unternehmen, die zyklischen Gegenwind haben

Unternehmen, die zyklischen Gegenwind haben, aber noch von langfristigen Wachstumstrends profitieren, überzeugen weiterhin - wie etwa Unternehmen, die Restaurant-, Reise- und andere Erlebnisse bieten.

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Auch wenn uns Ausgangssperren gezwungen haben, Alternativen für sämtliche Alltagsaktivitäten zu finden, werden wir unser Leben nach der Pandemie wohl dennoch nicht wie „Sims“-Figuren vollkommen online simulieren.

Allerdings müssen wir eingestehen, dass zukünftig das Potenzial für stärkere Unterschiede bei den Verbraucherpräferenzen besteht. Manche Menschen werden beispielsweise bereit sein, in Restaurants zu essen und zu Sportveranstaltungen zu gehen, aber nicht zu fliegen, während andere vielleicht fliegen, aber nicht gewillt sind, in einer Grossstadt zu leben.

Viele Verbraucherunternehmen müssen sich neu erfinden, um unterschiedlichen Verbraucherprofilen gerecht zu werden, oder sich spezialisieren, und Anleger müssen diejenigen Unternehmen, denen dies am besten gelingt, richtig identifizieren.

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Pessimistisch gegenüber Unternehmen, die sowohl zyklisch als auch langfristig beeinträchtigt sind

Unternehmen, die sowohl zyklisch als auch langfristig beeinträchtigt sind, sind eher pessimistisch einzuschätzen. Dazu gehören vor allem traditionelle Ladengeschäfte, denen es nicht gelungen ist, eine digitale Präsenz aufzubauen. Manche von ihnen werden überleben, indem sie ein „Ladenerlebnis“ bieten.

Das sind zum Beispiel Baumärkte, in denen Kunden die Erfahrung und Kenntnisse des Verkaufspersonals schätzen, und die vom Homeoffice-Trend profitieren, der viele Kunden zu Renovierungsprojekten inspiriert hat. In einer digitalisierten Verbraucherwelt gibt es davon aber wohl nur ganz wenige.

Längerfristig rechnen wir zudem mit einer Kettenreaktion entlang der Wertschöpfungskette sowie neuen Relative-Value-Chancen – etwa in der Immobilienbranche, wo Datenzentren und E-Commerce-Lager nun attraktiver sind als Einkaufszentren und Bürogebäude in Hauptgeschäftszentren.

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Die Millennial-Generation verfügt weltweit unter allen Generationen über die stärkste Kaufkraft. Diese Bevölkerungsgruppe lässt sich in ihrem Ausgabeverhalten von ihren Werten leiten und erwartet von Unternehmen – sowie von den Produkten und Dienstleistungen, die diese Unternehmen anbieten –, dass sie diesen Ansprüchen gerecht werden.

Diese Einstellung wurde interessanterweise von einer viel breiteren Verbrauchergruppe und auch von Anlegern übernommen, obwohl man im aktuellen Klima vielleicht eher erwartet hätte, dass Anleger mehr Wert auf Renditen als auf ökologische Nachhaltigkeit legen. Wir stellen aber fest, dass Anleger mehr denn je auf Nachhaltigkeit im weitesten Sinn – ökologisch, kommerziell und sozial – achten.

Ein höheres Bewusstsein in einer breiteren Gruppe der Gesellschaft wird die Entscheidungen und das Verhalten von Verbrauchern vermutlich auch weiterhin prägen. Wir sind daher optimistisch, dass Unternehmen Teil der Lösungen für globale Herausforderungen wie Rassenungerechtigkeit, strukturelle Ungleichheit und Klimawandel sein werden.

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Grundsätzlich haben sich die Gewohnheiten der Millennial-Generation während der Krise deutlich stärker ausgebreitet. Mit zunehmender Lockerung der Lockdowns werden sich die Gleichgewichte wieder verschieben, doch die neue Beständigkeit langfristig starker Themen wird vermutlich weiter über dem Vorkrisenniveau liegen.

Zudem hat uns die Krise in unserer langfristigen Überzeugung bestärkt, dass es darauf ankommt, auf der richtigen Seite des langfristigen Wachstums zu investieren. Die Pandemie wird zwar mit einem Krieg verglichen, doch bei dieser Schlacht befinden wir uns alle auf derselben Seite.

Innovation – der rote Faden, der sich durch die langfristigen Themen zieht, die unserer Einschätzung nach „für die Zukunft aufgestellt“ sind – kann Anlegern und Volkswirtschaften dabei helfen, diesen äußert schwierigen Gegner zu bezwingen.

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