Creditworld ist ein junges Unternehmen, das seit 2016 Kreditfinanzierung für KMU anbietet. Blicken wir auf letztes Jahr – was war die wichtigste Unternehmensentwicklung?
Philipp Schneider: Wir haben ein Finanzierungsprodukt lanciert, welches ausschliesslich über unsere Plattform Kredite an Schweizer KMU vergibt. Vorwiegend institutionelle Anleger haben so insgesamt 40 Millionen Franken Kreditvolumen für kleinere Betriebe bereitgestellt.

Ist das ein Trend, dass peer-to-peer-lending zunehmend von Institutionellen Anlegern entdeckt wird?
Wir glauben ja. Die Nachfrage von Seiten der institutionellen Investoren ist in den letzten Jahren deutlich angestiegen. Zudem wurde beispielsweise die «Swiss Market Place Lending Association» gegründet. Durch die Verpflichtung der Mitglieder auf den dort festgehaltenen Code of Conduct werden die Angebote der verschiedenen Teilnehmer vergleichbarer. Das gefällt Institutionellen Anlegern.

Schneider

Philipp Schneider von Creditworld erweitert Angebotspalette um ein diversifiziertes KMU-Kredit-Portfolio.

Quelle: ZVG
Anzeige

Zurück zu Ihrem neuen Finanzierungsvehikel – was unterscheidet dieses vom zuvor bestehenden Angebot?
Anfänglich haben wir den Investoren ausschliesslich Einzelkredite angeboten. Nun kann zusätzlich direkt in eine Produktlösung investiert werden, welche nach strikten Anlagekriterien ein diversifiziertes Kreditportfolio aufbaut.

Was war die grösste Herausforderung bei der Lancierung?
Eine Herausforderung lag sicherlich darin, ein mehrheitsfähiges Produkt zu entwickeln, das bereits zu Beginn mit mehreren grösseren Investoren lanciert werden kann. Ein namhafter institutioneller Anleger, der als Ankerinvestor aufgetreten ist, hat uns jedoch bei der Entwicklung des Anlageproduktes unterstützt, indem er uns während des Aufsetzungsprozesses wertvolle Inputs zur optimalen Strukturierung gegeben hat.

Klingt anstrengend.
Der Aufwand hat sich gelohnt. Wir wollen ein Produkt anbieten, dass möglichst viele individuelle Bedürfnisse der Kunden abdeckt. Durch diese Inputs konnten wir ein sehr flexibles Vehikel entwickeln.

Wie muss man sich das vorstellen? Kommt da beispielsweise ein Handelsunternehmen und möchte einen Kredit zu Konditionen X, danach eine Industriebetrieb mit Konditionen Y und alle diese Kredite fliessen in das Anlageprodukt und über die Zeit verändert sich die Gesamtrendite je nachdem welche Kredite auslaufen oder neu aufgenommen werden?
Richtig. Das funktioniert so einfach. Selbstverständlich wird jeder einzelne Kreditantrag intensiv geprüft. Gemeinsam mit unserem Partner Euler Hermes wird dann ein Rating erstellt und die Ausfallwahrscheinlichkeit, Zinssatz etc. berechnet. Wichtig zu verstehen ist in diesem Zusammenhang, dass es strikte Auflagen gibt bezüglich der Rating-Zusammensetzung innerhalb des Anlageprodukts. Nur so wird sichergestellt, dass sich das Risikoprofil über die Zeit nicht stark verändert.

Anzeige

Wie viel Zins muss ein Kredit pro Jahr mindestens abwerfen, damit dieser in das Gefäss Eingang finden kann?
2 Prozent.

Und die angepeilte Gesamtrendite beträgt?
Rund 5 Prozent in Schweizer Franken.

Gibt es auch Auflagen bezüglich der Diversifikation nach Branchen?
Selbstverständlich. Nimmt die Nachfrage aus einer einzelnen Branche Überhand müssen wir für diese Interessenten neue Gefässe schaffen.

Wie stossen eigentlich Interessenten auf Creditworld?
Viele KMU finden uns online. Wichtig für uns sind aber auch Kooperationen mit Dienstleistern, die KMU betreuen und uns involvieren sobald sie einen Finanzierungsbedarf bei einem Kunden erkennen. Und nicht zu vergessen – Mund-zu-Mund-Propaganda.

Anzeige

Welche Seite ist eigentlich interessierter am Angebot von Creditworld – die Kreditgeber oder die -nehmer?
Typischerweise sind zu Beginn die Investoren zurückhaltender. Man kennt den Anbieter und das Angebot nicht. Mit der Zeit hat sich das geändert. Mittlerweile befindet sich der Flaschenhals eher auf Seite der kreditsuchenden KMU. Die Herausforderung bei der Entwicklung unseres Geschäftsmodells ist es aber, beide Seiten im Gleichklang zu entwickeln.

Und das gelingt? Oder anders gefragt – was hält Euch in der Nacht wach?
Aktuell liegt unser Fokus darin, noch mehr KMU auf unsere Dienstleistungen aufmerksam zu machen. Die Steigerung unseres Bekanntheitsgrades ist eine der grossen Herausforderungen für das Jahr 2019.

Ihr sitzt mitten in Zürich, Euer typischer Kreditnehmer wohl eher ausserhalb der städtischen Ballungszentren. Ist das ein Problem?
Die menschliche Komponente ist im Kreditprüfungsprozess sehr wichtig, auch das persönliche Kennenlernen – für beide Seiten. Wir glauben nicht, dass dies bei unseren Projekten mit durchschnittlich etwas grösseren Finanzierungsvolumen nur über einen Algorithmus darstellbar ist. Wir besuchen potentielle Kunden sehr gerne. Auch fernab der grossen Städte. Zürich ist dafür ein guter Ausgangspunkt.

Anzeige

Das klingt aufwendig und nicht sehr effizient.
Zeit verschwenden wollen wir nicht. Nicht nur unsere Zeit aber auch nicht die der Kunden. Wenn wir bereits zu Beginn einer Anfrage sehen, dass die Chance auf eine positive Prüfung gering ist, sprechen wir das offen an. Doch auch eine Finanzierungsanfrage, die heute nicht darstellbar ist, kann es in den kommenden 36 Monaten werden.

Wie lange dauert es typischerweise, bis eine Finanzierung zustande kommt?
Eine Anfrage konnten wir innerhalb von zwei Wochen bearbeiten. Das ist aber nicht die Regel. In diesem Fall waren alle notwendigen Unterlagen in bester Qualität vorhanden. Im Durchschnitt gehen wir von vier bis sechs Wochen aus.

Es ist meist kein gutes Zeichen, wenn ein Kreditnehmer auf eine möglichst schnelle Abwicklung pocht?
Die Abwicklungsgeschwindigkeit wird grundsätzlich über die zur Verfügung gestellten Unterlagen getrieben. Je besser der Kreditnehmer dokumentiert ist und auf allfällige Rückfragen reagieren kann, umso schneller kann der Kreditprüfungsprozess durchlaufen werden. Schlecht vorbereitete KMU, die auf eine schnelle Auszahlung pochen entsprechen meistens nicht dem gesuchten Kreditnehmerprofil.

Anzeige

Kam es bereits einmal zu einem Kreditausfall?
Bisher hat es noch keinen Ausfall gegeben. Das hat Vor- und Nachteile. Wir haben einen detaillierten Recovery-Prozess ausgearbeitet...

...der Nachteil ist, dass dieser Prozess noch nicht getestet werden konnte?
In gewisser Weise schon. Typischerweise kommt es nach zwei bis drei Jahren der Kreditlaufzeit zu Ausfällen. Wir sind jetzt seit drei Jahren aktiv und starten ins vierte Geschäftsjahr. Irgendwann wird es zu einem Ausfall kommen. Das gehört bei dieser Anlageklasse dazu. Deshalb ist es so wichtig, diversifiziert zu investieren.

Ab wie vielen Krediten ist ein Portfolio diversifiziert?
Ab rund 30 Stück.

Für wen steht Ihr Angebot eigentlich investorenseitig offen?
Hauptsächlich für institutionelle Investoren. Dieses und künftige Produkte stehen aber auch qualifizierten Privatanlegern offen.

Anzeige

Weitere Invest-Artikel auf cash.ch

Umfassende Börsendaten und tagesaktuelle Informationen zu Invest-Themen stellen wir auf unserer Seite cash.ch bereit

Weiter zu cash.ch
Placeholder