Der gute Jahresstart an den Aktienbörsen könnte Anleger zu sehr in Sicherheit wiegen. Selbst wenn die Weltwirtschaft 2019 nur etwas schwächeln und nicht abstürzen sollte, lauern viele Risiken.

Deshalb plädierten Investmentprofis auf einem Fondskongress in Mannheim dafür, bei Aktien genau hinzuschauen und auch andere Vermögensklassen wie zum Beispiel Anleihen ins Portfolio zu nehmen. Burkhard Allgeier, Investmentchef bei der Privatbank Hauck & Aufhäuser, bringt die Problematik auf den Punkt: «2019 sind von den Anlegern gewisse Turnübungen vonnöten.»

Vorsicht walten lassen

Zumindest eine gesunde Portion Vorsicht scheint mit Blick auf das abgelaufene Jahr wirklich Not zu tun: 2018 hatte es kaum einer der grossen Aktienmärkte weltweit ins Plus geschafft. Hierzulande kam es nach sechs fetten Jahren sogar zum Ausverkauf. Was die Anleger besonders umgetrieben hatte, war die Furcht vor steigenden Zinsen in den USA und eskalierenden Handelskonflikten.

Beide Entwicklungen haben das Zeug, eine globale Rezession auszulösen - doch zumindest ist es aktuell wohl noch nicht soweit: «Die deutsche Wirtschaft ist immer noch grundsolide», sagte auf dem Kongress der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, und verwies auf die vielen extrem wettbewerbsfähigen Unternehmen sowie die widerstandsfähigen Staatsfinanzen.

Allerdings könnten sich diverse politische Probleme als Belastung für die Aktienmärkte erweisen, mahnte Thomas Romig, Leiter Multi Asset des Vermögensverwalters Assenagon: So könnten populistische Kräfte wie die italienische Lega bei der Europawahl Ende Mai an Einfluss gewinnen und so die EU-Kommission personell kräftig durchwirbeln.

Richtiges Timing abwarten

Auch ein ungeregelter Ausstieg Grossbritanniens aus der Europäischen Union oder geringere Konjunkturimpulse seitens der chinesischen Regierung drohten die Anleger zu vergrätzen. Falls aber eines dieser Themen wieder von der Agenda verschwinden sollte, haben die Aktienkurse Romig zufolge Luft nach oben - zumal «viele Profi-Investoren immer noch genug Geld auf der Seite liegen haben, um zum richtigen Zeitpunkt wieder einzusteigen».

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Und im äussersten Notfall gibt es ja noch mit den grossen Notenbanken wichtige Spieler im Hintergrund, die für Beruhigung sorgen können. «Sowohl bei der Fed als auch bei der Europäischen Zentralbank stehen die Zeichen nicht mehr auf Verschärfung», sagte Martin Lück, Chef-Anlagestratege für den deutschsprachigen Raum beim weltgrössten Vermögensverwalter Blackrock.

Anfang 2018 war noch die Angst umgegangen, dass die US-Notenbank den Leitzins unerwartet deutlich anhebt und so Gelder aus dem Aktien- in den Anleihenmarkt umgeschichtet werden. Diese Gefahr scheint erst mal gebannt, so dass Lück den Börsen weltweit zutraut, besser als im abgelaufenen Jahr abzuschneiden.

Schulden gestiegen

Ein Rufer in der Wüste aber ist Jens Kummer, Senior Portfoliomanager bei der StarCapital AG. Er ist überzeugt: «Der nächste Bärenmarkt wird kommen.» Eine gewisse Furcht verbreiteten aktuell die im Vergleich zu 2008 deutlich gestiegenen Schulden in der Welt, die aufgeblähten Notenbank-Bilanzen und die gesunkene Anzahl der mit der höchsten Bonitätsnote bewerteten Länder und Unternehmen.

Aktuell meidet der PortfolioManager viele westeuropäische Aktienmärkte sowie Unternehmens- und Hochzinsanleihen, wohingegen er Chancen an den brasilianischen und russischen Börsen sowie bei Staatsanleihen sieht.

Zu einem ganz anderen Ergebnis kommt Hans-Jürgen Schäfer, Geschäftsführer der EB - Sustainable Investment Management, in welcher die Evangelische Bank ihre Aktivitäten rund um nachhaltige Investments bündelt. Schäfer berücksichtigt Kriterien wie Umweltaspekte, soziale Verantwortung sowie gute Unternehmensführung und investiert über mehrere Anlageklassen in möglichst nachhaltige Assets.

Damit fallen für ihn Staatsanleihen zum Beispiel aus den USA, aus China und aus Japan durchs Raster, weil diese Länder unter anderem alle die Todesstrafe haben. Stattdessen kauft er in diesen Staaten Unternehmensanleihen - denn auf lange Sicht entwickelten die sich im Schnitt besser als Staatspapiere.

(awp/tdr)