Aktien verhalten sich stets so, wie wir es am wenigsten erwarten und wie es rückblickend – basierend auf wirtschaftlichen, politischen und Stimmungsfaktoren – überraschend rational war. Auch wenn ich die Prognose für jeweils nur ein Jahr erstelle, erwartet niemand derzeit zwei oder drei weitere gute Wachstumsjahre – sie sind damit das Wahrscheinlichste. Bevor Sie dies zurückweisen, lassen Sie es mich erklären.

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Zunächst meine Prognose für 2022: Ein bis zum Sommer oftmals ängstlicher globaler Aktienmarkt mit Seitwärtsbewegungen, auf den ein sehr starker Markt im Herbst und Winter folgt, der per Saldo 2022 für zweistellige Zuwächse sorgt.

Ken Fisher ist Gründer und Executive Chairman von Fisher Investments, einer Vermögensverwaltungsfirma mit Niederlassungen in sechs Ländern, die rund 188 Milliarden Dollar verwaltet. Fisher zählt zu den einflussreichsten (und auch reichsten) Investment-Managern der USA.

Anfang des Jahres 2021 sagte ich Ihnen, dass das Jahr 2021 für die globalen Aktien sehr gut aussieht – angetrieben durch den politischen Zyklus in den Vereinigten Staaten, der ein wichtiger globaler Markttreiber ist. Seit 1925 gingen in etwa der Hälfte der Amtseinführungsjahre eines neuen US-Präsidenten die Aktien zurück.

Und in der anderen Hälfte der Jahre? In der Regel steil nach oben. So war es 2021, als der SPI um 18,9 Prozent und die weltweiten Aktien bis 14. Dezember um 23,6 Prozent stiegen. Die Märkte blickten über die Schauergeschichten – von den politischen Turbulenzen und Impfstoffverzögerungen anfangs 2021 bis zur anhaltenden globalen Inflation – hinaus und begrüssten eine Normalisierung der Wirtschaftslage und geringe legislative Risiken.

Auch im zweiten Jahr einer Präsidentschaft haben die Aktien historisch fast die Hälfte der Zeit ähnlich geschwächelt.

Wenn sie sich jedoch positiv entwickelten, dann im Schnitt mit plus 21 Prozent in USD, sodass sie die globalen Aktien mitzogen. Diese historische Zweiteilung macht Prognosen für zweite Amtsjahre riskant – wenn man falsch liegt, dann richtig. Die Prognosen gehen nun von einem leichten Rückgang oder Anstieg der Aktien aus. Aber die Aktien machen, was nur wenige begreifen. Covid-19, Inflation, Energiepreisängste und weitere Sorgen eliminierten den übermässigen Optimismus von Anfang 2021 und verlängerten den weltweiten Bullenmarkt.

Häufig schlängeln sich in den zweiten Amtsjahren von US-Präsidenten die Aktien in Seitwärtsbewegungen durch die ersten Monate.

Nach einer Umfrage der Bank of America unter Fondsmanagern sind die BIP-Wachstumserwartungen nach ihrem Anfangsoptimismus eingebrochen. Ganz ähnlich verlief die Seco-Revision der schweizerischen BIP-Wachstumsprognosen für das Gesamtjahr 2021 im September. Die Schätzungen weisen zwar immer noch nach oben, liegen aber unter der Prognose von Juni.

Für 2022 erwartet das SECO eine weitere Abschwächung. Die zunehmende Angst führt dazu, dass alle nach weiteren Ängsten suchen – wie Angst vor Omikron, der Inflation, einem steigenden Franken und so fort.

Problem US-Zwischenwahlen

Diese Suche wird bis ins Jahr 2022 andauern und für ein holpriges erstes Halbjahr sorgen. Unterdessen wird das politische Getöse in den Vereinigten Staaten normalerweise mit den anstehenden Zwischenwahlen lauter. Die aufgrund der einmal im Jahrzehnt durchgeführten Volkszählung neu festgelegten Wahlbezirke werden für weiteres Feuer sorgen.

Aber eine unruhige erste Jahreshälfte ist für Zwischenwahljahre kennzeichnend. Häufig schlängeln sich in den zweiten Amtsjahren von US-Präsidenten die Aktien in Seitwärtsbewegungen durch das erste Halbjahr.

Mit den schwindenden Inflationsängsten dürfte sich der rasche Anstieg des Franken gegenüber dem Euro stabilisieren.

Dieses Verhalten deckt sich mit dem, was die Prognostiker aktuell erwarten – und gibt ihnen zu viel Sicherheit. Denn dann kehrt sich die Lage um. In 83 Prozent der vierten Quartale eines zweiten Amtsjahres stiegen die Aktien, da sie das Ergebnis der Zwischenwahlen – ein massiver politischer Stillstand – eingepreist haben. Die Partei des Präsidenten verliert regelmässig an Einfluss, was zu einer relativen Ruhe in der Regierungstätigkeit führt.

Aktien lieben diese durch Stillstand hervorgerufene ruhige und friedliche Lage. Erwarten Sie ein grossartiges Jahr 2022.

Der Vorsprung der Demokraten im Kongress liegt derzeit bei fast null. Im November werden die Republikaner die Kontrolle übernehmen und damit die gesetzgeberische Macht von Präsident Biden beenden. Bis zum Herbst werden die heutigen Ängste im Sande verlaufen sein. Die weltweite Inflation wird sich abschwächen, da die Einschränkungen durch Lieferengpässe und Arbeitskräftemangel nachlassen.

In späten Bullenmärkten glänzen die grossen Wachstumsunternehmen, sodass grosse Schweizer Gesundheitsunternehmen herausragen dürften.

Für die meisten Beobachter überraschend, dürften die lang- und kurzfristigen Zinsen weiterhin günstig bleiben, obwohl die EZB und die US-Notenbank ihre jeweiligen Anleihekäufe zurückfahren – was von den Märkten bereits eingepreist wurde. Darüber hinaus dürfte sich mit den schwindenden Inflationsängsten der rasche Anstieg des Franken gegenüber dem Euro stabilisieren.

Nicht, dass die Schwankungen des Franken grosse Bedeutung für Aktien haben: Wie ich im vergangenen Januar schrieb, haben Währungsschwankungen kaum Auswirkungen auf moderne, globalisierte Unternehmen. Doch ein stabiler Franken kann Ängste nehmen. Und Omikron? Hochansteckend, aber milder – und zukünftige Varianten wohl noch viel mehr. Wir werden 2022 lernen, mit Corona so zu leben wie mit der Grippe. Wie Sie wissen, hat die Schweiz bereits mit der Lockerung von Reisebeschränkungen begonnen.

Wenn die Sorgen nachlassen und den Anlegern die Klarheit der US-Wahlen dämmert, werden die Aktien den Stillstand mit einem zweistelligen Wachstumsendspurt einpreisen, der auf das Gesamtjahr 2022 gesehen für hohe Renditen sorgt. Ein politisch-ideologischer Bestätigungsfehler veranlasst alle dazu, nicht daran zu glauben, dass es geschieht – also geschieht es regelmässig.

Anlageerfolg baut darauf, das Unergründliche zu erfassen.

Ken Fisher

Der Stillstand dampft weiter in ein grosses Jahr 2023 – und möglicherweise 2024. In 92 Prozent aller dritten Amtsjahre von Präsidenten haben US-Aktien zugelegt, seit 1939 sind sie gar nicht mehr gefallen (und selbst damals war es nur ein Minus von 0,9 Prozent). Und die vierten Jahre? 83 Prozent verliefen positiv, mit durchschnittlichen Renditen von 11 Prozent.

All dies hat einen weltweiten Nachhall. Der SPI weist eine historische Korrelation von 0,75 mit dem amerikanischen S&P 500 auf. Sie ist also hoch, da 1,00 eine gleichlaufende Bewegung und –1,00 den polaren Gegensatz anzeigt. In der benachbarten Eurozone liegt die Korrelation bei 0,82. Anfang 2023 löst die Erkenntnis, dass der Bullenmarkt noch Jahre anhalten könnte, vermutlich einen «Nichts-verpassen»-Kaufrausch aus und damit einen euphorischen Sprint in das Jahr 2024. Das verheisst Gutes für den SPI.

In späten Bullenmärkten glänzen die grossen Wachstumsunternehmen, sodass grosse Schweizer Gesundheitsunternehmen herausragen dürften. Auch Ihre Luxusnamen dürften kräftig zulegen – sie machen jedoch weniger als 5 Prozent Ihres Marktes aus. Fügen Sie also zur Verbesserung Ihrer Chancen noch grosse französische Luxusunternehmen hinzu.

Nehmen Sie ausserdem amerikanische Technologie- und technologieähnliche Giganten ins Visier sowie eine Diversifizierung im Bereich Healthcare in Dänemark und Grossbritannien – denken Sie an Pharma und Biotechnologie. Anlageerfolg baut darauf, das Unergründliche zu erfassen.

Im Jahr 2022 bedeutet dies zu erkennen, dass dieser Bullenmarkt noch Spielraum hat – bevor es die anderen tun.