Der Goldpreis ist erstmals in seiner Geschichte über die Marke von 2000 Dollar je Feinunze (31 Gramm) gestiegen. Das Edelmetall kostete am Dienstag mit 2000,11 Dollar 1,2 Prozent mehr als am Vortag. Der Goldpreis hat damit in dieem Jahr mehr als 30 Prozent zugelegt.

Experten führten den Kursaufschlag auf Fortschritte in den Verhandlungen zwischen den demokratischen Abgeordneten und der US-Regierung über ein weiteres Corona-Hilfspaket zurück. Der Markt profitiere davon, dass es wohl zusätzliche Hilfen gebe. Dies würde für noch mehr Liquidität an den Märkten sorgen und so auch die Nachfrage nach Gold antreiben.

Ausserdem machten die Spannungen zwischen den USA und China sichere Häfen attraktiver, sagte David Meger, Chefhändler bei High Ridge Futures. Seit Jahresauftakt hat sich Gold fast um ein Drittel verteuert.

«Gefahr von grösseren Korrekturbewegungen»

«Die Motivation, Liquidität in Gold zu schieben, bleibt für Anleger hoch. Unterstützung hierfür kommt weiter aus dem Umfeld mit niedrigen oder negativen Zinsen», sagte Hans-Günter Ritter, Leiter des Edelmetallhandels bei Heraus. «Nach dem ungewöhnlich starken Anstieg steigt allerdings die Gefahr von grösseren Korrekturbewegungen.»

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Mittelfristig gehen Experten aber von weiter steigenden Goldnotierungen aus. Banken wie beispielsweise Goldman Sachs prognostizieren einen Anstieg auf 2'300 Dollar.

Bereits am 27. Juli hatte der Goldpreis seinen alten Höchststand von 1921 Dollar übersprungen. Erreicht wurde er im Spätsommer 2011, als an den Finanzmärkten die Euro-Krise tobte. In den Folgejahren stürzte der Goldpreis dann aber bis auf ein Niveau von knapp über 1000 Dollar ab.

Ein solcher Absturz ist heute wenig wahrscheinlich, wie der auf Metalle spezialisierte Fondsmanager James Luke und Schroders-Rohstoffchef Mark Lacey argumentieren. Klar sei der Anteil von Goldbarren in den Portfolios oder auch die Nachfrage nach entsprechenden Exchange Traded Funds (ETF) höher als vor neun Jahren. Wegen der gestiegenen Preise anderer Vermögensklassen in den letzten Jahren ist der relative Wert von Gold in den letzten Jahren in den Portfolios allerdings gesunken, was nachfragestützend wirkt.

«In einer Ära von wahrlich gigantischer Liquiditätsschaffung und hochgradig gestiegenen Bewertungen von Vermögenswerten kommt es drauf an, wie gross diese Goldbestände relativ gesehen sind», schreiben Luke und Lacey in einem Kommentar. So ist Gold-Anteil bei allen ETF weltweit laut Schroders heute viel tiefer: 2011 waren es etwa 10 Prozent, aktuell sind es 2,5 Prozent.

Zudem sei der Hype um Gold heute weniger gross als damals, und der Preisanstieg 2020 sei zudem langsamer als 2011. 

ETF-Gold kann man bei der Bank als «richtiges» Gold beziehen - allerdings mit Einschränkungen

Wer in Gold-ETF investiert, kann sich das Edelmetall auch physisch auszahlen lassen. Damit werben viele Banken. Doch nicht immer ist dies so einfach. Mehr dazu bei «Cash» hier.

(cash/awp/gku/dhü)