Der Chef-Investor für mehrere dieser «Structured Alpha»-Fonds, Greg Tournant, und zwei seiner Fondsmanager hätten die Anleger über Jahre hinweg getäuscht, indem sie die darin steckenden Risiken mit gefälschten Zahlen untertrieben hätten, erklärte das US-Justizministerium am Dienstag.

Die Allianz büsst mit rund sechs Milliarden Dollar an Entschädigungen und Strafen dafür, dass ihre US-Vermögensverwaltungs-Tochter AllianzGI US, die sich schuldig bekannte, den Managern nicht genügend auf die Finger geschaut hatte. Die Summe sei aber durch die 5,6 Milliarden Euro schweren Rückstellungen vollständig abgedeckt, erklärte der Münchner Versicherungskonzern. AllianzGI US muss sich zudem für zehn Jahre aus dem Geschäft mit US-Fonds zurückziehen.

Partner-Inhalte
 
 
 
 
 
 

Grosse Anleger - darunter viele Pensionsfonds aus den USA - hatten mit den Hedgefonds insgesamt 7 Milliarden Dollar verloren, als die Kapitalmärkte im Frühjahr 2020 zu Beginn der Corona-Krise in die Knie gingen. Die Fonds im Volumen von 11 Milliarden Dollar mussten abgewickelt werden. 

Die Investoren hatten bisher gedacht, dass die Fondsmanager damals angesichts des Absturzes am Markt kalte Füsse bekommen hatten. Doch nun werfen die US-Behörden ihnen vor, die Anleger mindestens seit 2014 bewusst getäuscht zu haben. Sie hätten in den Hedgefonds weit weniger Sicherheitsnetze gespannt, die die Anleger vor Verlusten schützen sollten, als behauptet. Mehr als zwei Dutzend Anleger hatten AllianzGI US verklagt.

«Massiver Betrugsplan»

Die US-Börsenaufsicht SEC sprach von einem «massiven Betrugsplan». Sie hat sich zuletzt den Schutz grosser Investoren vor zu riskanten und komplexen Finanzprodukten auf die Fahnen geschrieben. «Dieser Fall zeigt einmal mehr, dass selbst die klügsten professionellen Investoren, wie Pensionsfonds, Opfer von solchem Fehlverhalten werden können", sagte SEC-Chef Gary Gensler.

Allianz-Chef Oliver Bäte hatte das Debakel im August 2020 eingeräumt und auf eine schnelle Beilegung gedrängt, nachdem der Versicherer die Vorwürfe bis dahin stets zurückgewiesen hatte. Das Geschäft mit strukturierten Produkten, zu dem die Hedgefonds gehören, wurde bereits abgewickelt.

Jetzt muss AllianzGI auch den Rest des US-Geschäfts mit einem verwalteten Vermögen von 120 Milliarden Dollar aufgeben - immerhin ein Viertel ihrer weltweit für Dritte gemanagten Anlagen. Um eine zehnjährige Sperre durch die US-Wertpapieraufsicht SEC zu umgehen, gibt die Allianz das US-Geschäft an die New Yorker Voya Financial ab, eine frühere Tochter der niederländischen Bank ING. Mit dem weit grösseren Vermögensverwalter Pimco sowie Allianz Life bleibt der Versicherungskonzern aber in den USA vertreten.

Greg Tournant, den die Allianz Ende 2021 entlassen hatte, stellte sich in Denver im US-Bundesstaat Colorado den Behörden, wie ein Sprecher des Ministeriums sagte. Zuletzt lebte er in Florida. Er wird der Verschwörung, des Wertpapier- und Anlagebetrugs und der Behinderung der Justiz beschuldigt. Die beiden weiteren Fondsmanager hätten Teilgeständnisse abgelegt, erklärte die SEC. Auch von ihnen hatte sich die Allianz Ende 2021 getrennt. Anwälte der Beschuldigten lehnten einen Kommentar ab.

Für den Franzosen Tournant, der auch US-Staatsbürger ist, waren die «Structured Alpha»-Fonds ebenso lukrativ wie für die Allianz. Von 2015 bis 2019 war er laut dem US-Justizministerium der best- oder zweitbestbezahlte Mitarbeiter von AllianzGI in den USA. 2019 kassierte er allein 13 Millionen Dollar. Die 17 «Structured Alpha-»Fonds brachten dem Vermögensverwalter 550 Millionen Dollar an Gebühren ein.

AllianzGI hatte die Hedgefonds als sichere Anlagen verkauft, die Fondsmanager erklärten den Investoren - darunter Pensionsfonds für Lehrer, Geistliche und Busfahrer - stets, sie hätten ein ausgeklügeltes, extern überwachtes Risikomanagement, das Verluste in Krisen abpuffere. Doch nach den Erkenntnissen der Ermittler fälschten Tournant und seine Leute die Zahlen, die sie den Investoren vorlegten: So hätten sie an einer Stelle aus einem tatsächlichen Verlustrisiko von 42,1505 Prozent eines von 4,1505 Prozent gemacht, indem sie einfach eine Ziffer löschten, erklärte die SEC. Die Absicherungspositionen hätten sie anders als versprochen nicht gekauft, um mehr Rendite zu liefern. Sie hätten sich auf verlassenen Baustellen getroffen und darüber gesprochen, wie sie ihr Geld im Ausland in Sicherheit bringen könnten.

Allianz bleibt ein Schaden von knapp 5,8 Milliarden Dollar

Die US-Dependance von Allianz Global Investors bekannte sich schuldig, betonte aber, nur einige wenige Mitarbeiter hätten die Betrügereien mitbekommen. Die Rechnung, die das Ministerium und die SEC dafür aufmachen, ist hoch: 2,33 Milliarden Dollar als Strafe, Entschädigungen der Anleger von 3,24 Milliarden Dollar für ihren verlorenen Einsatz und die Einziehung von brutto 672 Millionen Dollar zugunsten der Staatskasse, dazu 350 Millionen Dollar Gewinnabschöpfung und eine Strafe von 675 Millionen Dollar an die SEC. Die Beträge werden aber zum Grossteil mit den bereits gezahlten Entschädigungen von 5,05 Milliarden Dollar verrechnet. Unter dem Strich bleibt der Allianz ein Schaden von knapp 5,8 Milliarden Dollar. (reuters/hzi/mig)