Im aktuellen schwierigen Kapitalmarktumfeld kommt der systematischen Abstimmung von Assets und Liabilities besondere Bedeutung zu. Risiken stark steigender Zinsen und einer Inflationszunahme wirken sich gerade bei der Personenversicherung stark auf die Marktwerte der Assets und Liabilities aus. Theoretisch ist eine Eliminierung dieser Zinsänderungsrisiken möglich. Die Technik hierzu wird in einem ersten Schritt im Kompaktseminar «Asset Liability Management für Lebensversicherungen und Pensionskassen» des Instituts für Versicherungswirtschaft, Universität St. Gallen vorgestellt.

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Die praktische Umsetzung ist jedoch deutlich komplexer und wird im zweiten Schritt diskutiert: Die völlige Vermeidung von Zinsänderungsrisiken bedeutet auch eine Eliminierung des Chancenpotentials fallender oder steigender Zinsen und sollte mit den Eigenkapitalkosten zur Schliessung des Duration-Gaps verglichen werden. Des Weiteren ist die Verfügbarkeit von sicheren Obligationen mit sehr langen Laufzeiten, die in Schweizer Franken notieren und für die Reduzierung des Duration-Gaps benötigt werden, eingeschränkt. Alternative Strategien unter Berücksichtigung von Wechselkursrisken, -absicherungskosten und Kosten der Portfolioumschichtung im Zeitablauf stehen damit gleichfalls im Fokus des Seminars.

Investmentgarantien waren lange Zeit ein wichtiger Bestandteil des Sparprozesses in Lebensversicherungsverträgen. Solche Garantien sind aber gerade in volatilen Kapitalmärkten und bei niedrigen Zinsen – also Gegebenheiten, wie wir sie seit einiger Zeit auf den Kapitalmärkten beobachten – für den Kunden sehr teuer. Spürbar wird dies für den Versicherungsnehmer vor allem in einem deutlich reduzierten erwartenden Endvermögen im Vergleich zu Anlageformen mit gleichem Risikoprofil und ohne Investmentgarantie. 

Zwischenzeitich gibt es eine Vielzahl interessanter Alternativen zu Garantien – zum Beispiel via volatilitätsbegrenzende Anlagestrategien –, die guten «Downside»-Schutz für den Kunden liefern, zugleich aber sehr geringe Absicherungslosten verursachen und damit ein grosses Chancenpotenzial bieten. Im Seminar werden unterschiedliche Formen von Garantien mit ihren dazugehörigen Kosten vor und vergleichen sie mit innovativen Lösungen über eine aktive Steuerung des Risiko- / Rendite-Profils vorgestellt. Dabei zeigen die Referenten wichtige Vor- und Nachteile aus Anbieter- und Kundensicht auf, die mit den verschiedenen Produktkonzepten einhergehen. 

Zudem wird anhand von Hochrechnungen verdeutlicht, dass viele Anlagestrategien in Altersvorsorgeprodukten vor dem Hintergrund langer Sparzeiträumen und regelmässigen Einzahlungen zu konservativ sind. Das bedeutet: Das Chancenpotenzial ist selbst aus der Perspektive sehr risikoscheuer Kunden zu gering. Im Umkehrschluss wird für unterschiedliche Kundengruppen gezeigt, wie Anlagestrategien idealerweise mit Absicherungstechniken verbunden werden können, die geeignet sind, den Kundennutzen substanziell zu steigern.

Zielsetzung des Kompaktseminar «Asset Liability Management für Lebensversicherungen und Pensionskassen» ist es nicht nur, Modelle vorzustellen und auf ihre Praxistauglichkeit zu analysieren, sondern auch Hinweise und Beispiele zu geben, wie eine technische Implementierung erfolgen sollte. Vorgestellt werden darüber hinaus die notwendigen Datenanforderungen vor und diskutieren Vor- und Nachteile der Modellansätze in separaten Workshops. 

Das Seminar findet vom 23. bis 25 Mail 2022 statt. Es richtet sich explizit sowohl an Personen mit mehrjähriger Berufserfahrung als auch an Neueinsteiger, die eine Laufbahn im Bereich des Asset Liability Management (ALM) anstreben.