Die Digitalisierung verändert unser Leben grundlegend – von der Art und Weise, wie wir kommunizieren, interagieren und arbeiten, bis hin zu unserer Freizeitgestaltung und Mobilität. Zu den Branchen, die besonders stark von dieser Transformation betroffen sind, gehört auch die datengetriebene Versicherungsindustrie.

Die fortschreitende Technologisierung bietet den Versicherungsunternehmen nicht nur die Möglichkeit, die Kundinnen und Kunden über verschiedene Kanäle zu erreichen, sondern liefert auch neue Selektionskriterien und innovative Wege des Schadenmanagements. Im Automobilbereich kommen durch den Einsatz von Trackern, Sensoren und Apps immer mehr individualisierte Versicherungsangebote auf den Markt. Wesentliches Merkmal dieser Angebote ist, dass risikoindividuelle Daten die Grundlage für die Prämiengestaltung und die Dienstleistungen bilden. Diese Individualisierung ist bereits seit einigen Jahren zu beobachten, und sie hat durch neue Technologien wie künstliche Intelligenz neue Impulse erhalten.

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Über den Autor

Stephan M. Wirz ist Mitglied der Geschäftsleitung der Maklerzentrum Schweiz AG
 

Von pauschaler zu individueller Risikobewertung

Jahrzehntelang basierten die Motorfahrzeugprämien auf Faktoren wie Geschlecht, Alter, der Dauer des Führerscheinbesitzes, Fahrzeugtyp, Motorleistung und Nationalität. Die Kunden verlangen jedoch zunehmend eine möglichst niedrige Prämie für ihre Risikosituation. Die digitale Transformation und die Forderung nach faireren Bewertungsmodellen führen zu Versicherungstarifen, die auf dem tatsächlichen Fahrverhalten basieren: Pay-as-you-drive (PAYD) und Pay-how-you-drive (PHYD) sind Konzepte, die zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Bei Pay-as-you-drive wird die Versicherungsprämie auf der Basis der gefahrenen Kilometer berechnet. Je weniger ein Versicherungsnehmer fährt, desto geringer ist das Unfallrisiko und somit die Prämie. Dieses Modell begünstigt Personen, die ihr Fahrzeug selten nutzen und fördert gleichzeitig ein umweltfreundlicheres Verhalten durch die Reduzierung der Fahrleistung. GPS-Technologie und On-Board-Diagnosegeräte (OBD) ermöglichen es den Versicherern, die gefahrenen Kilometer genau zu erfassen und die Prämien entsprechend anzupassen.

Bei Pay-how-you-drive-Modellen wird die Fahrqualität berücksichtigt. Faktoren wie Geschwindigkeitsübertretungen, abruptes Bremsen oder riskantes Kurvenverhalten werden erfasst und fliessen in die Prämienberechnung ein. Möglich macht dies modernste Telematik-Technologie, die das Fahrverhalten in Echtzeit überwacht und analysiert. Wer umsichtig und vorausschauend fährt, profitiert von niedrigeren Versicherungskosten.

GPS-Überwachung und Telematik-Apps

Diese Modelle signalisieren eine Abkehr von der traditionellen, pauschalen Risikobewertung hin zu einem individuelleren und gerechteren Ansatz. Sie berücksichtigen, dass nicht alle Fahrer innerhalb einer Alters- oder Erfahrungsgruppe das gleiche Risiko darstellen. Dies könnte vor allem jüngeren Fahrern, die aufgrund des statistisch hohen Schadensaufkommens oft hohe Prämien bezahlen, zugutekommen – vorausgesetzt, sie fahren sicher und verantwortungsbewusst.

PAYD- und PHYD-Modelle, bei denen die Prämien tatsächlich die individuellen Risiken spiegeln, sind noch nicht die Norm. Sie werden einerseits von Nischenanbietern (Insurtechs) und andererseits von einigen traditionellen Versicherern als Zusatzangebot zur Motorfahrzeug-, Kasko- und Haftpflichtversicherung angeboten. Solche Telematik-Versicherungen richten sich zumeist an Junglenker im Alter von 17 bis unter 30 Jahren. Die Daten werden per App oder Crash Recorder erhoben. In Zukunft dürften sich diese Modelle jedoch auf breiterer Basis durchsetzen und durch direkte finanzielle Anreize für vorsichtiges Fahren zu einer sichereren Verkehrsumgebung beitragen.

Die Einführung von PAYD- und PHYD-Tarifen ist jedoch auch mit Herausforderungen verbunden. Datenschutzbedenken sind ein zentrales Thema, da die Versicherungsunternehmen Zugang zu detaillierten Informationen über das Fahrverhalten ihrer Kunden haben. Darüber hinaus müssen rechtliche Fragen geklärt werden, um den Schutz der Verbraucherdaten zu gewährleisten.

Auf traditionelle Weise Prämien sparen

Wer Prämien sparen will, hat aber schon heute verschiedene andere Möglichkeiten. Ein höherer Selbstbehalt, das Abstellen des Fahrzeugs in der Garage sowie Reparaturen in Vertragsgaragen wirken prämienmindernd. Viele Versicherer bieten Prämiensparmodelle an, z.B. für Personen, die nur wenige Kilometer pro Jahr fahren. Oft ist es auch günstiger, die Prämie einmal im Jahr statt in Raten zu zahlen und mehrjährige Verträge abzuschliessen. Nicht zuletzt sollte auch die Autoversicherung regelmässig überprüft und gegebenenfalls Vergleichsangebote anderer Versicherer eingeholt werden.

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