Herr Lory, vor knapp zehn Jahren sprachen wir schon mal über den elektronischen Datenaustausch zwischen Versicherern und Brokern. Damals standen noch sehr viele Hürden vor einer weit entfernten Ziellinie. Wo stehen wir heute?
Ehrlich gesagt, operativ noch nicht viel weiter als vor zehn Jahren. Die Angebote der Versicherer haben zwar stetig zugenommen, daraus resultiert aber nicht automatisch ein Nutzen für den Broker. Er ist auf technische Unterstützung angewiesen, um die zum Teil heterogenen Informationen zu sammeln und für seine Wertschöpfung zu konsolidieren. Aus eigener Kraft schafft der Broker das oft nicht und verharrt daher in seinen bestehenden Abläufen mit E-Mail und Papier. 

Interviewpartner

  • Christian Lory ist VRP der Five Informatik AG, einem 1988 gegründeten, unabhängigen IT-Unternehmen, und Produktmanager im Bereich Insurance.

Als wir das letzte Mal sprachen, war die Rede von einem Durchbruch dank der Plattform der IG B2B. Was ist aus ihr geworden?
Das Brokerportal der IG B2B ist bis heute ein grosser Wurf und erleichtert dem Broker täglich die Kommunikation mit seinen Versicherern. Das laufende Projekt «Eco-Hub» tönt sehr vielversprechend und ambitioniert. Die Stossrichtung, weg von proprietären Alleskönner-Lösungen hin zu offenen Systemen und allgemein zugänglicher Businesslogik als Services, ist nicht umsonst in der gesamten IT-Branche ein anhaltender Trend.

Allzu viel hat sich aufseiten der Versicherer nicht verbessert, diese sind noch immer an ihre alten Kernapplikationen gebunden, oder? 
Stimmt, aber das ist kein Hindernis, diese zu öffnen und für durchgängige Verarbeitungen zugänglich zu machen. Diese Tendenz ist bei einigen Versicherern spürbar, und das finde ich sehr positiv. Wünschenswert wäre, dass sich die Versicherer hierbei nicht zu sehr auf Funktionalitäten rund um den Verkauf konzentrieren. Ihr Ranking bei den Brokern würde sicher auch steigen, wenn die ganze Administration automatisiert werden könnte. Damit stossen wir mit One Broker bei den Versicherern aktuell zwar durchaus auf Interesse, aber noch fehlt ihnen in diesem Bereich der Handlungsspielraum. 

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Damals sprachen Sie auch davon, dass nach B2B das M2M wünschenswert wäre, also die Datenverarbeitung miteinzubeziehen. Wie denken Sie heute über Ihre These von 2010?
Diese Entwicklung ist aktuell durchaus im Gange. Wer sich heute auf die reine Datenverwaltung konzentriert, hat wenig zu bieten. Die meisten Softwarehersteller reichern daher ihre bestehenden Lösungen mit Schnittstellen an, um attraktiv zu bleiben. Andere konzentrieren sich auf die prozessorientierte und durchgängige Nutzung der Daten mit neuen Lösungen. Hier sehe ich nach wie vor ein grosses Potenzial zum Generieren von Mehrwert.

Damals vermuteten Sie einen Trend weg von der individualisierten Software hin zur Standardsoftware im Baukastenprinzip. Damit lagen Sie ziemlich gut, oder?
Man braucht kein Hellseher zu sein, um ein Prinzip, das in der physischen Produktion schon seit Henry Ford funktioniert, auch auf die Softwareentwicklung anzuwenden. Wichtiger ist, dass die Community insgesamt von den Lösungen profitiert. Entsprechend stelle ich fest, dass sich die Softwareentwicklung kontinuierlich verschiebt, weg vom Ingenieurswesen hin zur Integration.

Was sind die aktuellen Trends, was steht ganz oben auf der Agenda?
Alles soll möglichst einfach, durchgängig, skalierbar sein. Es geht also nicht darum, das technisch Machbare zu realisieren, sondern ganz pragmatisch darum, die Probleme der Branche ganzheitlich zu lösen. Nicht umsonst haben wir mit der automatisierten Prämienrechnungskontrolle am letzten Broker-Convent den Innovationspreis gewonnen. Damit werden Effizienz und Zufriedenheit gesteigert und so entstehen Branchenstandards.