Die Schweizer Versicherungsbranche ist ganz gut durch die Pandemie gekommen. Dank der Flexibilität der Mitarbeitenden und der IT konnte das Tagesgeschäft ohne grössere Geräusche weiterlaufen, verschont von massiven Lockdowns, wie ihn einzelne Branchen erlebten und teilweise noch erleben. Die Gesellschaften konnten mittels Kulanzzahlungen in der ersten Welle unter Beweis stellen, wie ernst sie nachhaltige Kundenbeziehungen nehmen – und wurden mit Treue belohnt. Die internen Efforts zur Stabilisierung des Generalagenturvertriebs zeigten ebenfalls Wirkung.

Autor:
Marcus Selzer ist Geschäftsführer der Golden Sail Consulting GmbH
Er entwickelt mit Unternehmen verschiedenster Branchen deren Zweck und Werte, damit sie fit für ihre Kundenakquise der 2020er Jahre sind.

Einem Thema wird sich jedoch auch die Versicherungsbranche nicht verschliessen können. Dem Ruf nach Sinn – zu Neudeutsch «Purpose». Vielfältige Massnahmen haben im letzten Jahr unsere liebgewonnenen Gewohnheiten auf den Kopf gestellt. Diese neue Flexibilität hat vielen die Augen geöffnet und sie zum Hinterfragen angeregt. Ich spreche nicht vom Hinterfragen der Sinnhaftigkeit aktueller politischer und gesellschaftlicher Massnahmen. Vielmehr spreche ich von der ganz persönlichen Sinnfrage. 

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Was tue ich hier eigentlich und vor allem – warum?

In einer aktuellen Studie von Deloitte gaben über 70 Prozent der Befragten an, zu Hause effizienter oder genauso effizient arbeiten zu können wie im Büro. Wenn Sie diese Personen wieder zurückholen möchten, braucht es mehr als farbenfrohe Arbeitsoasen. Es braucht eine Arbeitskultur, die Werte und den Purpose Ihrer Mitarbeitenden anspricht. Jene Firmen, die sich schon vor Corona über Purpose und Werte positioniert haben, sind klar im Vorsprung. Man könnte sagen, sie segeln mit ihren intrinsisch motivierten Mitarbeitenden ihren Mitbewerbern davon. 

Ein Beispiel für die Wirkung von Sinn

Erinnern Sie sich doch mal an die letzte Situation, als Ihnen Ihr Chef dieses Projekt aufgedrückt hat, das für Sie absolut keinen Sinn ergab? Wie die meisten von uns haben auch Sie nicht den Mut aufgebracht, eine andere Person dafür vorzuschlagen. Obwohl Sie eine Person kannten, die daran Freude gehabt hätte. Mal ehrlich, wie hoch war Ihre Motivation, die Extrameile zu gehen? Jetzt stellen Sie sich mal vor, das wäre nicht nur ein Projekt, sondern Ihr alltäglicher Job. Aller Selbstdisziplin, Durchhalteparolen und monetären Anreize zum Trotz, mit jeder Herausforderung, die ein Projekt nun mal mit sich bringt, sinkt die Stimmung und der Stresspegel steigt. Sie mögen auch unter diesen Umständen am Ziel ankommen. Die Vergangenheit beweist es. 

Die Bereitschaft, diesen steigenden Preis zu zahlen, sinkt jedoch kontinuierlich – beim Individuum wie auch bei den Unternehmen. 

Ignorieren wird teuer

Mitarbeitende, die keinen Sinn in ihrer Tätigkeit sehen, haben heute bereits Mühe, die Anforderungen von aussen und an sich selbst zu erfüllen. Dies führt zu Frust, psychischen Problemen und schlussendlich zu krankheitsbedingten Ausfällen. Das sind keine Neuigkeiten. Neu ist, dass die Pandemie wie ein Turbo auf die Entwicklung wirkt. Dies unterstreicht eine Studie der Gesundheitsförderung Schweiz vom Januar 2021. 

Ein Albtraum aus menschlicher wie auch wirtschaftlicher Sicht. Denn es ist hinlänglich bekannt, dass zufriedene Mitarbeitende einen entscheidenden Einfluss auf die Kundenzufriedenheit haben.

Werfen Sie andererseits einen Blick auf Ihren Vertrieb. Entgegen allen Mythen, die besten Aussendienstmitarbeitenden seien ausschliesslich provisionsgetrieben, finden Sie hier durch die Bank intrinsisch motivierte Menschen. Diese finden auch für die kniffligsten Situationen eine kundenorientierte Lösung. Das wird insbesondere in Krisenzeiten geschätzt. Einen Kunden, dem Sie in einer solchen Situation aus der Patsche helfen, werden Sie nur schwer wieder los.

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Das Bedürfnis nach Lebenssinn und einer sinnvollen Tätigkeit wird immer deutlicher. Das haben Technologiefirmen schon lange erkannt und es geschafft, einen Firmenkult um ihr Unternehmen zu entwickeln. 

Seien Sie beruhigt, Sie brauchen keine Marsraketen, schwedischen Möbel oder Smartphones zu produzieren, damit Ihre Mitarbeitenden und Kunden einen Hype um Ihr Unternehmen kreieren. Versicherungen stiften auf vielfältige Weise Sinn. Machen Sie diesen sichtbar und spürbar für Ihre Mitarbeitenden und Kunden.

Übrigens: Kult stammt von Kultur. 

Die ersten drei Fragen zum Firmenkult:

  • «Welchen Zweck erfüllt unser Unternehmen?» 
  • «Was ermöglichen ich und unser Unternehmen unseren Kunden?»
  • «Welche Werte kann ich in meinem Arbeitsalltag leben?»
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