Mit dem Anspruch der Entwicklung neuer Technologien und Dienstleistungen investieren Versicherungen seit Jahren viel Geld in Startups. Gerade in den Bereichen Insurtech und Fintech holen sie sich Know-how an Bord und erweitern darüber hinaus mit Investitionen ihre Ökosysteme. Die Corona-Pandemie bremste diese Initiativen nicht aus, im Gegenteil – sie wirkte als Transformationsbeschleuniger. Gemäss einer Analyse von NTT DATA stellten Versicherer allein 2020 weltweit fast 1,6 Milliarden Dollar für Startup-Modelle bereit, wovon 445 Millionen in Insurtechs flossen. Und laut Oliver Wyman und Policen Direkt gewannen über 80 Prozent der Insurtechs während der Pandemie mehr Neukunden.

Helvetia investiert in spanisches Fintech

Ein Blick auf einige Beteiligungen von Schweizer Versicherern zeigt, wie aktiv die Branche auch hierzulande ist: So hat die Helvetia im August über ihren Venture Fund in Spanien eine erste Beteiligung im Bereich Vorsorge getätigt. Das Fintech Coinscrap bietet verschiedene White-Label-Smartphone-Apps für Banken und Versicherungen an. Ebenfalls in Spanien ist Helvetia in das Insurtech Freshurance investiert, das eine Peer-to-Peer-Versicherung für Mobiltelefone anbietet. Und zuletzt beteiligte sich der Venture Fund in Deutschland am Immobilienfinanzierer Baufi24 und an Faaren, einem Anbieter für Software-Lösungen für Auto-Abo-Angebote.

Michael Wieser, Partner beim Helvetia Venture Fund, sagt zur Strategie des Funds: «Mit ihrem eigenen Venture Fund verfolgt Helvetia das Ziel, finanziell lohnende Investments in Startups zu tätigen, die innovative Impulse im Kerngeschäft liefern oder neue Geschäftsmodelle erschliessen können.»

Zurich beteiligt sich an Bündner Startup

Dies gilt auch für Zurich Schweiz, die sich ebenfalls verstärkt in Insurtechs einbringt oder mit ihnen zusammenarbeitet. So ist die Gesellschaft zum Beispiel mit 25 Prozent im Startup brokerbusiness.ch investiert, das mit einer Beratungs-, Ausschreibungs- und Vergleichssoftware für Versicherungsbroker viele Kunden gewonnen hat. Ausserdem plant man, mit iptiQ von Swiss Re digitale Angebote in der Lebensversicherung zu entwickeln. 

Dass mit entsprechenden Investitionen auch Dienstleistungen und Geschäfte jenseits des Versicherungsgeschäfts aufgebaut werden sollen, zeigt die Beteiligung von Zurich Global Ventures am kanadischen Insurtech Boxx Insurance, welches vollständig integrierte Cybersecurity- und Versicherungslösungen entwickelt. 

Baloise: F10 und Anthemis-Investment

Derweil sichert sich die Baloise über die Beteiligung an Startups hinaus als Unternehmensmitglied des Schweizer Fintech-Inkubators und Accelerators F10 Zutritt zu internationalen Fintech-Startups. Ausserdem befindet sich der Konzern seit 2017 in einer Investment-Partnerschaft mit Anthemis. In diese hat sie mittlerweile 60 Millionen Franken für die Beteiligung an europäischen und US-basierten Startups eingebracht, die das Potenzial haben, die digitale Weiterentwicklung des Versicherungskonzerns voranzutreiben. 

Roberto Brunazzi, Head Group Media Relations bei der Baloise, sagt: «Unser Innovationsansatz basiert auf fünf Säulen: Wir inkubieren, investieren, schliessen Partnerschaften, gründen selbst Startups und gehen Kooperationen ein. In den letzten Jahren haben wir Prozesse aufgebaut, um die hohe Komplexität, besonders in den Innovationsthemen, zu managen. Als Resultat daraus fiel mitunter die Entscheidung, bewusst auf die Ökosysteme ‹Home› und ‹Mobility› zu fokussieren.» Und wie sieht die Zwischenbilanz aus? «Der Start war erfolgreich, wir sind innovativer, vielseitiger und schneller geworden. Wir haben unser Geschäft verbessert und ausgebaut und bereits viele neue Kunden gewonnen», erklärt Brunazzi. 

Das Ziel sei, bis 2025 für das Innovationsportfolio eine Bewertung von 1 Milliarde Franken zu erreichen. Das Portfolio weise eine hohe Qualität auf und bestehe aus vielen erfolgversprechenden Initiativen, hauptsächlich in den besagten Ökosystemen sowie dem selbstgegründeten Digitalversicherer Friday. «Für beide Ökosysteme erwarten wir bis 2025 einen Beitrag zum Geschäftsvolumen von jeweils rund 100 Millionen Franken. Für Friday haben wir zudem die Ambition, 2025 ein Geschäftsvolumen von 160 Millionen Franken erreichen.»