Laut Analysten kommt über die E-Mobilität Bewegung in den hochmargigen Schweizer MF-Policen-Markt. «Grundsätzlich ist der Algorithmus bei uns bei Elektrofahrzeugen und Benzin-/Diesel-Autos der gleiche», sagt Patrick Eugster, CEO von Simpego. «Da wir aber auch Reaktionsfunktionen modellieren, können sich aus dem gleichen Algorithmus andere Prämien ergeben.»

«Grundsätzlich verfolgen wir mit unserer Tarifpolitik das Ziel, diejenige Prämie zu verlangen, die dem Risiko von Fahrer und Fahrzeug am ehesten entspricht», heisst es auch bei Axa. «Ausschlaggebend für die Prämienhöhe sind dabei unsere Schadenstatistiken.»
 
Eine Mischkalkulationsvariante sieht man bei der Allianz (Schweiz). «Grundsätzlich erwarten wir bei Elektrofahrzeugen eine etwas geringere Schadenbelastung», sagt ihr Sprecher Bernd de Wall. «Aus diesem Grund und um den Umweltgedanken zu fördern, werden Elektrofahrzeuge leicht niedriger bepreist als konventionelle Antriebsarten.» 

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«Generell ist das Segment der Fahrzeuge mit alternativem Antrieb noch klein und jung, weshalb noch nicht viele Statistiken vorhanden sind, auf die sich das Pricing stützen kann», so Cornelia Birch, Sprecherin bei Zurich (Schweiz). «Die Mobiliar gewährt eine Prämienermässigung auf Fahrzeuge mit alternativem Antrieb», sagt auch Jürg Thalmann, Sprecher bei der Mobiliar. «Die Höhe des Rabatts hängt wie beschrieben von verschiedenen Faktoren ab. Die Prämienermässigung liegt häufig zwischen 20 und 30 Prozent. Wir belohnen klimafreundliches Verhalten unserer Kundinnen und Kunden mit Prämienrabatten.» 

Schadenereignisse, -häufigkeit und -erfahrung

«Früher war alles besser» – wer diese Auffassung vertritt, kennt die langfristige Autoverkehrsstatistik nicht: Gemäss den Angaben des Bundesamts für Statistik (BfS) kamen 1970 über 170 Menschen auf Schweizer Strassen ums Leben. Inzwischen hat sich diese Zahl auf unter 250 verringert. Daran sind nicht nur die laufend verbesserten Anschnallgurte und Airbags beteiligt. 

«Auf die Schadenhäufigkeit hat die Antriebsart nur einen geringen Einfluss», sagt Mirjam Eberhard, Sprecherin von Axa. «Vielmehr sind das Fahrverhalten des Fahrzeuglenkers und die Assistenzsysteme (ADAS), und davon insbesondere solche, welche aktiv ins Fahrverhalten eingreifen wie beispielsweise der elektronische Bremsassistent, massgebend.» Bei neuen Autos (unabhängig von der Antriebsart) sieht man bei Axa eine zunehmende Verbreitung dieser Systeme und somit einen positiven Einfluss auf die Schadenhäufigkeit. «Dieser Effekt wird jedoch aktuell im negativen Sinn überkompensiert, da der einzelne Schadenfall aufgrund der verbauten Technik wie beispielsweise der Sensoren teurer wird», so Eberhard. 

«Elektrofahrzeuge sind generell in der Regel neue Modelle und verfügen über mehr Assistenzsysteme, wodurch sie eine niedrigere Schadenerfahrung aufweisen, ergo die Prämie tiefer ausfällt», so Nicole Hess, Sprecherin bei der Baloise. «Infolge modernerer Technologie in den Fahrzeugen kann es zwar zu einer Reduktion der Anzahl Unfälle kommen, allerdings können die Kosten ansteigen, da die Reparaturen aufwendiger und somit kostspieliger werden», beobachtet man auch bei der Helvetia, wie ihr Sprecher Dominik Chiavi sagt. «Die Entwicklung dieser beiden Zahlen wird die zukünftige Prämienhöhe massgebend beeinflussen.» 

Damit präsentieren sich die Rabatte in einem anderen Licht: Sie haben weniger mit Schadenmeldungen (variabel, teilweise bei leistungsfähigen E-Fahrzeugen beachtlich) und Reparaturkosten (wenige sehr teure Fälle ruinieren die Gesamtbilanz) zu tun, sondern vor allem mit den Klimaaktivitäten der Versicherungsgesellschaften. Bei allen Gesellschaften sind 20 bis 30 Prozent Prämienrabatt möglich.

Die Begründung ist immer die gleiche. «Axa Schweiz engagiert sich sehr stark in den Themen Nachhaltigkeit und CO2-Reduktion», sagt ihre Sprecherin Eberhard. «Aus diesem Grund gewährt Axa Schweiz derzeit einen Rabatt auf der Versicherung von Elektrofahrzeugen, um ihren Kunden einen Umstieg auf CO2-ärmere Mobilitätsformen zu erleichtern.» «Helvetia gewährt aktuell bei Elektro- und Hybridfahrzeugen den Helvetia-ProClima-Bonus», sagt auch deren Sprecher. «Dieser ist je nach Antriebsart unterschiedlich hoch.» 

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Laut Analysten kommt über die E-Mobilität Bewegung in den hochmargigen Schweizer MF-Policen-Markt. Mit den Prämienrabatten will man die ansonsten wenig wechselbereite Kundschaft halten und weiter binden. Aus der Sicht der einzelnen Versicherungen ist auch immer entscheidend, ob man die Rabatte an den einen Stellen über Mehrgeschäfte an anderen wieder hereinholt. 

Geschäft mit weiteren Policen

Bei Autos mit konventionellen Antrieben sind die Potenziale für weitere Policen beschränkt. E-Fahrzeuge hingegen stellen gemäss Axa «neue Anforderungen an Rettungskräfte und Abschleppdienste». Diese Versicherung bietet in Zusammenarbeit mit Swisscharge, einem Ladestationen-Netzwerk in der Schweiz, weitere Services für Elektrofahrzeuge an. «Die Versicherung kann durch einen sogenannten Wallbox-Zusatz für E-Autos erweitert werden, die Funktion der fest installierten Ladestationen ist damit mitversichert», heisst es von Helvetia. 

Richtig viel unternommen hat Zurich: Im vergangenen Jahr hat man das «E-Mobility Protect» speziell für Elektro- und Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge lanciert. In diesem Versicherungspaket können laut Zurich-Sprecherin Birch drei neue Deckungsbausteine gewählt werden, die den Versicherungsschutz für spezifische Infrastrukturen von Elektrofahrzeugen gewähren: Sie betreffen die Batterie (versichert sind Schäden infolge Bedienungsfehler, Überspannung, Überstrom, Tiefenentladung sowie Fehlfunktion des Ladegerätes), Ladestation und Ladezubehör (Zurich versichert Schäden, die durch Bedienungsfehler, Fehlfunktionen, Umstürze, Überspannung, Kurzschluss, Brand, Elementarereignisse, Diebstahl etc. der Ladestation sowie des entsprechenden Zubehörs entstehen) und die Ladekarte sowie die App (Zurich versichert den Verlust und den Missbrauch einer Ladekarte oder die missbräuchliche Verwendung einer Lade-App, die Halterinnen und Halter zum Laden an Stromtankstellen verwenden). 

Policenverkauf via Autoverkauf

Zurich gilt in der Schweiz auch als erste Adresse für Tesla-Fahrzeuge: Das «InsureMyTesla»-Programm verblüfft auch Versicherungsexperten, wenn diese sich – privat – nach einem Tesla erkundigen. «Ich war völlig überrascht, wie die das zusammen verkaufen», sagt beispielsweise ein Kadermann eines grossen schweizerischen Versicherungsbrokers, der normalerweise einen guten Überblick über das Geschehen hat.  

«Wir haben zahlreiche Kooperationen mit Autohändlern und/oder Verkäufern. Partner von Mazda Finance, Alphera Financial Services und weiteren», heisst es bei Simpego.

Auch bei Helvetia arbeitet man seit dem 12. April 2021 mit dem Hersteller Polestar zusammen. «Kundinnen und Kunden können ihr Elektroauto auf der Website von Polestar nach ihren Wünschen konfigurieren», sagt Helvetia-Sprecher Chiavi. «Nach der Zusammenstellung des Fahrzeugs besteht die Möglichkeit, direkt auf digitalem Weg die Versicherung für das Fahrzeug abzuschliessen.» Hierbei würden die User auf eine Landingpage von Helvetia geleitet. «Damit ist Helvetia an der Stelle präsent, wo das Versicherungsbedürfnis entsteht. Kundinnen und Kunden profitieren von einer passgenauen Versicherungslösung und einer einfachen Abwicklung», so Chiavi. 

Allianz Suisse verfügt laut eigenen Angaben «über diverse Partnerschaften mit Autoherstellern, Autoverbänden oder auch Importeuren». «Diese Kooperationen erlauben einen Versicherungsabschluss direkt am Point of Sale bei den Garagisten, was dem Kunden einen All-in-one-Service bietet», sagt Allianz-Sprecher de Wall. «Darunter fallen auch Partner, welche bereits einen beträchtlichen Teil an Elektrofahrzeugen vertreiben.»  

Und auch Axa arbeitet laut eigenen Angaben mit verschiedenen Partnern wie Importeuren, Garagennetzen oder Einzelgaragen zusammen. «Das gilt sowohl in der Schadenbehebung bei einem bei Axa versicherten Fahrzeug als auch als Partnerin für die Versicherung von Neuwagen oder gebrauchten Fahrzeugen», so Axa-Sprecherin Eberhard.