Die bedeutenden beiden europäischen Finanzmarktländer, Grossbritannien und die Schweiz, treiben die Fintech-Entwicklung nun mit staatlichen Programmen voran. Diese Tatsache lässt sich nicht bestreiten. Es gibt allerdings nur wenige Parallelen innerhalb der beiden Programme. Beide Länder haben vielmehr zielstrebig ihren eigenen Weg eingeschlagen. Die britische Regierung errechnete im Frühjahr dieses Jahres für die Fintech-Wirtschaft ihres Landes einen Weltmarktanteil von etwa 10 Prozent. Daraus ergibt sich ein jährlicher Fintech-Nutzen für das britische Bruttosozialprodukt in Höhe von 1 Milliarde Pfund. Dabei geht die Regierung aufgrund umfangreicher Untersuchungen davon aus, dass sich sowohl der Weltmarktanteil als auch der gesamtwirtschaftliche Beitrag für das eigene Land weiter deutlich steigern lassen.

Diese Entwicklung zu fördern, ist erklärtes Ziel von Schatzkanzler Rishi Sunak, der darauf abzielt, Grossbritannien zum «offensten und damit auch dynamischsten Land» der Welt in Sachen Fintech zu machen. Das Finanzministerium arbeitet derzeit bereits an einem umfangreichen Förderprogramm für die Fintech-Wirtschaft. Dabei geht es vor allem darum, besonders hochwertige Jobs zu schaffen und auf diesem Wege zugleich sowohl die weitere Expansion als auch die Wettbewerbsfähigkeit der Fintech-Branche zu steigern.

Ein ganz spezielles Visa-Programm

Im Einzelnen arbeitet das Finanzministerium gegenwärtig daran, für Fintechs ein ganz spezielles Visa-Programm zu schaffen, um auf diese Weise Ausländer aus aller Welt vereinfacht und verstärkt ins Land zu ziehen. Durch die Regulierung der Fintech-Branche sollen speziell schnell wachsende Firmen gefördert werden. Dazu gehört auch eine vereinfachte Fintech-Börsenzulassung. Mit einem speziellen Fintech-Fonds von 1 Milliarde Pfund sollen die besonders schnell wachsenden Fintech-Firmen vom britischen Staat finanziell gefördert werden. Unabhängig von den Massnahmen der Regierung soll nach den Vorstellungen des Schatzkanzlers zugleich aber auch ein privatwirtschaftliches Center for Finance, Innovation and Technology geschaffen werden, um zusätzlich die Fintech-Wirtschaft auch unabhängig vom Staat zu fördern.

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Zu den wenigen direkten Parallelentwicklungen in Grossbritannien und der Schweiz zählt, dass die weitere Fintech-Entwicklung in beiden Ländern von einer einzelnen hochrangigen Person besonders angetrieben wird. Auf der britischen Seite ist das Schatzkanzler Rishie Sunak. Das schweizerische Gegenstück dazu ist Daniela Stoffel, die Leiterin des Staatssekretariats für Internationale Finanzfragen (SIF). Die Schweiz hat insofern einen Vorsprung vor den Briten aufzuweisen, als hier schon der Detailplan zur Förderung der sogenannten grünen Finanztechnologie veröffentlicht worden ist. Der britische Plan ist dagegen erst in grossen Zügen bekannt.

Die Schweiz setzt ganz auf «grün»

Der schweizerische Detailplan lässt durchgehend die Zielsetzung erkennen, die Nachhaltigkeit und dabei speziell die grüne Finanztechnologie zu fördern. Das Ziel ist dabei ein digitales, nachhaltiges Finanz-Ökosystem von weltweit führendem Rang. Die Briten sehen dagegen das Hauptziel in der Schaffung vielfältiger hochqualifizierter neuer Arbeitsplätze, die Fintech und der britischen Wirtschaft möglichst viel einbringen sollen, während die Schweiz dabei internationaler denkt. Darüber hinaus ist der Schweizer Plan ausdrücklich «grün» ausgerichtet, wohingegen davon in der britischen Planung kaum etwas zu erkennen ist. Die eidgenössischen Initiatoren zielen auf den Aufbau einer internationalen Plattform für Nachhaltigkeitsdaten, wobei die Offenlegungspflichten der Wirtschaft des Landes zu klimarelevanten Daten forciert werden sollen. Davon kann in der britischen Planung keine Rede sein. Parallelen gibt es dagegen vielmehr darin, dass die Pläne beider Länder den Nährboden für Starts verbessern sollen.

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Unterschiedliche Wege gehen beide Länder aber wiederum bei der Finanzierungsförderung für Fintech-Startups. Der britische Schatzkanzler will «seine» Kasse als Finanzminister zur Fintech-Förderung einsetzen. In der Schweiz geht es dagegen vor allem um den Abbau von Hürden für Pensionskassen und Wagniskapitalgeber. Erst am Schluss wird auch ein staatlicher finanzierter Fund of Funds erwähnt, der Venture-Fonds mit Kapital versorgen würde.