Bedeutung von Resilienz in Unternehmen

Unternehmen und Mitarbeitende sollten in der Lage sein, trotz widrigen Umständen und Rückschlägen wie ein Stehaufmännchen immer wieder zu ihrer Ausgangsposition zurückzuspringen. Diese Kompetenz wird als Resilienz bezeichnet und kann sogar dazu führen, dass Unternehmen und Mitarbeitende aus Krisen gestärkt hervorgehen und sich dadurch positiv weiterentwickeln können. Relevant sind Agilität und Resilienz für Unternehmen besonders dann, wenn es darum geht, mit Herausforderungen wie steigender Komplexität, Technologiesprüngen, rasch aufeinanderfolgenden Restrukturierungen oder Arbeitsplatzunsicherheit wirksam und nachhaltig umzugehen. Führungspersonen kommt dabei eine zentrale Rolle zu. Widerstandsfähige Mitarbeitende sind und bleiben für Unternehmen von grosser Bedeutung. Das Thema Resilienz wird in den Unternehmen jedoch (noch) nicht konsequent und strukturiert verfolgt.

Agiles vs. standardisiertes Vorgehen

Der Begriff Agilität leitet sich vom lateinischen Wort «agilitas» ab und bedeutet «Beweglichkeit». Agilität wird im Arbeitskontext erstmals in den 1970er Jahren verwendet und entwickelte sich vor dem Hintergrund immer dynamischer werdender Märkte bis in die heutige Zeit weiter. Agilität befähigt Teams, Individuen und Organisationen in einem unsicheren, sich verändernden und dynamischen Umfeld, flexibel, anpassungsfähig und schnell zu agieren. Trotzdem ist es wichtig zu prüfen, wo agiles Führen passt und wo nicht. In sogenannten High Risk Organizations wie z. B. im Operationssaal, während eines Feuerwehreinsatzes oder im Cockpit eines Flugzeuges geht es nicht darum, neues oder Innovatives zu entwickeln, sondern Standards zu beachten.

 

Carmen Casulleras ist Präsidentin der ASDA-Sektion Aargau und Leiterin Underwriting KMU bei der Schweizerischen Mobiliar Versicherungsgesellschaft AG, Direktion Bern.

Bedürfnisse der Mitarbeitenden

Ansprüche und Bedürfnisse der Mitarbeitenden an ihre Vorgesetzten steigen in Veränderungsprozessen, insbesondere in disruptiven. Vorgesetzte können unterstützen, indem sie resilienzorientiert führen, d. h., indem sie beispielsweise Mitarbeitende begleiten, Stabilität vermitteln, Orientierung geben sowie aufrichtig und transparent kommunizieren.

Den «agilen Führungsstil» gibt es nicht

Untersuchungen zeigen, dass keine einheitliche Auffassung zur agilen Personalführung existiert. Führungskräfte aus dem Schweizer Dienstleistungssektor setzen Agilität in der Führung mit Flexibilität, schneller Reaktionsfähigkeit, vorrausschauendem Handeln oder situativem Anwenden bewährter Führungsstile gleich. Der «agile Führungsstil» bleibt ungreifbar und scheint nichts Neues zu sein. Das Denken, welches während einer Epoche vorherrscht, scheint den Führungsstil zu prägen. Aktuell beschäftigen die schnellen Veränderungen in der Wirtschaftswelt und die Komplexität unseres Wissenszeitalters die Unternehmen. Die Idee des agilen Mindsets passt deshalb zum heutigen Zeitgeist.

Zusammenspiel von Agilität und Resilienz

Die Konzepte «Agilität» und «Resilienz» sind miteinander verwandt. Beide Konzepte fördern die Autonomie des Mitarbeitenden und verschaffen ihm mehr Handlungsspielraum. Als Mitarbeitender Einfluss nehmen zu können, stellt einen arbeitspsychologisch positiven Faktor der humanen und gesunden Arbeit und Motivation dar. Agilität in der Führung und die Widerstandsfähigkeit der Mitarbeitenden können sich gegenseitig beeinflussen. Die Wechselwirkung kann sowohl positiv als auch negativ sein.

Handlungsempfehlungen für die strategische Führung

Die Haltung der Geschäftsleitung gegenüber dem Thema Resilienz ist von zentraler Bedeutung. Ebenso die Frage, wer welche Verantwortung dafür trägt. Weitere Erfolgsfaktoren sind eine starke Firmenkultur, eine klare Strategie sowie ein darauf abgestimmtes Werte- bzw. Zielsystem, was alles transparent kommuniziert wird und den Mitarbeitenden Orientierung gibt. Gleichermassen von Bedeutung sind Führungskräfte mit hoher Führungs- und Kommunikationskompetenz sowie eine Geschäftsleitung, welche – gerade auch bei diesen Themen – eine Vorbildfunktion einnimmt und Worten Taten folgen lässt.