Investoren und Anleger sind von Berufs wegen angehalten, mit Risiken umzugehen, sie einzuschätzen und stets im Hinterkopf zu behalten. Was aber, wenn sich vor allem Risiken auftürmen? Jedenfalls ist es angesichts hoher Inflation, steigenden Zinsen, sinkenden Aktienmärkten, globalen Turbulenzen und einer drohenden Energiekrise schwierig, immer einen oder zwei Schritte vorauszudenken. Anlageopportunitäten zu finden, ist entsprechend anspruchsvoller als auch schon. Versicherer und Pensionskassen sind als Anleger gefordert. 

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Die Sammelstiftung Vita hat aufgrund der erhöhten Unsicherheiten ihren Aktienanteil reduziert, dies zu Gunsten der liquiden Mittel, wie David Schaffner, Sprecher der Stiftung, sagt. «Die Anlagekommission beobachtet die Entwicklungen an den Finanzmärkten genau und analysiert diese laufend», so Schaffner.

«Nowhere to hide»

Für Gérald Mayoraz, CIO der Groupe Mutuel, ist die Zunahme der Korrelation das Besondere an der Entwicklung der Vermögenswerte in diesem Jahr. Er sagt: «Das ‘Nowhere to hide’ spielt eine entscheidende Rolle. Schweizer Aktien, Aktien aus Industrie- und Schwellenländern, Obligationen in Schweizer Franken und Fremdwährungen sowie Schweizer Immobilienfonds erleiden hohe Verluste. Die Groupe Mutuel blieb während des vergangenen Jahres bis heute in Aktien unterinvestiert und hielt die Kapitalbildungsdauer von Anleihen deutlich kürzer als der Referenzindex.»

Investments, die niedrigere, aber beständige Renditen erzielen, rücken da eigentlich in den Vordergrund. Doch auch risikolose Anlagen, wie zum Beispiel Bundesanleihen, erlitten erhebliche Verluste. Gérald Mayoraz: «Nahezu alle Zentralbanken erhöhten massiv ihre Leitzinsen und drückten damit auf die Kurse der Anleihen. Ein Kollateral-Effekt dieser Zinserhöhungen war ein Druck auf die Kurse der - als sicher geltenden - Schweizer Immobilienfonds.»

Alternative Anlagen interessant 

In dieser negativen Gemengelage rücken alternative Anlagen in den Fokus. «Sie sind seit Jahren ein fester Bestandteil der Anlagestrategie von Vita», erklärt David Schaffner und konkretisiert: «Mit einer strategischen Quote von 9 Prozent für alternative Anlagen und 3 Prozent für Infrastruktur ist die Anlagestrategie breit aufgestellt. Das aktuelle Umfeld macht alternative Anlagen durchaus interessanter, da diese relativ stabile Erträge liefern.»

Gérald Mayoraz bestätigt: «Alternative Anlagen scheinen in der aktuellen Situation besser standzuhalten. Auf der Private-Equity-Seite haben die Unternehmensbewertungen kaum unter dem Rückgang der börsennotierten Aktien gelitten. Auch haben private Schulden mit meist variabel verzinsten Krediten keine besonderen Wertverluste erlitten.»

Immobilien bieten nur bedingt Inflationsschutz

Immobilien gelten gemeinhin als gute Absicherung gegen die Inflation. David Schaffner sagt, insbesondere die direkten Immobilienanlagen lieferten im aktuellen Anlageumfeld ansprechende Erträge und würden helfen, die Verluste in anderen Anlagegruppen einzudämmen. «Immobilienanlagen bieten somit einen gewissen Inflationsschutz, doch dieser greift mit zeitlicher Verzögerung», so Schaffner.

Hinsichtlich des steigenden Referenzzinssatzes könnten die Mieten abhängig von den Mietkonditionen und -strukturen erhöht werden. David Schaffner: «Klar im Vorteil sind dabei Immobiliensektoren mit einer kürzeren Mietvertragsbindung, wie beispielsweise der Wohnsektor, da eine Mietzinserhöhung schneller möglich ist.»

Für Gérald Mayoraz sind Renditeimmobilien kein Schutz vor Inflation. «Die Mietanpassungen nach oben gestalten sich schwierig, da die Mieten das Haushaltsbudget bereits stark belasten. Zudem steht die Bewertung der Immobilien unter Druck, da der Diskontsatz für zukünftige Mieten steigt. Wir sprechen von einem Diskontsatz, der die Inflation berücksichtigt», so der Experte.

Versicherer als Verlierer der Zinswende

Der Bekämpfung der Inflation dienen auch die Leitzinserhöhungen der Nationalbank. Philipp Kaupke, Versicherungs- und Bankenexperte bei Simon-Kucher Partners, sieht Versicherer und deren Kunden als Verlierer der Zinswende. «Die Anhebung des Leitzinses wird zum Problem für die Schweizer Sachversicherer, die sich zu einem signifikanten Anteil mit Investitionsgeschäften finanzieren», sagt er. Seine Einsschätzung:  «Die Abkühlung der Aktienmärkte als Folge des Zinsentscheides lässt die Erlöse der Versicherer aus Investitionsgeschäften schrumpfen, gleichzeitig hat die Inflation in den letzten Monaten zu höheren Schadensummen geführt – bei stabilen Prämien für die Versicherten.»