Sorgen bereiten Philipp Gmür als CEO der Helvetia Group die Probleme in den weltweiten Lieferketten und die sich möglicherweise abschwächende Konjunktur. «Die Neuwagenverkäufe sind auch aufgrund von Verzögerungen rückläufig und somit sinkt wohl in der zweiten Jahreshälfte die Nachfrage nach Motorfahrzeugversicherungen», sagte Gmür in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP. «Und aufgrund der sich abschwächenden Konjunktur sinken auch die Einnahmen dort, wo die Prämien an die Umsatzentwicklung der Kunden gekoppelt sind.»

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Nachfrage nach Vorsorgelösungen nimmt zu

Zudem dürften die Menschen künftig weniger Geld zur Verfügung haben, um etwa in Vorsorgeprodukte zu investieren, sieht Gmür ein weiteres Risiko für sein Geschäft. Insgesamt nehme aber die Nachfrage nach Vorsorgelösungen zu. «Und ich bin froh, dass wir über ein breit diversifiziertes Geschäftsportfolio sowie eine solide Bilanz verfügen.»

Die Inflation habe das Unternehmen hingegen im Griff. «Das Inflationsszenario haben wir seit längerem auf dem Radar», sagte der Chef der Helvetia Group. «Dank Index-Klauseln werden die Prämien je nach Entwicklung eines Index rasch an die neue Situation angepasst und zudem nutzen wir die Möglichkeit von Prämienanpassungsklauseln.»

Auch würden Verträge in der Nichtlebensversicherung periodisch erneuert, während Helvetia Neugeschäft ebenfalls zu adäquaten Tarifen abschliesse, zählte Gmür weitere Schritte auf, um dem inflationären Trend entgegenzuwirken. Er geht davon aus, dass Versicherungen in Zukunft teurer werden.

Bislang hat Helvetia in diesem Jahr noch keine grösseren Schadensereignisse registriert. «Insofern hat sich die Inflation auf der Schadenseite noch nicht allzu stark bemerkbar gemacht», so Gmür weiter.

Caser-Integration auf Kurs

Ein starkes Standbein hat sich Helvetia in Spanien aufgebaut, auch dank dem Kauf der Caser-Gruppe vor rund zwei Jahren. «Wir haben Bankpartner dazugewonnen und gehören in Spanien im Nichtlebengeschäft neu zu den Top-7-Anbietern», sagte Gmür. Dabei habe Caser im vergangenen Jahr bereits 72 Millionen Franken Gewinn erzielt und Helvetia 24 Millionen an Dividenden abgeliefert.

In erster Linie setzt Helvetia aber auf organisches Wachstum. Zum Beispiel will die Gruppe mit dem in der Schweiz erfolgreichen Onlineversicherer Smile zunächst nach Österreich und später nach Spanien expandieren. Damit sollen unter anderem auch neue Kundenzugänge erschlossen werden. «Wir werden aber die Augen für weitere Zukäufe in unseren heutigen Ländermärkten offenhalten», sagte Gmür. (awp/hzi/mig)