Darum geht's
  • Das Finanzwissen ist auch in der Schweiz immer noch gering
  • Viele Schweizerinnen und Schweizer können ihren Vorsorgeausweis nicht lesen
  • Auch Arbeitgeber sind gefordert, das Finanzwissen ihrer Mitarbeitenden zu fördern

Wie viel Geld bleibt nach fünf Jahren auf dem Konto, wenn in dieser Zeit weder Geld abgehoben noch eingezahlt wurde? Wenn der Zinssatz auf dem Sparkonto 1 Prozent beträgt und die Inflation 2 Prozent - wie viel kann ich mir mit dem Geld auf dem Konto nach einem Jahr kaufen? Ist es risikoreicher, Geld in eine Anlage oder in mehrere Anlagen zu stecken? Es sind vermeintlich einfache Fragen, welche die Wirtschaftswissenschaftlerin Annamaria Lusardi, eine weltweit anerkannte Expertin für Finanzwissen und Professorin an der George Washington University, bereits vor 20 Jahren für ihre Studienteilnehmenden entwickelte. Diese gelten in der Finanzforschung unter «The Big Three» mittlerweile als Standard.

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Die Ergebnisse ihrer Forschung waren ernüchternd, selbst in Ländern mit entwickelten Finanzmärkten und einem hohen Bildungsstand wie der Schweiz wurden viele Fragen falsch beantwortet. Ein klares Indiz dafür, dass das Finanzwissen auf einem überschaubaren Niveau war und immer noch ist. 

Geringes Finanzwissen

Das unterstreichen auch weitere Studien: Die Flat-Studie (Financial Literacy around the World) zeigte beispielsweise auf, dass nur gut die Hälfte der Schweizer Bevölkerung grundlegende Fragen zu Zinsen, Inflation und Risikoverteilung richtig beantworten kann. Nur eine von drei Personen verstehe die Konzepte Zins, Risikodiversifizierung und Inflation, sagte Martin Brown, Professor an der Universität St. Gallen, gegenüber der NZZ. Alarmierende Zahlen, denn im Laufe des Leben muss jeder die ein oder andere tiefgreifende Entscheidung treffen, sei es beim Erwerb von Wohneigentum, bei der Familiengründung oder bei Investitionen in den eigenen Vermögensaufbau. Nur mit guten Entscheidungen lassen sich auch später noch Träume erfüllen - und es muss nicht jeder Rappen zweimal umgedreht werden.  

Dieser Artikel ist Teil der Market Opinion «Private Vorsorge zeitgemäss gestalten», die in Zusammenarbeit mit der Sammelstiftung Vita realisiert wurde.

Zwei Seiten der Medaille

Finanzwissen ist dabei die eine Seite der Medaille, das Wissen um die eigene Altersvorsorge die andere. Dieses wird häufig völlig falsch eingeschätzt, konstatierte im vergangenen Jahr die Hochschule Luzern in ihrer Studie «VorsorgeDialog». Das Finanzwissen schneide sogar besser ab als das Vorsorgewissen. So versteht laut Studie ein Drittel der Befragten beispielsweise den Vorsorgeausweis nur schlecht oder gar nicht. Für viele sei diese Thematik zu kompliziert oder sie seien einfach zu bequem, um sich zu informieren (37%). «Mangelndes Wissen zu Finanz- und Vorsorgefragen führt unweigerlich dazu, dass Vorsorgelücken nicht erkannt, Fehlentscheidungen getroffen und Handlungsoptionen nicht wahrgenommen werden, welche zu einer Verbesserung der finanziellen Lage im Alter führen würden», schreibt Studienleiterin Yvonne Seiler Zimmermann (HZ Insurance berichtete). 

Grosse Lücken 

Immerhin: Das Interesse am Thema der beruflichen Altersvorsorge ist signifikant gestiegen. Die überwiegende Mehrheit (74%) der Versicherten ist gemäss «VorsorgeDialog» am Thema der beruflichen Altersvorsorge interessiert und hat sich sogar schon intensiv damit beschäftigt. Da ist es erstaunlich, dass die Wissenslücken immer noch so gross sind, wie auch die zweite Studie aus der Reihe «Fairplay in der beruflichen Vorsorge» von Zurich Schweiz und der Sammelstiftung Vita zeigte: Dort wussten trotz anhaltender Rentendebatte nur ein Drittel von der Umverteilung der Vorsorgeerträge von Erwerbstätigen hin zu den Rentenbeziehenden. Aber auch hier gibt es etwas Licht am Ende des dunklen Tunnels: Das Bewusstsein dafür, dass die Lohnabzüge für die berufliche Vorsorge eine Investition ins eigene Alterskapital sind, ist von 47 auf 53 Prozent gestiegen. Die übrigen Befragten sehen in den Beiträgen für die 2. Säule eine Art Steuer oder Gebühr. 

Möglichkeiten nutzen

Der Ruf nach mehr Finanzbildung wird also auch weiterhin laut ertönen. Dabei sind der Staat, die Bildungseinrichtungen aber auch die Arbeitgeber gefordert, das Thema Finanzwissen gemeinsam anzugehen. Gerade Unternehmen können sich angesichts des Fachkräftemangels mit einem attraktiven Angebot in der beruflichen Vorsorge als attraktive Arbeitgeber positionieren. Dieses kann von internen Workshops und Schulungen zum Thema Finanzen, externen Weiterbildungen mit Finanzprofis bis hin zu Mentorship-Programmen gehen, in denen erfahrene und finanziell gut geschulte Mitarbeitende es jüngeren Kolleginnen und Kollegen ermöglichen, von ihrer Erfahrung und dem Wissen zu profitieren.

Oder man holt sich gleich Vorsorgeexperten ins Haus: Einige Pensionskassen bieten ihren Unternehmenskunden an, die Mitarbeitenden über das Vorsorgesystem in der Schweiz und die Möglichkeiten der 2. Säule zu informieren - in der Regel kostenlos. Bildung ist bekanntlich die beste Investition in die Zukunft. 

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