Die KLuG Krankenversicherung ist vor allem in Zug stark verankert. Hat eine regional ausgerichtete Krankenkasse Vorteile gegenüber einer grossen, landesweiten?
Die Verankerung in einer Region bringt den Vorteil, dass wir Versicherte in der dritten und vierten Generation in unserer Krankenkasse haben – die Identifikation mit der KLuG ist bei den Versicherten sehr hoch. Die KLuG Krankenversicherung wurde 1918 als Betriebskrankenkasse der Landis & Gyr gegründet. Unser Name KLuG ist eine Abkürzung von «Krankenkasse Landis und Gyr». Zu Beginn waren es ausschliesslich L+G-Mitarbeiter, die versichert waren. Erst später konnten sich dann auch die Frauen und Kinder der Mitarbeiter versichern. Mit der Einführung des KVG ist KLuG zu einer selbstständigen national tätigen Krankenkasse geworden. KLuG versichert heute Menschen aus allen Kantonen der Schweiz, der Zuger-Anteil liegt aber noch bei 25 Prozent. Diese Bindung zur Krankenkasse versuchen wir auch mit unserem überdurchschnittlichen Engagement für unsere Versicherten zu festigen: Jeder Versicherte hat einen festen Ansprechpartner bei der KLuG, der ihn in allen Belangen berät und unterstützt. Das kommt gut bei den Kunden an, zu Weihnachten werden wir jeweils mit Guetzli und Weihnachtskarten reich beschenkt. 

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Die Verwaltungskosten betragen 5 Prozent der Prämien …  
Noch vor wenigen Jahren waren wir mit 3,5 Prozent Verwaltungskosten sehr kostengünstig. Aber mit der Einführung des Krankenversicherungsaufsichtsgesetzes vor fünf Jahren sind die Anforderungen im Compliance-Bereich überdurchschnittlich angestiegen. Interne und externe Revision sowie die Umsetzung aller Datenschutzauflagen und die damit verbundenen Berichterstattungen haben bei der Verwaltung zu Mehrkosten geführt. Eine Entwicklung, die auch bei den Mitbewerbern feststellbar ist. Das Krankenversicherungsgesetz setzt uns enge Grenzen, die wir stets beachten müssen. Der Fokus müsste vielmehr bei den Prämien liegen. KLuG hat die Krankenkassenprämien in den vergangenen drei Jahren nur marginal erhöht. Die Debatte um die Verwaltungskosten wird überbewertet.

«Die Reduktion der Reserven auf 100 Prozent wäre aus meiner Sicht ein Irrweg, den wir auf keinen Fall beschreiten sollten.»

… und die Solvenzquote liegt bei 384 Prozent.
Die Solvenzquote zeigt, wie nachhaltig die Reservesituation einer Krankenkasse ist. Dank unseren Reserven konnten wir die Prämien auch 2021 stabil halten. Die Risiken möglicher Mehrkosten wegen der Covid-19-Pandemie können wir mit unseren Reserven problemlos bewältigen, ohne die Prämien deswegen erhöhen zu müssen. Die Diskussion um die Höhe der Reserven der Krankenkassen ist ein politischer Dauerbrenner. Die Erfahrungen aus der Vergangenheit haben gezeigt, dass nach politisch verfügten Prämienreduktionen die Krankenkassenprämien in den Folgejahren zum Ärger der Versicherten jeweils wieder sprunghaft angestiegen sind. Bei kleineren Krankenkassen beeinflussen Versichertenwachstum und Kostensteigerungen die Höhe der Reserven unmittelbar. Die Reduktion der Reserven auf 100 Prozent wäre aus meiner Sicht ein Irrweg, den wir auf keinen Fall beschreiten sollten. In der Praxis beschränken sich solche Reserve-Reduktions-Übungen am Ende auf Prämienrabatte in der Grössenordnung von tiefen einstelligen Frankenbeträgen, die die Versicherten kaum zur Kenntnis nehmen.

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Mit welchen Herausforderungen war die KLuG während der Hochphase der Pandemie konfrontiert?
Im Gründungsjahr der KLuG 1918 grassierte die Spanische Grippe. Die Stifter-Firma Landis+Gyr musste damals zusätzliche Mittel bereitstellen, um alle Leistungskosten bezahlen zu können. So gesehen ist KLuG ein pandemieerfahrenes Unternehmen. Im Gegensatz zu 1918 können wir heute mit unseren Reserven allfällige Mehrkosten problemlos aus eigener Kraft bezahlen. Im März 2020 konnten wir dank modernster IT-Infrastruktur innert Wochenfrist auf Homeoffice umstellen. Unsere Mitarbeitenden haben sich mit grosser Flexibilität auf die neuen veränderten Umstände eingestellt. Bei der Produktion verzeichneten wir absolut keine Verzögerung. Herausfordernd waren insbesondere die vielen Tarifanpassungen bei den Tests und den Impfungen, die zu vielen Nachfragen und Abklärungen geführt haben.

Wie arbeiten Sie heute?  
Das Arbeiten im Homeoffice hat sich bewährt, wir werden auch in Zukunft rund 40 Prozent von zu Hause aus arbeiten. Die Mitarbeitenden freuen sich jedoch auch, wieder vermehrt im Betrieb als Team arbeiten zu können. 

«Alle Schweizer KMU-Krankenkassen arbeiten erfolgreich und haben bei den Versicherten eine treue Stammkundschaft.»

Wie sehen Sie die Zukunft der kleinen Krankenkassen?  
Alle Schweizer KMU-Krankenkassen arbeiten erfolgreich und haben bei den Versicherten eine treue Stammkundschaft. Die föderale Struktur der Schweizer Krankenversicherungen ist regional verankert und sehr stabil. Durch das BAG erfahren wir keine Sonderbehandlung, wir haben stets alle gesetzlichen Anforderungen an einen Krankenversicherer zu erfüllen, das ist herausfordernd, aber wir schaffen das problemlos. Unsere Vorteile sind eine schlanke, effiziente Administration mit kurzen Dienstwegen und die persönliche Betreuung der Versicherten.

Was sind ihre Ziele als CEO der KLuG? 
Mit der Pandemie konnten wir die Digitalisierung unserer Prozesse zügig und gut weiterentwickeln. Die Zahl der Versicherten, die ihre Arztrechnungen persönlich im Büro vorbeibringen, wird immer kleiner. Das soll weiterhin möglich sein, die Mehrheit wünscht sich hingegen, den ganzen Abrechnungsprozess ausschliesslich auf digitalem Weg vollziehen zu können. Um auch diese Bedürfnisse professionell erfüllen zu können, haben wir innovative Produkte in Vorbereitung.

«Es wird spannend, wenn der Bundesrat Ende September die Prämien für das kommende Jahr bekannt geben wird.»

Wie sehen Sie die Prämienentwicklung im Jahr 2022? 
Die Prämien müssen die zukünftig zu erwarteten Kosten decken, so lautet die gesetzliche Anforderung. Die Pandemie macht die Kostenschätzungen in diesem Jahr nicht einfacher. So gesehen wird es spannend, wenn der Bundesrat Ende September die Prämien für das kommende Jahr bekannt geben wird.

Was müsste im Schweizer Gesundheitssystem geändert werden?
Die Erfahrungen während der Pandemie haben gezeigt, dass im Schweizer Gesundheitssystem vieles gut funktioniert. Lokal aufgetretene Engpässe konnten national stets gut ausgeglichen werden. Mit der Verlagerung zahlreicher Spitalbehandlungen in den ambulanten Bereich müsste das ambulante  Tarifsystem Tarmed, das aus mehreren tausend Einzelpositionen besteht, dringend reformiert und vereinfacht werden. Mit Behandlungspauschalen auch für ambulante Behandlungen ist bereits eine taugliche Vereinfachung angedacht. Leider sind zu viele Partikularinteressen im Spiel, die eine Verständigung zwischen Ärzten, Spitälern und Krankenkassen blockieren.